US-Fernsehen (inklusive Season- und Pilot-Reviews), britisches Fernsehen etc.
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von AlphaOrange
#1562088
1x01 - Strange New World

Endlich. Endlich! Das ist Star Trek, so wie ich es seit der Ankündigung von Disco sehen wollte und Star Trek, wie es sein soll. Einfach gut gemachtes Space TV mit sympathischen und coolen Figuren, Pioniergeist, Botschaft und Humor. Und dem ein oder anderen Fan Service, der nicht reingedengelt wirkt, sondern auch Sinn macht und wenn er das nicht auf den ersten Blick tut, dann gibt's irgendwo in einem Nebensatz einen nonchalanten Hinweis, dass das doch alles recht stimmig ist. Denn Dialog dafür gibt's genug, was der Vorstellung der Figuren ungeheuer gut tut. Hier erfährt man im Piloten mehr über die Hauptcharaktere und ihre Beziehungen untereinander als es Disco damals in der ganzen Staffel geschafft hat, weil man dort ja nur durch die Plot Points hetzte statt auch mal lockere Gespräche zuzulassen. SNW ordnet im Piloten alles der Exposition unter. Der B-Plot um den aus der Krankenstation geflohenen Alien - völlig unnötig, aber gibt die Gelegenheit, nochmal etwas mehr von M'Benga, Chapel und Uhura zu zeigen. Der A-Plot auf dem Planeten - eigentlich völlig platt. Es passiert ja nichts außer, dass Pike, Noonien-Singh und Spock einfach reinmarschieren, den Abgang verpatzen und Pike noch zweimal große Reden schwingt, damit aber den typischen Geist Star Treks besser trifft als alles, was zuvor in New Trek zu sehen war.
Dass ich die Namen alle schon kenne könnte ich ebenfalls als sehr gutes Zeichen werten, aber die allermeisten hat man sich ja aus TOS ausgeborgt (alle mit Ausnahme von Ortegas).
Optisch - gerade in Sachen Set-Design: Ich finds richtig cool! Man scheint jedenfalls einen anderen Weg zu gehen als bei Discovery. Das hier ist gar kein Versuch mehr, irgendwie eine Brücke zwischen den Original und kontemporären Designs zu schlagen. Es ist eher ein "Wie hätte man die Sets anno 1964 mit unseren heutigen Möglichkeiten gebaut?". Gefühlt hat man hier die letzten hundert Jahre für ein ganz neues Retro-Chic in den Mixer geworfen, von einem Warpkern wie aus "Metropolis" geborgt bis zu glänzendem Bling-Bling, Licht und Metall der Jahrtausendwende, mit Farbcodes der 60er und Sporttextilien der 2020er. Mutig und wild, vielleicht konfus und wenig nachhaltig, aber definitiv markant und einzigartig (im Gegensatz zu z. B. PIC, dessen Setdesign todlangweilig ist). Da ist man sich auch nicht zu schade, Pike mal das berüchtigte Kommando-Pad in Backstein-Größe in die Hand zu drücken (das schon Ben Sisko einst Kirk reichen durfte), das schon heute um Jahrzehnte überholt ist und das in der Serie niemand vermisst hätte.
Folgerichtig scheint man sich ja auch nicht allzu ernst zu nehmen und durchzieht die Folge mit einer eher lockeren Atmosphäre und diversen humorvollen Momenten.
Gerne weiter so!
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von redlock
#1562100
Star Trek: Strange New Worlds

Ich bin kein Fan von Prequels -- milde ausgedrückt -- und nach den Erfahrungen was ''New Trek'' seit Jahren abliefert, hatte ich eigentlich überhaupt keine Lust auf diese Serie. Dann siegte jedoch meine Neugier (und zwei recht positive Besprechungen, die gelesen hatte).
Was soll ich sagen. Ich war sehr überrascht. Das ''back to basics'' hat funktioniert. Dieser Pilot fühlte sich wie ''echtes'' oder ''klassisches'' Star Trek an. Wer hätte das gedacht? Wenn die Staffel tatsächlich episodisch sein soll, so ist dies eine gelungene Abwechslung. Jetzt bin ich tatsächlich auf die weiteren Episoden gespannt. Vorher werde ich mich aber noch durch die letzten beiden Folgen von ST: Picard kämpfen.


Für ST:SNW 1017/10
von Amtranik
#1562138
Ich bin von der ersten Folge auch angenehm überrascht worden. Ansprechend fand ich auch die optischen Rückblicke auf den 3. Weltkrieg, das gab es meines Wissens in Star Trek noch nicht.

Das Setdesign muss ich auch loben.

Beim CGI Teil fällt mir (wie schon bei Picard 2) auf das man mittlerweile wieder die Raumschiffe "ausgeleuchtet" zeigt und so wieder mehr sieht als einen verwaschenen oder verwackelten Fleck. Das gefällt mir.
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von AlphaOrange
#1562159
1x02 - Children of the Comet

Irgendwie ist die neue alte Enterprise .. hässlich. Also gar nicht das Schiff an sich, von innen sowieso nicht und auch von außen eigentlich ein hübsches Schiff. Aber die Weltraumszenen mit Enterprise sehen einfach durchgehend kacke aus. So als hätte man zwar fleißig epische Planeten und berstende Asteroiden und schicke Nebel gerendert, aber das Schiff den Praktikanten machen lassen .. auf seinem Laptop. Bisschen bitter, dass man mit Disco technisch so kinoreif vorgelegt hat und die anderen Serien da nicht mithalten können (bei PIC siehts ja noch übler aus).
Das gleiche gilt übrigens auch für den Außerirdischen auf dem Hauptschirm. Da wurden ja drei Lagen Weichzeichner draufgeworfen, um zu verschleiern, dass der richtig mies getrickst war.

Manchmal ist mir die Serie beinahe zu humorig. Gerade auf der Brücke herrscht mit Pike und Ortegas manchmal schon nahezu Comedyshow. Nicht falsch verstehen, das ist mir um Längen lieber als dieses Captain Tränendrüse auf der Discovery oder Admiral Altersdepression bei PIC. Und gerade Anson Mount delivered den Humor auch einfach sensationell, während der Charakter des Pike außerdem durch sein Zukunftstrauma geerdet ist. Es wäre aber zB verzichtbar gewesen, selbst Uhura so ein freches Mundwerk zu verpassen (Uhura hat - ähnlich wie Chapel - auch wenig mit ihrem TOS-Original zu tun, was ich aber nicht schlimm finde).

Was mir gut gefiel:
Ich habe zwischendurch richtig schön das Thema "Strange New Worlds" gefühlt. Fand auch den eigentlich redundanten Rahmen mit den paar Szenen auf dem Planeten toll.
Spock macht offenbar den Data von SNW. Sprich: versucht sich etwas ungelenk, in menschliche soziale Eigenheiten einzufinden. Ist gut gemacht und erweitert die Humorfarbe der Serie um etwas weniger flapsige Pointen.
Man nimmt sich Zeit für die Figuren. Was war das einfach für ein langes Captain's Dinner zu Beginn .. so angenehm entschleunigt und charakterorientiert. Mit ein Grund, warum die mir auch alle schon echt sympathisch sind.

Das Storylein der Episode: joar .. da sollte eigentlich noch mehr gehen, auch mit Stand-Alone-Episoden. Fand ich bis zur Mitte ziemlich cool, eben wegen dem oben erwähnten Strange-Worlds-Vibe und dem Musikthema .. aber ab Rückkehr des Landungsteams wurde es irgendwie komisch.

Alles in allem etwas unausgegoren, aber allein für die Crew (und Sets) liebe ich's trotzdem.
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von AlphaOrange
#1562259
1x03 - Ghosts of Illyria

Diesmal mit dem für die früheren Serien obligatorischen Schiffsseuchen-Plot!
Es fällt erneut auf, wie enorm charakter-orientiert SNW erzählt ist, diesmal mit Una im Mittelpunkt, aber auch La'an und M'Benga, deren Backstory ausgebaut wird. Und endlich mehr Auftritte von Hemmer. Bitte mehr von dem, ich liebe seine arrogante Art und er wirkt im Umgang tatsächlich mal fremdartig - anders als all die anderen Aliens, die anders aussehen, aber sich schnell nahtlos ins Menschen-dominierte Sozialwesen einfügen. M'Benga nuschelt übrigens echt fürchterlich!
Bei all den Charaktermomenten verliert SNW nur manchmal irgendwie den Blick auf die Episodenplots. Der B-Plot mit Pike und Spock auf der Oberfläche bleibt irgendwie unbefriedigend. Leerer Planet, riesiges Archiv, Plasmageister. Um am Ende reist man doch ohne konkrete Antworten wieder ab. Die Seuche an Bord wird am Ende auch in einem Nebensatz, über den man lieber nicht weiter nachdenken sollte, fix weggeschoben.
An Bord scheint man ja einen sehr laxen Umgang mit Regelbrechern zu pflegen. Una belügt ihren Arbeitgeber um ihre Herkunft, um ein Arbeitsverbot zu umgehen und Pike kehrt das einfach unter den Teppich, weil sie halt gut im Job sei. M'Benga hält heimlich seine Tochter im Transporterspeicher und verweigert Systemupdates, was fast zum Verlust von Crew und Schiff führt - und diesmal kehrt Una es einfach unter den Teppich. Ist halt ein liebender Vater, der M'Benga. Nunja. Dafür sammelt die Serie langsam allerhand Story-Aufhänger an, aus denen man noch viel machen kann. Könnte gut werden.
Optisch diesmal sehr cool. Und wieder dieser "strange world"-Vibe.