#1530445
Mich würde einfach mal eure Meinung interessieren.
Das läuft ja jetzt schon einige Wochen und die Politik und Medien sind geradezu berauscht von den Protesten. Romantisierung der 68er Bewegung lässt grüßen.

Samstag bekommt Greta Thunberg die Goldene Kamera für ihr Engagement und im Dezember wohl den Bambi (oder ist sie dann gar nicht mehr lit?). Das ist ja schon sehr...naja... ich schäme mich jetzt schon zu Tode, wenn ich mir das alles bildlich vorstelle.

Friedensnobelpreis könnte auch noch drin sein.
- Ich spare mir jetzt die Liste zu posten, wer sonst noch alles dafür nominiert ist. Hitler-Gags verbieten sich ohnehin. -
Symbolisch hätte der direkt noch Sinn.
Zuletzt geändert von Neo am Di 27. Aug 2019, 17:08, insgesamt 2-mal geändert.
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von vicaddict
#1530465
Ich finde es gut. Ob die Politik mal reagiert oder die Schüler irgendwann mit Polizeigewalt in die Schule drängt, wird man sehen. Generell finde ich es aber spannend, dass sich die jüngere Generation derzeit Gehör verschafft. Ob Gretas Bewegung, Artikel 13/17 oder die Jugend in Murica, die gegen Waffengewalt marschiert.

Durch Social Media solidarisieren sich ja auch Millionen von Menschen aus allen Ländern. Das wird in den kommenden Jahren spannend. Vielleicht aber auch genau der Grund, warum man das Internet einschränken möchte oder hierzulande erst gar keine Glasfaser verlegt :D

Viva la revolución!
von Chris_23
#1530476
Goldene Kamera, Bambi, nimmt das denn überhaupt noch jemand ernst?

Was FFF angeht bin ich aber hin-und hergerissen. Einerseits finde ich es gut wie sich die Jugend engagiert, u.a. weil ihr auch immer vorgeworfen wird, dass sich sich für nichts interessiert.
Andererseits glaube ich aber auch, dass gerade bei FFF die Zahl derer die dort nur mitlaufen weil es zur Schulzeit stattfindet größer ist als sie sich eingestehen wollen.
von TorianKel77
#1530478
Dieses Anbiedern mithilfe irgendwelcher sinnlosen Preise ist einfach armselig. Wenn Frau Thunberg die Plattform nutzt und den Preis danach in den Müll haut oder nicht annimmt, hätte sie bei mir an Sympathie und Glaubwürdigkeit gewonnen.

Bezüglich des Ganzen bin ich ansonsten zwiegespalten. Der Hype ist übertrieben und es steckt natürlich purer Idealismus dahinter, der nicht eins zu eins in Aktionen und Politik umzusetzen ist. Politiker die anderes suggerieren sind unseriös und wollen nur auf den Zug aufspringen.
Andererseits fehlt wirklich vielfach die Weitsicht in der Politik und wenn das hier aufrüttelt und irgendwie mehr Bewusstsein für künftige Generationen bei den Politikern schafft, wäre viel gewonnen. Leider bin ich dahingehend aber äußerst pessimistisch eingestellt bzw. schon lange desillusioniert..
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von Wolfsgesicht
#1530488
Goldene Kamera? Warum nicht auch einen Oscar? Achja....es ist ein Filmpreis. Für Filmschaffende. Die Filme machen. Mit Bild und Ton und so.
Ernsthaft???

Einfach albern.

Und bei diesen Menschen die immer sagen „sollen die Kinder doch auf nahezu alles verzichten, wie Smartphones etc.“...das sind dieselben die sich über Veganer witzig machen und das nicht ernst nehmen.
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von Neo
#1530508
Ich finds auch nicht ganz so einfach. Die Proteste sind erstmal gut, auch wenn ich natürlich auch sicher bin, dass ein Großteil kein Plan hat und da einfach nur so als Happening mitläuft, aber wenns was nützt, dann solls einem doch echt recht sein. Dass das von weiten Teilen der Medien und Politik einfach nur toll gefunden wird, finde ich super kurios, wobei es mich bei den Medien nun nicht unbedingt wundert.

Was mich aber am meisten stört: Es ist alles wieder schwarz-weiß gehalten. Auf der einen Seite stehen die absoluten Idealisten und das teilweise in der dümmsten Form (ist ja nicht selten so) und auf der anderen Seite dann Leute, die einen richtigen Hass gegen Thunberg und die Bewegung hegen, bis hin zu Klimaleugnern. Dazwischen darf es nichts geben und wer (auch berechtigte) Kritik übt, der gehört gleich zu letzterer Gruppe.

eis-fuchsi hat mit dem Post auch einen Punkt getroffen. Ich könnte zumindest nicht so auf der Straße mitlaufen, mit dem Bewusstsein, was ich alles mache, obwohl es wahrscheinlich verzichtbar wäre. Aber da laufen ja Leute mit, die das mit dem Klima ganz schlimm finden, aber trotzdem auf nichts verzichten wollen. Luisa Neubauer ist doch das Beispiel schlechthin, auch wenn sie sagt, dass sie nun "bewusster" fliegen wird. Und ja, okay. Sie ernährt sich vegetarisch. Aber alleine schon die ständige Verteidigung und das Aufzählen, was man nicht alles macht und was andere ganz dringend machen müssen (!), ist doch furchtbar. Wenn Katharina Schulze von den Grünen bei Demos mitläuft, die symbolisch ein Flugzeug an den Galgen hängen und sie sich schrecklich über alles echauffiert, dann aber ein paar Monate später lustige Bilder aus den USA postet, kann man das doch schlecht ernst nehmen.
Wolfsgesicht hat geschrieben:Und bei diesen Menschen die immer sagen „sollen die Kinder doch auf nahezu alles verzichten, wie Smartphones etc.“...das sind dieselben die sich über Veganer witzig machen und das nicht ernst nehmen.
Das hätte ich jetzt nicht zwangsläufig zusammengebracht. ^^
Das eine ist eben zynisch und das andere meistens einfach nur durch Dämlichkeit geprägt, meist um billigen Applaus abzugreifen. Gerne noch mit einem Satz wie "ich esse halt meinen Schweibebraten und lasse mir das auch nicht verbieten!" garniert. Funktioniert fast immer.
TorianKel77 hat geschrieben:Dieses Anbiedern mithilfe irgendwelcher sinnlosen Preise ist einfach armselig. Wenn Frau Thunberg die Plattform nutzt und den Preis danach in den Müll haut oder nicht annimmt, hätte sie bei mir an Sympathie und Glaubwürdigkeit gewonnen.
Ich glaube ja, dass sie das gar nicht wertet, sondern einfach nur Aufmerksamkeit generieren möchte. Sympathie muss auch nicht zwingend sein, aber Glaubwürdiger, als dieses Mädchen, gehts wohl kaum.
Mir tut das unfassbar leid, wie sehr sie von manch einem wieder fertig gemacht wird. Und immer dieses ganze Marionetten-Gelaber und blöde Kommentare wegen des Autismus etc.
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von Wolfsgesicht
#1530524
Ich hab bei Menschen wie Luisa Neubauer immer direkt im Kopf „die will bekannt werden“.
Daher nervt mich das eher die überall zu sehen. Bei Greta hat man (sicherlich bedingt durch den Autismus) dieses Gefühl nicht.
Aber inwiefern das bei Luisa stimmt, keine Ahnung,

Gleichwohl bin ich da nicht so kritisch wie andere. Man wirft ihr ja vor sie ist früher um die ganze Welt geflogen und macht jetzt einen auf Klimaschutz.
Da stellt sich mir die Frage: Ändern sich Menschen nicht? Darf ich wenn ich als Jugendlicher geflogen bin automatisch nicht mehr für Klimaschutz demonstrieren? Darf ich wenn ich als Jugendlicher billliges Fleisch gegessen habe, mich etwa später nicht mehr für den Tierschutz einsetzen? Darf ich wenn ich eine Frau misshandelt habe mich später nicht mehr für den Schutz für Frauen engagieren? Kein Feminist mehr werden? Ist es nicht geradezu vorbildlich, wenn jemand der früher ein entsprechendes Leben geführt hat, sich jetzt für das Gegenteil einsetzt und sich selbst als gutes Beispiel darstellt, dass das durchaus möglich ist?
Sollte in jeder Situation immer mein Ich aus der Vergangenheit herangezogen werden und mir etwas unterstellt werden, weil ich früher so war?
Daher finde ich den allgemeinen Diksurs über Luisas frühere Fliegerei nicht so bedeutungsvoll, wie ihn viele gerne machen.
Sicherlich ändert man sich nicht von heute auf morgen, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Das Problem an dieser Geschichte ist einfach: Man will anderen Leuten etwas vorschreiben.
Man will ihren aktuellen Lebensstandard, Dinge die selbstverständlich sind, senken.
Das sind einfach Dinge, die kriegt man nicht durch. Menschen sind so bequem und streben nach immer bequemeren Sachen.
Letztens hat einer auf Twitter dargelegt warum er dem ÖPNV nicht nutzt. Er braucht mit dem Auto 35 Minuten zur Arbeit, mit dem ÖPNV wären es ganze 50 Minuten. Dafür zahle er gerne 200€ mehr im Monat für sein Auto. Grundsätzlich finde ich 15 Minuten mehr völlig ok, aber wenn man hierzulande bereit ist dafür so viel Geld auf den Tisch zu legen für das Auto, wie will man da durchsetzen dass man weniger Auto fährt?
Auch da stehen Städte vor einem Problem.
In Dortmund hat man 2017 mal Bürger zu einer Diskussionsrunde eingeladen, weil man wissen wollte wie man die Mobilität gestalten solle. Dort sind mehrere Fromten aufeinander geprallt.
Die einen, die mehr ÖPNV wollten. Die anderen, die wütend waren weil ihre Steuern nicht in Straßen für ihre Autos, sondern in den ÖPNV fließen würden.
Die einen, die gerne mehr Fahrradwege wollten, die anderen, die Angst hatten man würde Ihnen Ihre Parkplätze dafür nehmen.
Die einen, die das komplette Innenstadtgebiet gerne Autofrei hätten, die anderen, die mit ihrem Auto gerne bis ins Geschäft fahren und auch die Einzelhändler die befürchten, eine nicht Auto-freundliche Innenstadt würde Käufer abschrecken und die würden dann zu Einkaufzentren außerhalb fahren.
Es ist eine politische Gratwanderung alle glücklich zu machen.
Und mit dieser „wir wollen alles verbieten“ Mentalität und der Wahrnehmung eben dieser, erreicht man das nicht.
In „der Anstalt“ fiel letztens der Satz „Es wollen ja alle Klimaschutz, nur wenn der Flug nach Mallorca für 12,99€ im Angebot ist, dann ist der Klimaschutz vergessen.“
Genauso beim Fleisch. Es ist selbstverständlich billiges Fleisch täglich zu bekommen, das zu verbieten wird unmöglich sein.
Da kommt man dann mit Freiheit.

Freiheit ist in Deutschland ein hohes Gut, und man fasst dort einfach alles ein.
Auto fahren, Tempolimit,, Fleisch, die 17,50€ über die nicht frei entschieden werden darf, impfpflicht....
Selbst wenn man geblitzt wird regt man sich über die Polizei auf, obwohl es die eigene Schuld war.
Dass es ein Gemeininteresse an manchen Sachen gibt, wie beim Tempolimit wo es eben oft nicht die trifft, die zu schnell sind, sondern irgendeinen der unschuldig war, will einfach niemand sehen.
Ich meine wenn man einen Nachbarn hat der gerne um 3 Uhr nachts Heavy Metal aufdreht, da beschwert man sich auch. Wenn der da mit „Freiheit“ kommt schlägt man den zu Boden. Da ist einfach selbstverständlich dass man keine laute Musik hört, im Bus nicht furzt, dem Nachbarn nicht auf die Fußmatte kotzt oder nackt in den Supermarkt geht. Mit „Freiheit“ kommt da niemand.
Beim Thema Tempolimit wo man andere unbeteiligte totfährt und beim Thema Fleisch, wo es mittlerweile gute Ersatzprodukte gibt, da dann schon. Beim Fleisch werden Regenwälder geholzt, Tiere gequält, Unmengen Wasser verbraucht (15.000 Liter/Kg) aber die eigene Freiheit ist bedroht.
Selbst beim E-Auto kommt man mit Freiheit, da man alle 300 km anhalten muss und 15 Minuten laden muss. Völlig inakzeptabel für weniger Schadstoffe (man könnte es auch Gift nennen) in den Städten und unabhängigerem Leben von den Ölstaaten und dem verhindern des verbrennens eines sehr wichtigen Rohstoffes für den Fall, dass man wenn man mal 300 km am Tag fährt, was etwa 4-mal im Jahr der Fall ist, 15 Minuten halten muss.
Ich antworte auf sowas immer: Bedenklich, dass Sie, wenn Sie mit Ihrer Familie in den Urlaub fahren, augenscheinlich die Strecke bis nach Kroatien ohne Pause durchfahren. Nicht gerade sehr verantwortungsvoll und geradezu fahrlässig.
Ich finde es toll, wenn man zukünftig gezwungen wird alle 3 Stunden 15 Minuten halten zu müssen. Leider wird die Technik voranschreiten und die LadeZeit damit senken und die Strecke erhöhen.
Alles was eine Einschränkung ist, wird einfach konsequent abgelehnt.

Das mit dem E-Auto ist für mich immer das ALLERBESTE Beispiel.
Es ist eine kleine Einschränkung für den Familienurlaub statt einer oder 2 Pausen jetzt 4 zu haben. Es dauert damit 30 Minuten länger. Den Rest der Zeit ist es in der Stadt einem Verbrenner deutlich überlegen, wenn die Ladeinfrastruktur stimmt und das bezahlen vereinfacht wird. Es macht in jeglicher Hinsicht Sinn.
Aber der Umstand dass man alle 300 km halten muss ist für die paar Fahrten über diese Strecke für einen Deutschen schon inakzeptabel. Da teilt man dann Studien das e-Auto sei viel schlechter als der verbrenner.
Und eben dieser Umstand, dass selbst diese kleine Einschränkung für viele anscheinend inakzeptabel ist, lässt mich glauben dass man mit dem aktuellen Ansatz der Klimadebatte nicht weit kommt.

Sind wir mal ehrlich. Wir nehmen mal das Beispiel mit künstlichem Fleisch.
Zuerst ist es wirklich bedenklich, dass es in Deutschland anscheinend teurer ist aus Weizen, Kartoffeln, Hefe, Soja etc. Fleischimitate herzustellen, also eine vielfache Menge Soja aus Brasilien zu importieren, es an ein Tier zu verfüttern und es dann zu schlachten.
Und dann denke ich mir: Was passiert, wenn man in Deutschland sagt: Wer Fleisch will, soll einen richtigen Preis dafür bezahlen, bei dem sowohl ein Wert des Lebens einberechnet wird, als auch die Haltung des Tieres wirklich gut ist. Wer nicht bereit ist diesen Preis zu zahlen, der soll ein (mittlerweile täuschend echtes) Fleischimitat essen.
Was passiert? Man hätte sämtliche Wähler gegen sich aufgebracht, weil es hier selbstverständlich ist, dass billiges Fleisch ein Menschenrecht ist. Es ist für deutsche ein verdammtes Menschenrecht.
Es wäre quasi keine Einschränkung, da diese Fleischimitate (Beyond Meat, Impossible Meat,...) in verarbeiteter Form wie Fleisch schmecken. Man schmeckt das Fleisch in einem Burger oder in seinem Geschnetzeltem nicht gut genug, um den Unterschied zu schmecken. Bratwurst schmeckt ja heute schon nicht mehr wie Fleisch. Lediglich bei etwas wie Steak würde man das bemerken.
Trotzdem ist es eine Einschränkung und wäre damit wohl inakzeptabel.

Wie will man da nur etwas durchsetzen?

Nicht mal auf Veränderungen steht man. Erneuerbare Energien sind Studien zu Folge vergleichbar teuer wie Strom aus Kohle. Und selbst da prügelt man sich, ob man das jetzt machen soll weil dies und das.
Wahrscheinlich streiken die Schüler noch, wenn die nächste Wahl ist.

Allen eine Veränderung aufzwingen zu wollen, ist einfach schwer.
Es gibt ja Alternativen. Besagtes Fleisch, E-Autos, erneuerbare Energien, Elektrische Flugzeuge gibts bald auch...und trotzdem will man es im Grundsatz einfach verbieten. Schlauer wäre die Alternativen aufzuzeigen. Die will zwar auch niemand, aber dann gäbe es kaum gute Gründe dagegen zu sein, da die Einschränkungen gering ausfallen.
von TorianKel77
#1530536
Es kommt auf die Zwischentöne an, man hangelt zu sehr an den Extremen entlang. Viele Dinge plakativ von heute auf morgen umsetzen zu wollen oder zu 100% ist illusorisch und nicht zielführend. Da gibt es komplexe Aspekte und Beziehungen die ausgeblendet werden. Deswegen einfach komplett auf Ablehnung, Leugnung und Durchzug zu schalten ist die schwachsinnige andere Seite.

Viele Beweggründe sind auch Lug und Trug. Ich sehe das aus erster Hand bei Erneuerbaren Energien. Da werden sich mitunter rücksichtslos die Taschen voll gemacht unter Vorspiegelung edler Motive. Und was man heute predigt, wird ohne viel Federlesen weggewischt sobald es um den Zaster geht.
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von Neo
#1530541
Finde es ja immer interessant, dass das so elitär diskutiert wird. Mir ist das komplett schleierhaft, wie man an gewissen Dingen Geld sparen kann, wenn Geld vorhanden ist. Ich mache mir da eher Gedanken um die Menschen, die dieses Geld eben nicht zur Verfügung haben und die durch die ganze Zwangs-Verzichts-Kultur immens eingeschränkt werden. Die Mittelschicht und alles was drüber ist, macht mich auch dementsprechend wütend. Der Ausbau von öffentlichen Verkehsmitteln und Radwegen darf kein Diskussionspunkt mehr sein. Wer dagegen ist, hat doch einen an der Waffel.
Heißt ja nicht, dass man komplett auf das Auto verzichten muss. Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen, wenn das für manche ein Hobby ist, aber Verständnis habe ich sehr wohl dafür. Und wenn Ulf Poschardt in einer Talkshow vom Auto (mit Seele) als Kulturgut redet und andere die Augen verdrehen, finde ich diejenigen einfach nur schlicht dumm. Man versucht es nicht mal zu verstehen. Und da kann man dann noch so viel aufzählen, was man sonst alles für die Umwelt macht und wie bewusst man lebt... den Satan-Stempel hat man ohnehin. Bewusst fliegen geht also, bewusst Autofahren nicht. Schon gar nicht mit hohem Tempo. Bzw. man darf das machen, sich aber nicht dafür offen aussprechen.

Fleisch finde ich auch immer schwierig. Ich kenne kein vegetarisches/veganes Produkt, das einen überzeugten Fleischesser dauerhaft catchen könnte. Allein schon die Konsistenz ist schwer nachzustellen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie sogenannten Ersatzprodukte auch einen ziemlich hohen Preis haben, gerade wenn es dann noch in den Biosektor geht. Mit frischem, regionalen Gemüse will ich gar nicht anfangen.
Ich weiß ja nicht, wie viel Geld die meisten hier zur Verfügung haben, aber ich war und bin da immer extrem am strugglen (trotz 20% im Biomarkt). Und wenn ich bei uns in den Brennpunktgebieten durch den Aldi oder Lidl laufe und sehe, was die Familien da einkaufen (teilweise müssen), dann finde ich das schon sehr traurig. Zumal es auch schwierig ist sich mit Ernährungsfragen auseinanderzusetzen, wenn man ohnehin noch ganz andere Probleme hat und zudem kein gesondertes Interesse. Nicht umsonst mag man doch dieses Ampelsystem einführen und das sagt ja leider auch nicht alles aus.

Aber gut. Man hats die letzten Jahre einfach versaut das auf einem liberalen Wege zu lösen und jetzt isses zu spät dafür.
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von eis-fuchsi
#1530545
ist es nicht auch ne verpflichtung der Politiker was zu ändern?!
Wir 'normalen' Bürger können doch bestenfalls Willen zeigen, aber daß wir die Welt dadurch 'retten' schaffen wir nie alleine.
Da müssten doch eher Gesetze her, daß umweltschädliche Produkte eben teurer werden


oder auch mal ein anderer Gesichtspunkt... ist das größte Problem nicht die Anzahl der Menschen?!?! wir werden ja immer mehr, und damit auch der ganze Müll und Abfall
man soll jetzt natürlich nicht tausende Menschen in den Weltraum schiessen (wie The100 :lol: )
aber man könnte ja gesetzlich regeln, daß jedes dritte Kind einfach keine Unterstützung vom Staat mehr bekommt... ähnlich wie in China
und dann würde sich das doch bestimmt einpegeln.... hmm, ach keine Ahnung 8)
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von Neo
#1530546
Der Staat sollte da absolut eingreifen. Er bestimmt ja auch über die Verteilung der Steuergelder. Hätte man ab den 70ern/80ern mehr in Bildung investiert, hätten wir einen wesentlich geringeren Konsum von Fleisch, weniger Plastikmüll, eine bessere Infrastruktur und was sich sonst noch alles durch gute Aufklärung selbst steuern kann.
Das Verbot von Plastiktüten etwa oder jetzt mit den Strohhalmen und dem Einwegzeug war doch längst überfällig. Fände auch den Eingriff bei er Zuckerreduktion notwendig.
Kann man ja alles endlos weiterführen. Aber strikte Verbotspolitik ist eben gefährlich. Und gerade bei zusätzlicher Besteuerung trifft es eben diejenigen, die allgemein nicht viel zur Verfügung haben.
eis-fuchsi hat geschrieben:oder auch mal ein anderer Gesichtspunkt... ist das größte Problem nicht die Anzahl der Menschen?!?! [...]
aber man könnte ja gesetzlich regeln, daß jedes dritte Kind einfach keine Unterstützung vom Staat mehr bekommt... ähnlich wie in China
und dann würde sich das doch bestimmt einpegeln.... hmm, ach keine Ahnung 8)
Schlechte Idee. In Deutschland haben wir ja zu wenig Kinder und wenn du dir anschaust, was für Auswirkungen die Politik in China hat - Kinder bzw. v.a. Mädchen werden in der Schwangerschaft oder nach der Geburt abgetrieben und umgebracht, weil sie nichts wert sind -, dann kann man das nicht ernsthaft wollen...
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von EPFAN
#1530555
Die Geburtenraten in Europa allgemein sind nicht hoch und gehen eher zurück. Ich sehe Europa nicht verantwortlich für die Bevölkerungsexplosion.
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von Wolfsgesicht
#1530565
Die Rede von Greta war schön.
Auch wenn ich mich über den Preis bei einer Filmpreisverleihung etwas aufrege, weil er unpassend ist.
Und es ein bisschen merkwürdig anmutet, wenn Promis da so applaudieren wenn sie kritisiert dass man viel durch die Welt fliegt um mal hier und dort zu sein für dies und das. Wo sie (die Promis) selber 5-mal die Woche durch Europa fliegen. So ein Promi hat einfach einen ganz anderen ökologischen Fußabdruck...mutet daher merkwürdig an da so frenetisch zu applaudieren. Ist dann eher höflich als „oh ja, das mach ich jetzt“.
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von Neo
#1530868
War damals auch gar nicht so schlimm, wie ich es befürchtet hatte. Trotzdem war das Bild extrem schief. Gerade die Leute im Publikum, die mit Tränen in den Augen aufstanden und appaudierten. ^^

Und irgendwie ist es doch schön zu sehen, wie sich FFF weiterentwickelt. Vorgestern gabs im Berliner Naturkundemuseum ja eine PK, um ein paar konkrete Forderungen zu droppen. Viele sind nicht unrealistisch. Bin mal gespannt, inwiefern man nun drauf eingehen mag. Die Kritik haben sie nun schon mal weggewischt.
PK :arrow: https://www.youtube.com/watch?v=JnnPzDJ2GNw

Da hat man jetzt nicht die heitersten Gesellen genommen, ist aber natürlich auch ein ernstes Thema. Nun ja. :mrgreen:
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von Wolfsgesicht
#1533028
Hatte überlegt dafür ein eigenes Forum zu eröffnen, aber das passt auch hier rein. Daher spar Ichs mir.
Thema: Die ("Verbots"-)Politik der Grünen.

Immer wieder kommt die Debatte beim Thema "grün" auf: Müsste man dann nicht alles verbieten? Smartphones, Urlaub, Kleidung, Auto fahren, Licht...es wird geradezu mit der Steinzeit gleichgesetzt. Man könnte auch sagen: Die breite/laute Meinung sagt: Die Welt der grünen ist die Steinzeit.

Es wird sich mit allem was man hat dagegen gewehrt. Eine Politik für den ÖPNV und gegen das Auto widerspricht den freiheitlichen Grundsätzen. Eine Politik gegen möglichst billiges Fleisch widerspricht den freiheitlichen Grundsätzen. Freiheit steht auf allen Fahnen. Und die Grünen wollen sie, laut Meinung vieler, uns allen wegnehmen. Vorschriften machen wie man sich zu verhalten hat, alle Freuden nehmen etc. pp..

Man könnte diese Debatte ja so ähnlich in den USA sehen. Bei uns ist es das Auto was die Freiheit bedeutet, in den USA sind es die Waffen.
Mir ist einerseits bewusst, dass es nicht überall gegen das Auto gehen kann, sondern eigentlich erstmal nur in den Städten. Für mich persönlich ist ein Auto in der Stadt für 80% der Menschen fehl am Platz. Es muss nicht zwangsläufig teurer werden, es soll einfach nur die schlechteste Wahl in der Stadt sein. In den Niederlanden erreicht man es durch eine völlig beknackte Straßenführung die jeden Weg mit dem Fahrrad schneller "macht" und den Bus gleich schnell, nur halt billiger. Teurer wird das Auto damit nicht und effektiv langsamer auch nicht, man bemerkt es nur stärker, weil der Umweg stärker wahrgenommen wird als das stop&go in einer modernen Stadt. Der gerade Weg wird durch einen Autofahrer als schneller empfunden, weil er das Auto als schnell empfindet, obwohl es im Berufsverkehr elendig langsam fährt. Ein Umweg der schneller befahrbar ist wird dabei als langsamer wahrgenommen, weil man den Umweg im Kopf hat. Er kann dabei sogar schneller sein als die Luftlinie im stop&go, tatsächlich nimmt der Mensch den Umweg trotzdem als langsamer wahr. Interessant, oder?

Diesel-Fahrverbote sind natürlich kein Lösungsmittel, es ist ja ehrlich gesagt sogar dumm wenn man Wege sperrt weil das Fahrzeug zu dreckig ist und es damit weitere Strecken zurücklegen muss und damit mehr Schadstoffe ausstößt. Bescheuerte Lösung, auch wenns die Anwohner freut...

Bei uns in der Stadt wurde mal ein generelles Tempo 30 diskutiert. Wurde natürlich abgelehnt, weil es einem Verbot gleich kommt (hat man so rausgehört, ich war bei der Diskussionsrunde dabei).
Man ist dabei mit dem Tempo 30 nicht mal viel langsamer, da bei dem Tempo einerseits weniger Ampeln nötig sind und die grüne Welle leichter zu erreichen ist, wenn alle langsamer fahren. Den geringeren Lärm und die Schadstoffe jetzt mal völlig ignorierend...

Beim Fleisch ist die Diskussion ja "Die Grünen wollen mir das Steak verbieten!".
Einerseits empfinde ich vegetarische/vegane Produkte an vielen Stellen für die klar bessere Lösung. Die meisten Leute ziehen ihre Bratwurst wohl einmal durch ne Flasche Ketchup und alles was übrig bleibt beim Grillabend ist der Geschmack der Soße. Besonders bei Kindern, da die Soßen viel Zucker beinhalten und Kinder Zucker lieben (und Erwachsene auch). Was übrig bleibt ist in vielen Gerichten (auch außerhalb vom Grill) höchstens die Konsistenz, und weniger der Geschmack. Aufgrund der Soßen und des Gerichts um das Fleisch herum dürfte in vielen Fällen "falsches" Fleisch kaum vom echten unterscheidbar sein. Bei einem Burger ist es ähnlich, wenn das Patty klein ist. Pfeffert man sich ein halbes Kilo auf den Burger, ist das natürlich was anderes. Bei McDonalds würde in spätestens 5 Jahren wohl kaum einer den Unterschied schmecken, wenn man noch etwas weiter forscht am Fleischersatz. Sind die Chicken Nuggets überhaupt Fleisch? :grin:
Und hier steckt der Teufel im Namen. Fleischersatz. Wann immer man es isst, vergleicht man es mit Fleisch. Die einen werden sich damit zufrieden geben dass es fast genauso schmeckt, die anderen werden jede kleinste Abweichung zum Anlass nehmen wieder zum echten Fleisch zu greifen. Und zwar vermutlich unabhängig davon, ob einem das echte oder der Ersatz besser geschmeckt hat. Da zählt bei vielen wohl nur das einzig wahre echte Fleisch - aus Prinzip. Ich sehe hier aber auch die Möglichkeit das Produkt "Fleisch" vielseitiger zu gestalten.
Der Fleischersatz ist aber keinesfalls bedenkenlos - auch bei mir nicht - konsumierbar. Das aktuell wohl beste Produkt wird mit gentechnisch veränderten Produkten hergestellt, die aktuell noch nicht völlig frei sind von gesundheitlichen Bedenken. Allerdings sind Medikamente im Fleisch wohl auch nicht gesundheitlich Bedenkenlos.
Und beim Argument "Man will einem das Steak wegnehmen" muss man auch sagen - ein gutes Steak wird man auch in 10 Jahren nicht ersetzen können. Allerdings zahlt man dafür ja auch jetzt schon ein paar Mark und bei einem guten Steak ist der Tierschutz wohl kaum ein Thema. Höchstens wenn man drauf besteht dass es kein englisches sondern ein argentinisches Steak sein muss, dann könnte man mal über Klimaschutz reden...
Grundsätzlich sehe ich diese Fleisch-Diskussion aber sehr grün. Man sollte den Anreiz geben gute Ersatz-Produkte herzustellen und das geht wohl nur, wenn das Kilo Hack keine 3€ mehr kosten kann. Und da halte ich es auch für möglich guten Ersatz herzustellen. Jemand der um sein gutes Steak fürchtet braucht wohl kaum Angst haben über eine größere Preissteigerung bei mehr Tierschutz und Umweltschutz - außer es soll halt unbedingt das argentinische Steak sein. Die Steaks sind ja jetzt schon teuer und mit höherem Tierschutz als das Billig-Fleisch und wer bereit ist 18€ im Restaurant für so ein Teil zu blättern, der stört sich auch nicht dran wenn es 20€ kostet. Ich sollte mal wieder ins l'Arrivee ein Steak essen... :heart_eyes:

Höhere Flugkosten kann man wohl sehen wie man mag - aber den Urlaub verbietet man damit wohl nicht. Ich persönlich wäre da ja für eine Steuer, die für ein Unternehmen rückerstattbar sind und damit nur für Urlauber relevant. Zusätzlich böte sich ein Pass für eine innereuropäische Strecke an, den man einmal kauft und der dann für ein Jahr die Steuern ebenfalls erstattet.
Da braucht es dann mal einen europäischen (Nacht-)Schnellzug, der dann auch mal von Berlin nach Porto fahren kann und auch bezahlbar ist. Nur zur Zeit kann ich für 10€ nach London fliegen - und das ist irgendwie zu wenig. Damit ist die Reise von Dortmund nach London billiger als nach Köln....hab schon diverse Male überlegt ob ich einfach mal nach London soll.

Mit dieser "Freiheits-Debatte" kann ich irgendwie nicht so Recht was anfangen...

Also: Was wäre für euch bei den Grünen akzeptabel, und was keinesfalls. Wie sähe eine "grüne" für euch akzeptable Welt aus? Darf es keinesfalls, wie seitens der CDU gewünscht, irgendwelche Einschränkungen geben und man muss sich auf den Einzelnen verlassen dass der das so umsetzt (kein Scheiß, wurde so auf der Bundespressekonfernz seitens der CDU am 29. Mai gesagt, siehe hier (klick) (Dauer: 5 Minuten)) oder muss man da zwangsläufig etwas regulieren?
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von Neo
#1533065
Für mich gehts eigentlich nur um die "Freiheits"-Debatte. Umwelt ist für mich kein Entweder Oder-Thema, sondern etwas, was parallel laufen muss. Aufklärung statt Erziehung, könnte man auch sagen, nur, und da ist eben der Knackpunkt, hat man über Jahre hinweg mit der Aufklärungsarbeit versagt.
Finde es ja schön und gut, wenn sich Mittelschichtsleute dafür hingeben mögen, dass mehr Dinge verboten werden, denn die betrifft es in der Regel nicht, denn man kann sich ja trotzdem alles leisten, aber wenn man den Leuten unten von jetzt auf gleich etwas wegcutten will, ohne jegliche Aufklärung zu betreiben, dann wirds einfach sehr haarig. Und die Argumentation seitens der liberalen/mitterechts/rechten Leute, die sagen, dass man einfach mal einen Blick nach Frankreich zu den Gelbwesten werfen soll, ist halt auch nicht so hohl. Jetzt zu sagen Wir verbieten, das, das und das, wird nur den Unmut vieler Menschen auf sich ziehen.

Mir stellt sich eher die Frage, was man verbockt hat und was wirklich notwendig ist. Ich glaube z.B., dass das Verbot von Plastik (Tüten, Röhrchen, Wattestäbchen, Besteck usw.) notwendig ist und man auf auf Wegwerfplastik eine Steuer knallen müsste. Auch beim Tierschutz muss man härter durchgreifen und da bleibts dann natürlich nicht aus, dass das Stück Fleisch teurer wird, gleichzeitig sollte man aber auch schauen, dass man eben mehr aufklärt (Schule, bei vielen Erwachsenen ist ja Hopfen und Malz verloren) und sich vielleicht ein paar Unternehmen auch dazu hinreißen lassen, dass man eben mehr auf die vegetarische/vegane Schiene geht - letzteres ist aktuell ja auch der Fall McDonalds hierzulande und BK in den USA tragen das sogar mit und da mag man auch viel kritisieren können, wie bei anderen Unternehemen auch, die nicht lupenrein sind, es hilft aber eben schlicht etwas, wenn man dem Konsumenten eine Alternative bietet und die Ersatzprodukte in die Mitte der Gesellschaft (blöder Ausdruckt) bringt. Und wenn wir dann auch endlich mal das Immitat bekommen, dass nahezu 98Komma-nochwas Prozent an echten Rindfleisch grenzt (und wirklich mit allem drum und dran), dann wird echtes Fleisch eh nur noch etwas für die absoluten Feinschmecker sein, die sich das auch leisten können und wollen. Ist dann wahrscheinlich auch mehr fürs Gefühl.
Ich muss für mich persönlich sagen, dass ich viele "Ersatzprodukte" einfach super gerne esse. Trotzdem finde ich so ein richtiges Steak vom Grill (unmariniert) einfach unvergleichlich, ebenso manche Pattys - mit Aufschnitt und dem ganzen anderen Gedöns, hab ichs nicht so. btw: Der Beyond-Meat Burger ist diese Woche bei Lidl ja richtig gut angekommen. Ich konnts noch nicht probieren. :frowning2:
Das Zuckerfass will ich gar nicht aufmachen. Hat auch erstmal nicht primär etwas mit Umwelt zu tun. ^^

Mobilitätsthemen:
Beim Auto würde ich gar nicht großartig diskutieren wollen. Wenn man in den Städten und auf dem Land die Infrastruktur besser ausbaut und vor allem sichere, breite Radwege schafft und dafür auch einen Großteil der innerstädtischen Parkplätze opfert, erledigt sich das Problem von selbst. Dann gibts eben noch ein paar Leute mit Auto und man muss es ja nicht nachvollziehen können, aber es soll halt Menschen geben, die Autos lieben und für die das mehr als nur ein Fortbewegungsmittel ist und denen kann man das auch lassen und nicht mit dumpfer Ablehnung und Unverständnis entgegentreten. Das Problem sind hier doch die Leute, die einfach komplett ignorant sind, mit SUVs durch die Gegend gurken, ihre Kinder immer zur Schule fahren müssen usw. Gleiches gilt auch bei der Geschwindigkeitsbegrenzung - wer Autorennen in der Stadt fahren will, der tut dies auch, wer auf der Autobahn ein Depp ist, der lässt sich auch nicht von Beschränkungen aufhalten. Muss halt einfach härter bestraft werden.
Für den Großteil unserer Generation stellt sich die Frage nach einem eigenen Auto ohnehin nicht mehr. Dann gibts mal E-Autos, die man mieten kann, um mal aus der Stadt zu kommen und auch dort halten zu können, wo man mag, aber die Regel, also eines zu besitzen, wird das nicht mehr sein.
Höhere Flugkosten im Inland finde ich okay. Rest nun wirklich problematisch für Leute, die einfach nicht viel Kohle haben und sich mal einen Urlaub gönnen wollen.

Ja, also. Ich würde sagen, dass ich da eher links-liberal oder liberal-links bin. Progressive Vernunft, ohne Komplettverbote.
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von AlphaOrange
#1533073
Mal wieder den Fehler gemacht, im neuen Forum meinen Text nicht vor dem Abschicken zu sichern. Gefühlte zehn Seiten geschrieben und - zack - weg. Zweiter Anlauf, diesmal kürzer gefasst und ohne Zitate, ich hoffe, es gilt dadurch nicht zu radikal ohne die ausschweifenden Begründungen. Der Absatz zum Plastik ist so lang, weil ich den noch vom Originalbeitrag im Zwischenspeicher hatte.

Freiheit
Das, was heute als persönliche Freiheit und gottgegebenes Grundrecht eingefordert wird, war im letzten Jahrhundert noch Luxus. Da hätte niemand gewagt zu behaupten, dass ihm jeden Tag ein Fleischgericht und zweimal jährlich Urlaub im fernen Ausland zustehen. Die Entwicklung umzukehren ist schwierig, weil dadurch Menschen etwas verlieren werden, aber sie ist zumindest in Teilen unumgänglich. Dies sind Rechte, die uns nicht gehören, sondern die unter Ausbeutung von Mensch und Natur teuer erkauft wurden und werden.
Es ist übrigens auch kein Grundrecht, auf Autobahnen mit 200 Sachen rasen zu dürfen, wie manch Autofahrer und Politiker meinen.

Verkehr
Man stelle sich mal auf eine vierspurige oder noch breitere Stadtstraße (oder daneben - aus Sicherheitsgründen) mit Parkreihen links und rechts und stelle sich einfach mal vor, statt Asphalt wäre dort Grünfläche und unterirdisch führe eine U-Bahn entlang. So kann man sich mal bewusst machen, was Stadtverkehr nicht nur an Luft- und Lärmbelästigung erzeugt, sondern auch an immensen Flächen frisst und wie massiv tatsächlich die Lebensqualität der Einwohner beeinträchtigt wird verglichen zu dem, was sein könnte.
Der weiträumige MIV in städtischen Gebieten ist am Ende seiner Lebenszeit angelangt. Wir müssen investieren in Car-Sharing, autonomes Fahren und natürlich den Ausbau (und Vergünstigung) des ÖPNV. Auf der anderen Seite bedarf es auch eines Baustopps bzw. Rückbaus von innerstädtischen Parkplätzen und Tempolimits zur Verkehrsregulierung. Dort wo es infrastrukturell möglich ist (also in diversen Innstadtbereichen) auch kompletter Autofreiheit. Das gilt es gegen die Verkehrslobby in diesem Land durchzusetzen.
Die Stadt der Zukunft (die man dafür zugegebenermaßen wohl komplett neu aus dem Boden stampfen müsste) kann mittels zentral automatisierter Individualbeförderung den heutigen Luxus aufrechterhalten und den Streckenbedarf grötenteils auf einbahnig beschränken - Parkplätze können gebündelt und aus dem Stadtbild entfernt werden.

Flugreisen
Flugverkehr gehört via CO2-Steuer massiv verteuert. Dies wird mit Einschränkungen für den Einzelnen einhergehen, der sich nicht mehr die Flugreisen wird leisten können wie in der Vergangenheit. Auch werden es die meisten Billigairlines vermutlich deutlich zu spüren bekommen und zum Teil pleite gehen, weil ihnen die Kundschaft wegbricht. All das muss in Kauf genommen werden, da es sich hier meiner Meinung nach mittlerweile um ein völlig pervertiertes System handelt, das weit jenseits der Regeln der umwelt- und auch sozialpolitischen Vernunft agiert. Wenn wir die Emissionen aus dem Flugverkehr einschränken wollen und das werden wir müssen, dann müssen zwangsläufig Flüge reduziert werden, was zwangsläufig diese Kollateralschäden nach sich zieht.
Ich halte desweiteren gar nichts von der angesprochenen Idee der Steuerrückerstattung für Unternehmen. Wenn ich mir ansehe, was in der Firma, in der ich arbeite, an sinnlosesten Flugreisen verblasen wird, dann muss dann da als allererstes ansetzen. Wir leben im Zeitalter der HD-Videotelefonie und tausend internetbasierten Kollaborationstool, mindestens 90% dieser Geschäftsreisen sind völlig überflüssig.

CO2-Steuer
Wir benötigen die CO2-Steuer, um die finanzielle Regulierung umweltschädlicher und -freundlicher Güter und Dienstleistungen sauber unter einen Hut zu bekommen. Das Geld, das dadurch reinkommt darf nicht im Steuersäckel versickern, sondern zu mindestens 80% wieder verteilt werden und zwar in gleichen Teilen an alle Steuerzahler. Damit entlastet die CO2-Steuer die Unterschicht, die sich eh keine Flugreisen leisten kann und belastet die Oberschicht, die im Luxus schwelgt (und jene Mittelschicht, die auf Kosten von Umwelt, Mensch und Tier über ihren Verhältnissen lebt).
Das sukzessive in zunächst kleinen Schritten umgesetzt sollte schnell zu einem Lerneffekt führen, dass die Steuer hier nicht bloß eine Verteuerung des Lebensunterhalts bedeutet. Aber dazu MUSS dieses Geld auch wirklich transparent wieder unten ankommen. Die übrigen 20% werden notwendig sein, um andere Dinge wie den günstigen ÖPNV zu finanzieren. Dies sollte klar und transparent dokumentiert werden.

Fleisch
Ich (seit 20 Jahren Vegetarier) bin kein großer Fan von Fleischimitaten und finde das etwas lächerlich, zumal die dann meist mindestens so viel kosten wie ökologisch gutes Fleisch. Aber es scheint nun spätestens seit Beyond Meat beim gemeinen Fleischesser anzukommen, dann hat es auch sein gutes - ich halte das aber für eine geschmackliche Übergangstechnologie.
Ich würde auch niemandem Fleisch verbieten wollen, ich finde es lediglich wichtig, dass es aus nachhaltiger Quelle kommt (den Punkt Tierwohl spare ich hier mal aus, weil der nicht zwingend mit Umwelt- und Klimapolitik zu tun hat). Wir müssen aber weg von dem gesamten Billigfleisch-Segment. Wir brauchen Standards für die Fleischproduktion, die sich am Umweltschutz orientieren und diese Standards dürfen auch etwas kosten, was letztlich der Konsument zahlen muss. Billigfleisch ist kein Grundrecht.

Gentechnik
Ich bin definitiv für eine stärkere Förderung der Gentechnik und freue mich, dass sich die Ablehnung auch in grünen Kreisen langsam lockert. Diese ganze Dämonisierung ist Quatsch aus dem letzten Jahrhundert, der uns in diesem Forschungszweig in Europa meilenweit zurückkatapultiert.
Es ist völlig sinnfrei, dass ich zwar Saatgut radioaktiv zuballern und in sonstwas (ich weiß es dann ja selber nicht) mutieren lassen und anschließend verkaufen darf, aber Probleme bekomme, wenn ich eine nützliche Eigenschaft technisch zwischen zwei Pflanzen transferieren möchte. Gentechnik ist der kontrollierte Vorgang dessen, was die Natur seit Jahrmillionen und der Mensch seit Jahrhunderten macht. Das zu verbieten ist so als verböte man aus Angst vor Hirnschäden Narkosemittel und würde die Leute stattdessen lieber weiter mit Holzhämmern betäuben.
Das größere Risiko, das ich in der landwirtschaftlichen Gentechnik sehe ist, dass manch einer glaubt, mit Gentechnik ließen sich alle Ernährungsprobleme der Welt lösen. Das wird sie nicht.

Plastik
Vieles in der Plastikdiskussion sind leider absolute Blendgranaten. Der Anteil, den Verbote von Wattestäbchen und Plastiktüten am Umweltschutz haben werden, ist geradezu vernachlässigbar zu dem Anteil, der dem Plastikkonsum öffentlich gerne nachgesagt wird.
Die Energiebilanz zahlreicher Kunststoffalternativen ist alles andere als gut und so lange wir das Thema Recycling nicht in den Griff bekommen (und das ist bei den Müllmengen, die wir produzieren schlicht illusorisch) und die Papiertüte am Ende genauso wie die Plastiktüte in der Müllverbrennung landet, haben wir außer einem guten Gewissen nichts gewonnen. Und dieses unberechtigterweise, weil wir unsere Umweltbilanz eigentlich gerade verschlechtert haben.
Problematisch ist Kunststoff in erster Linie in puncto Eintrag in die Umwelt. Hier muss man sagen, dass in Deutschland die Müllentsorgung derart gut ausgebaut ist, dass dies kein großes Problem ist (solange der Müll dann nicht in ein fremdes Land verschifft wird, welches ihn ins Meer wirft).
Dem Verbot der Plastiktüte zugunsten von Papiertüten stehe ich also skeptisch gegenüber - sinnvoll wird das erst, wenn wirklich wiederverwendet wird und das geht mit der Plastiktüte genauso (schlecht) wie mit der Papiertüte. Ich habe persönlich überall Stoffbeutel dabei. Wenn ich bedenke, wie viele davon ich über die Jahre auf irgendwelchen Werbeveranstaltungen geschenkt bekommen habe, sollten eigentich genug Beutel im Umlauf sein, um jeden Bürger dieses Landes damit auszustatten - dann braucht keine mehr Papierbeutel. Es liegt hier wie so oft in meinen Augen hauptsächlich an der Bequemlichkeit des Bürgers, der schlicht keinen Bock hat, VOR dem Einkauf bereits eine Tasche mit sich herumzutragen. Das ist dann aber halt gelebte Wegwerfkultur, egal mit welchem Material.
Ich bin dementsprechend auch klar dafür, solche Einwegdinge wie Plastikgeschirr zu verbieten. Niemand braucht das, jeder, der ein Dach über dem Kopf hat, hat auch Geschirr im Haus, das sich spülen lässt. Ich habe einen Freund, der ist dafür zu faul und hat sich stattdessen Großpackungen Plastikgeschirr gekauft und wirft es nach dem Essen weg - absolut unmöglich! Auch hier gilt: es ist einfach viel zu billig und die Menschen viel zu faul.
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von Wolfsgesicht
#1533105
Selbst eine Vergünstigung des ÖPNV wird wohl kaum reichen, dafür liebt ein deutscher sein Auto zu sehr. Da wäre selbst ein kostenloser und geradezu luxuriöser ÖPNV kein Argument sich die 300€ im Monat zu sparen, das lässt man sich hier viel kosten.
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von Wolfsgesicht
#1533110
Mal wieder ein schönes Video von Jung&Naiv, diesmal der Energieprofessor für erneuerbare Energien der aus der Bundespressekonferenz von Scientists 4 Future bekannt wurde:

Klick hier
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von Wolfsgesicht
#1533483
Ein wunderschönes Video :D
Zu schön die die SPD einfach bei den Wahlergebnissen gar nicht mehr dabei ist 😂

Mir ist letztens erst wieder bewusst geworden wie ambivalent diverse Menschen oder allgemein die Meinungen bei diesem Thema sind.

Einerseits sagen mir alle Omas und Opas und auch meine Eltern immer wie viel mehr es früher geschneit hat und wie kalt es früher war und sagen mir deutlich wie sehr sich das Wetter geändert hat.
Andererseits gibt es dann Menschen, die immer betonen wollen was für ein Blödsinn diese Wärme-Statistiken sind im Bezug auf „Der heißeste Sommer seit...“ und dass wir in einer Eiszeit sind und die jetzt halt endet und Blabla...
Bei den Alten klingt dieses „früher“ aber genau so, wie es die Klimatologen sagen.

Dann sind mir andere Diskussionen eingefallen zum Thema „früher“. Ältere Menschen schwelgen ja gerne im „früher“. Da hieß es immer dass man früher vor die Tür gegangen ist zum Spielen, heute sitzt man vor der Konsole.
Früher, da ist man 6 Kilometer zur Schule gelaufen.
Früher da war man glücklich wenn man sich mal was kaufen konnte
Früher, da hatte man 2 paar Schuhe und zwei Hosen
Früher, da ist man mit dem Auto zum Meer gefahren
Früher, da gab’s mal nur Fleisch am Sonntag, früher früher früher.
Der gemeinsame Nenner: Der Jugend heute geht’s viel zu gut. Damals hätte man davon geträumt usw..

Jetzt dreht man den Spieß um und will vielen vorschreiben sich ein bisschen zurückzunehmen. Weniger Fleisch, weniger fliegen, weniger Auto, mehr laufen und Fahrrad, weniger Konsum, mehr reparieren usw.. Dann wird aus „Die Jugend ist zu verwöhnt“ plötzlich eine Selbstverständlichkeit. Dann war es plötzlich schon immer so, geradezu ein Menschenrecht.

Das nervt ein bisschen immer etwas abwertend zu hören wie gut es einen doch geht im Vergleich zu früher und dann will man es selbst doch auch nicht anders.

Witzig wird’s wenn man es mit dem klassischen „Früher war alles besser“ kombiniert. Anscheinend war es ja dann doch nicht besser, wenn man es nicht mehr will. Aber das „früher war alles besser“ kommt in meiner Familie recht selten.
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von Neo
#1535454
Eben diesen absolut heuchlerischen und dummen Kommentar von Lorenz Beckhardt gesehen und ich bin gerade echt schrecklich genervt davon und von anderen. FFF ist ja eine Sache und ich finde das auch gut (sind ja junge Menschen und die habens weitgehenst noch nicht verhauen und hoffentlich auch einen anderen Lebensstil), aber was die ältere Generation, gerade die, die genug Kohle haben, so vom Stapel lassen, finde ich schon hart. Ist doch toll, wenn da Einsicht einkehrt und man aktiv etwas ändern will, aber dieses betteln nach Verboten, das Bloßstellen irgendwelcher "Klimasünder", diese absolute Unfähigkeit sich selbst zu disziplinieren. Und das kommt von der Elite, die ja eigentlich so links, sozial und klug ist. Dann seid halt weniger egoistische Arschlöcher und kauft euch ein umweltfreundliches Auto, ein Bahnticket, gescheite Lebensmittel und, und, und. Ey, grenzenloses Unverständnis meinerseits.
#1536351
Habe mal eben den Thread umbenannt. Kann also alles in Richtung Klima und Umwelt gepostet werden.

Thema Regenwald bzw. landwirtschafliche Flächen in Brasilien:
Bolsonaro (Präsident), die alte Rechte-Populismus-Ratte, will sich von den G7 nicht helfen lassen (oder doch, solange er bestimmen kann, wie die Kohle eingesetzt wird) und beschuldigt die NGOs der Brandstiftung, weil er ihnen ja Geld gestrichen habe und diese sich nun auf diese Weise rächen wollen. Beweise gibts natürlich keine. Was allerdings stimmt, ist wohl, dass die NGOs sich diesmal mehr Gehör verschaffen können*, weil die Lage mit dem Präsident so ist, wie sie nunmal ist und Weltuntergangsszenarien so gut ziehen. Ist natürlich auch kein Pappenstiel, wenn in diesem Jahr ~35% mehr Brände als in den letzten acht Jahren verzeichnet wurden.
Super interessanter Artikel mit schönen Grafiken dazu in der NYT - What Satellite Imagery Tells Us About the Amazon Rain Forest Fires

*In Subsahara-Afrika gibts weitaus mehr Brände und wenn man sich so die Karte ansieht, dann schaut es so aus, als ob Angola komplett brennt. Leider wird darüber so gar nicht berichtet. Würde mich statistisch nämlich wirklich mal interessieren, wie es da mit der Fläche ausschaut und was davon Wald ist usw.

Aber weshalb ich eigentlich poste - für die, die mal was wirklich trauriges lesen wollen:
versteckter Inhalt:
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