US-Fernsehen (inklusive Season- und Pilot-Reviews), britisches Fernsehen etc.
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von redlock
#1557289
The Bank Hacker -- Staffel 1 (ZDFNeo)

Achtteilige belgische (flämische) Serie; Nettolaufzeit der Episoden ~45 Minuten

Die Serien bzw. Staffel erzählt von einem Cyberangriff auf eine Bank. Die Geschichte wird in den ersten sechs Folgen in Rückblenden erzählt. Die letzten beiden sind in ''jetzt Zeit,'' allerdings gibt es auch hier Rückblenden, vor allem in #107.
Ich fand die Geschichte um diesen Banküberfall per Computer ziemlich packend und fesselnd. Dazu ziemlich unverbrauchte Gesichter (natürlich nicht für Belgier).
Selbstverständlich läuft das Ganze nicht so glatt ab, wie die Bankräuber das geplant hatten. Zentrale Figur ist der 22 jährige Hacker, der einen mächtigen Groll gegen die Bank hat. Seine Motivation wird erzählt und wie er an die eigentlichen Kriminellen gerät. Dann der Überfall und zum Schluß die Auswirkungen dessen.
Wie gesagt, mir hat's gut gefallen. Die Staffel ist in sich abgeschlossen. ABER, im Staffelfinale gibt’s ganz am Ende eine Szene, die eine mögliche Staffel 2 einläutet.


Für S1: 7,5/10


Younger -- Staffel 7 (Paramount+)

12 Folgen; 11x Nettolaufzeit 25-30 Minuten, Serienfinale 46 Min.

Ich habe die finale Staffel, die ihre Premiere bei einem Streaming Anbieter hatte, gerne gesehen. Es war vergnüglich und kurzweilig. Ich muss aber auch sagen, dass vieles darin repitativ war. Erst zum Ende hin wurde es nochmal interessant. Leider stand Miriam Shor, die eine der interessantesten Figuren spielt, für die finale Staffel nicht zur Verfügung. Schade. Dafür tauchen aber einige andere Nebendarsteller nochmal auf.
Die Macher wußten, dass S7 die letzte ist. Sie gönnen ihren Figuren einen runden, versöhnlichen Abschluß. So macht man es richtig.


Für S7: 7/10
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von Theologe
#1557300
Counterpart: S2
Die erste Staffel hatte mich nicht so von den Socken gehauen und die Absetzung nach der 2. Staffel, hat meine Lust auf die Serie auch nicht unbedingt gesteigert, dennoch brauchte ich eine Portion J.K. Simmons. Das gute ist schon mal, dass die Serie trotz der Absetzung ein recht rundes Ende hat. Man wird nicht mit einem Cliffhanger sitzengelassen und das Staffelfinale taugt auch als Serienfinale. Insgesamt war die 2. Staffel etwas spannender, man hat ein wenig Homeland kopiert, aber man merkte schon regelmäßig, dass es Budgetzwänge gab.
Kurioserweise ist die beste Episode der Serie, eine in der J.K. Simmons, eine Flashback-Episode über den DDR-Wissenschaftler, der den Zwischenfall zu verantworten hatte.
Unterm Strich würde ich jetzt keine Empfehlung für Counterpart aussprechen, aber abraten würde ich auch keinem.
7/10

The Handmaid's Tale: S4
Die vierte Staffel hat leider wieder nur 10 Episoden, aber die haben es in sich. Man bekommt neben den Geschehnissen in Gilead auch eine größere Außensicht auf die Welt und sieht so doppelt, dass die Fassade deutliche Risse hat. Elisabeth Moss ist wie immer fantastisch und wenn man glaubt, dass June am Ende ihrer Kräfte ist, kommt sie zurück wie eine Naturgewalt.
9/10

Mare of Easttown [HBO]
Das war eine sehr gute Miniserie, aber den Hype, der während der Ausstrahlung entstanden ist, kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Broadchurch, Seven Seconds oder Sharp Objects oder Unbelievable waren Crime Dramas auf vergleichbarem Niveau. Kate Winslet als Polizistin Mare ist natürlich super und auch der Supporting Cast kann sich sehen lassen, aber am Ende ist Mare of Easttown nichts, das irgendwie aus der Masse heraussticht. Sie hätten es auch True Detective Season 4 nennen können.
8/10

Manhunt: Deadly Games [Spectrum]
Da ich letztes Jahr erst "Richard Jewell" von Clint Eastwood gesehen hatte, war mir ein Großteil der Story natürlich schon bekannt. Der zweite Teil der Staffel beschäftigt sich dann mit der tatsächlichen "Manhunt", die dann nichts mehr mich Richard Jewell zu tun hatte, aber wohl auch weitestgehend aus den Köpfen der Autoren stammt, weil man gar nichts über die Zeit des Bombers auf der Flucht weiß.
Gethin Anthony hat mir Chefermittler des FBI nicht so gut gefallen, dafür waren die beiden Verdächtigen von Cameron Britton und Jack Huston sehr gut gespielt. Arliss Howard als Bombenexperte des ATF hat mir auch gut gefallen, aber der sollte auch in erster Linie nur der coole abgezockte Cop sein, der nichts von den FBI-Schnöseln hält.
6,5/10

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Manhunt: Unabomber
Die Staffel hatte ich schon gesehen als sie relativ neu auf Netflix war, aber wohl nicht bewertet. Die Arbeit der Ermittler steht hier im Mittelpunkt und das ganze ist durchaus spannend aufgezogen, dennoch hätte es mir damals besser gefallen, wenn man Paul Bettany als Unabomber etwas mehr genutzt hätte.
7/10
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von AlphaOrange
#1557352
Katla S1 (Netflix, Island)
Die Welt grau, dunkel, trostlos. Die meisten Menschen sind weg. Die Zurückgebliebenen kaputt. Jeder hat ein Trauma, jeder einen verdrängten Verlust. Eine äußere Macht zwingt sie, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Langsam, Schritt für Schritt für Schritt. Und die meisten gehen daran zugrunde.
Aus irgendeinem Grund* wird Katla häufig als Sciencefiction gelistet, aber in Wahrheit ist das, was Baltasar Kormákur hier aufführt eine Kreuzung aus Arthouse-Groteske, Horror und vor allem finsterstem Nordic Noir. Etwas, was man sich wohl echt nur ausdenken kann, wenn man ein halbes Jahr ohne Sonne in der Kälte hockt. Das muss man mögen, sonst wird es nichts mit Katla. Und damit klar kommen, dass Katla einfach abgrundtief finster ist**. Wer das tut wird mit allerhand großartig beklemmenden Momenten belohnt.
Kormákur nimmt das "mit ihrer Vergangenheit" auseinandersetzen wörtlich und hangelt am Fantasy-Motiv der Serie entlang, um einen Charakter nach dem anderen zu dekonstruieren. Das macht er durchaus routiniert, kann mit wenig Dialog und kurzen Szenen seelische Abgründe zutage heben, es macht seine Geschichte aber auch vorhersehbar. Ich glaube, die Cliffhanger der ersten vier Folgen konnte ich allesamt vorhersagen, fand ich aber nicht schlimm, es entwickelt auch so einen gewissen Sog.
Das tatsächliche Aufklären der unheimlichen Begebenheiten treiben weder die Bewohner des Ortes Vík noch die Autoren sonderlich voran und tun da eigentlich ganz gut dran. Nun .. bis sie's ab Folge 7 doch tun. Da kippt die Serie ordentlich. Kormákur will eine Auflösung, will alles zum Abschluss bringen und dann doch noch ein offenes Ende, rutscht von der symbolhaften Erzählung in eine konkrete Geschichte und das geht gehörig schief.***
Eine zweite Staffel kann ich mir unmöglich vorstellen. Ein Nebeneffekt der Dekonstruktion ist es, dass die Figuren sich nicht weiterentwickeln, sondern vor allem retrospektiv erzählt werden. Das lässt sich nicht wiederholen, sie sind jetzt alle auserzählt.****
Was das übliche "Islands wunderschöne Landschaften" angeht. Davon zeigt Katla wenig. Will es auch gar nicht und das ist nur folgerichtig.
7 / 10

versteckter Inhalt:
* dass die Serie tatsächlich die "it's aliens from outer space!"-Karte zieht (auch ohne das als Fakt hinzustellen) ist unsäglich. Das Script gehört jemandem links und rechts um die Ohren gepfeffert. Dass die "wir wollen immer alles erklärt haben"-Fraktion auf SJ genau diese Erklärung abfeiert, ist nur umso trauriger.

** Die Mikael-Storyline ist so ziemlich das finsterste, was ich je im TV gesehen habe. Die Szene, in der er mit Rakel im Auto festsitzt, sie ihn nicht zum Pinkeln rauslassen will und er damit rausrückt, wie er Mordgedanken gegen seinen Vater hegt nachdem dieser ihn eingesperrt hatte, fand ich atemberaubend gruselig. Das Ende von Mikael fand ich dann leider etwas platt.

*** Mal von Aliens und Changelings-Mythologie abgesehen: der Serie tut es gar nicht gut, am Ende im Hauruck-Verfahren alle Kopien noch schnell beseitigen zu wollen. Zufriedenstellend war nichts davon. Darri und Rakel werden zu Kindermördern, Magnea fährt aus unklarem Grund in den Vulkan, die zweite Gunhild ist plötzlich einfach weg und der Zwei-Grimas-Showdown hat sich viel zu sehr an dem Gimmick ergötzt, nicht eindeutig zu klären, wer überlebt hat. Am tragischsten fand ich den Abgang von Ása. Die fand ich vom Start weg am interessantesten, hatte das Gefühl, dass sie irgendwann schlicht vergessen wurde und konnte ihren lebensmüden Abgang nicht nachvollziehen.

**** Ich hoffe es jedenfalls. Mit der Legende, dass die nicht geretteten Changelings erneut zurückkehren sowie dem Schlussbild, sind allerdings Hinweise gestreut, mit denen man eine Fortsetzung andocken könnte.
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von Neo
#1557367
Panic (Amazon Prime)
Ach, das war ne gut gemachte, nette Tennyserie. Man hat da natürlich nicht das Rad neu erfunden und hier und da wars auch etwas Banane, aber wer Freude an solcherlei Tennyserien hat, wird nicht enttäuscht werden.
7/10 Punkten


The Collapse (Canal +/Joyn)
The Collapse ist eine französische Endzeitminiserie aus dem Jahr 2019. Die acht Episoden sind eigentlich Kurzfilme, die je 15-20 Minuten umfassen. Heißt, dass jede Episode in sich abgeschlossen ist und man die ganze Serie über nicht etwa den immer gleichen Protagonisten folgt. Dementsprechend muss man das auch einzeln bewerten:

1. Der Supermarkt (Zwei Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Leichte Corona-Frühjahr2020-Vibes. Die Geschichte eines Angestellten. Da schnürrt es sich dann langsam zu. 8/10
2. Die Tankstelle (Fünf Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Benzinknappheit und die Leute drehen langsam durch 8,5/10
3. Der Flugplatz (Sechs Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Reicher, älterer, unsympathischer Sack hat für den Fall der Fälle eine Art Versicherung abgeschlossen, die ihm (im Extremfall) ermöglicht möglichst sicher an einen unbekannten Ort chauffiert zu werden. Problem: Nur kurze Zeit, um an den Abholort zu gelangen. 9/10
4. Der Weiler (25 Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Eine Gruppe Fremder versucht in einem Weiler unterzukommen. So irre und drüber, dass ichs schon wieder mochte. 7,5/10
5. Das Atomkraftwerk (45 Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Das Atomkraftwerk droht zu überhitzen, da das Kühlwasser nicht mehr ausreicht. Das war atmosphärisch eine absolute 1. 8,5/10
6. Das Altersheim (50 Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Für mich die beste Episode. Das war schon extrem herzzerreißend. 10/10
7. Die Insel (170 Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Frau allein auf Segelboot unterwegs, sucht nach Nahrung , entdeckt Insel. 8/10
8. Die Live-Sendung (Fünf Tage vor dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Da war ich leider etwas enttäuscht bzw. hatte mir mehr/etwas anderes erhofft. Die Episode (gerade in der Talkshow) hätte man so toll schreiben können und so wirkte alles doch sehr plakativ. 7/10

Erwähnenswert ist auf jeden Fall die wirklich durch die Bank weg sehr gute schauspielerische Leistung und allen voran die Kameraarbeit. Jede Episode ist One-Shot. Das war schon große Kunst aller Beteiligten.

Wenn ichs mit einer Serie vergleichen müsste, dann wäre das Black Mirror und zwar zu seinen besten Zeiten! Ich lege das wirklich jedem ans Herz, der Freude an atmosphärischen, kurzweiligen Serien hat.

Insgesamt (aufpoliert) 9/10 Punkten
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von Wolfsgesicht
#1557377
Neo hat geschrieben: Mo 28. Jun 2021, 08:31 6. Das Altersheim (50 Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Für mich die beste Episode. Das war schon extrem herzzerreißend. 10/10
War es nicht etwa………goldig? :P

Wie kommt’s dass du eine Serie von Joyn siehst? Abo geholt?
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von Nataku
#1557379
The Collapse klingt wirklich sehr interessant, danke für den Tipp, Neo.

Deadwood (HBO)
Ich habe die letzten paar Wochen Deadwood nochmal komplett durchgeschaut, weil ich endlich den Film von 2019 sehen wollte. Und da ich die Originalserie vor über 10 Jahren zuletzt gesehen hatte, war dies auch dringend nötig.

Grob zusammengefasst erzählt die Serie vom Leben in Deadwood zum Ende der 1800er Jahre, bevor das Western Camp Ende der 70er Jahre das erste Mal fast vollständig abbrannte (soweit kommt die Serie erzählerisch jedoch nicht und der Film ignoriert diesen Umstand vollständig). Die meisten Charaktere sind dabei echten Menschen aus der Zeit nachempfunden, wobei die Serie hier nicht zwingend biografisch die Geschichten abarbeitet.

Das gesprochene Englisch in Deadwood empfand ich jetzt im Rewatch schon als eher schwer verständlich und für mich schwieriger als z.B. ein The Wire, wo ja viel mit Slang gearbeitet wird. Dies liegt sicher auch ein wenig daran, dass David Milch seine Charaktere gerne Shakespeare-artig sprechen lässt und es eben auch kein modernes Englisch wie heute üblich ist.

Vielen dürfte die Serie heute vielleicht noch in Erinnerung sein, da sie 2006 eins der Opfer der damaligen HBO Cancle-Welle war (neben Rome, welches zumindest rechtzeitig vom anstehenden Ende erfuhr und die zweite Staffel inhaltlich mit allen Stories der bevorstehenden Staffeln vollstopfte und Carnivàle welches schon 2005 soweit ich weiß ohne Ende abgesetzt wurde). Danach gab es immer wieder Pläne für eine Wiederbelebung z.B. mit 2 Abschlussfilmen aber aufgrund verschiedener Umstände (u.a. sicher auch dem Erfolg vieler der damaligen Darsteller nach Deadwood in anderen Serien) kam es dann erst 13 Jahre nach Serienende im Jahr 2019 zum Abschluss in Form eines einzelnen Films. Aufgrund des heutigen Gesundheitszustands von David Milch, der an Alzheimer erkrankt ist, wird dies vermutlich auch der Abschlusspunkt für das Deadwood Universum bleiben.

Die erste Staffel von Deadwood ist im erzählerischen Umfang noch eher klein. Es werden viele der bis zum Film wichtigen Figuren und Geschichten eingeführt und man bekommt ein gutes Gefühl für das Camp Deadwood. Schnell wird klar, dass die Serie (HBO typisch) nicht mit Gewalt, Schimpfwörtern und vor allem weiblicher Nacktheit geizt. Ian McShane sticht hier schon in den frühen Folgen definitiv als Lead aus dem Cast hervor, da er den Bar Besitzer Al Swearengen großartig spielt und dies wohl auch bis heute eine seiner absoluten Paraderollen ist. Als Gegenspieler zu Al wird in der ersten Staffel noch Cy Tolliver (Powers Boothe) aufgebaut, der in den späteren Staffeln dann leider etwas in Vergessenheit gerät und böseren Schurken weichen muss. Man merkt der Staffel an, dass die Sets noch eher frisch waren (die Staffel wirkte auf mich optisch deutlich sauberer als dann Staffel 2 und 3) und auch der Cast (inklusive Extras im Hintergrund) ist noch eher klein und weit weniger aufgebläht. Dafür bekommen aber selbst kleinere Nebencharaktere wie Jewel ihre eigenen Geschichten, während das vor allem in Staffel 3 allein aufgrund der Cast-Größe nicht mehr möglich ist. Die Staffel endet relativ in sich geschlossen und steht auch gut für sich allein. Schon die erste Staffel weiß vor allem durch ihre Erzählweise zu begeistern und spätestens am Ende der Staffel sind einem alle zentralen Figuren sehr vertraut und ans Herz gewachsen.

Staffel 2 startet dann relativ fulminant mit einer Doppelfolge, die auch vom Grundton etwas von Staffel 1 abweicht (teils bewusst komischer, teils dramatisierter als noch in Staffel 1) und ist der Beginn der großen George Hearst Story, die letztlich alles Folgende stark dominiert. Der Cast wächst in Staffel 2 nochmal um einige Figuren an und kreativ erreicht die Serie hier ihren Höhepunkt, da die Staffel konsequent eine Geschichte erzählt, die im Finale exzellent aufgelöst wird und Lust auf Staffel 3 macht.

Staffel 3 ist dann leider ein zweischneidiges Schwert. Zum einen habe ich glaube ich bisher keine andere Serienstaffel gesehen, in der die Spannung sich wie ein fast explodierendes Pulverfass von der ersten bis zur letzten Folge extrem aufbaut, getrieben durch die Konfrontation zwischen den Bewohnern von Deadwood und George Hearst (ekelhaft exzellent gespielt von Gerald McRaney). Zum anderen ist dies aber auch die Staffel, die als Teil einer Geschichte gedacht war, die erst mit Staffel 4 abgeschlossen werden sollte. Sinnbildlich hierfür steht sicher die Geschichte rund um die Theater Truppe, die hoffnungslos unnötig ist und extrem viel Zeit der Staffel auffrisst, ohne irgendeinen Payoff zu liefern. Einzig überzeugend war für mich hier Brian Cox als Jack Langrishe, während ich vom Rest der Truppe nicht mal die Namen behalten habe. Generell muss man Milch hier auch kritisieren, dass er einfach zu viele neue Charaktere (10+) in einen eh schon vollen Cast geschmissen hat. So bekommen in Staffel 3 viele der bekannten und liebgewonnenen Charaktere kaum noch Screentime und versauern etwas als Stichwortgeber, während die Theater Truppe im heutigen Rückblick auf die Staffel unnötig Zeit vergeudet. Das Ende der Staffel ist dann auch eher offen und ließ zumindest mich damals unbefriedigt zurück, da erstmal klar war, dass es vorerst keine Fortsetzung geben würde.

Vermutlich aufgrund der 13 Jahre Zeitabstand konnte oder wollte Milch die Seriengeschichte mit dem Film dann nicht wie ursprünglich geplant abschließen. Der Film verkommt dadurch etwas zu einer Art Reunion Show (immerhin hat man es geschafft, fast alle Darsteller wieder dabei zu haben, natürlich mit Ausnahme der in der Zwischenzeit bereits verstorbenen Schauspieler Powers Boothe und Ralph Richeson sowie Titus Welliver, der durch Bosch verhindert war). Zeitlich spielt der Film im Serienuniversum etwa 10 Jahre nach Serienende. Alles ist etwas moderner, Deadwood ist an das Schienennetz angebunden und es läuft der Ausbau der Telefonmasten. Die Theater Truppe (noch ein anscheinend wichtiger Teil von Staffel 3 in Milchs Vision) kommt im Film überhaupt nicht mehr vor. Man besinnt sich zurück auf die ursprünglichen Charaktere, die die Serie so stark gemacht haben. Durch den Zeitsprung bekommen wir natürlich auch einen gewissen Einblick, wie sich das Leben der Charaktere entwickelt hat. Storytechnisch tappt der Film leider in die Falle, quasi die Geschichte der letzten 2-3 Episoden der Serie nochmal erneut zu erzählen nur eben 10 Jahre später. Viel mehr möchte ich aufgrund von möglichen Spoilern dazu gar nicht schreiben, aber ich hatte eher eine Auflösung wie ursprünglich nach Staffel 3 angedacht erwartet und keine thematische Wiederholung der letzten Folgen der Serie. Dennoch war es schön, wirklich fast den kompletten Cast nochmal glänzen sehen zu dürfen und die meisten Figuren bekommen mehr oder weniger einen etwas runderen Abschluss als noch mit dem Ende von Staffel 3. Da verzeihe ich dann auch die Story (die, wenn man sich die thematische Wiederholung wegdenkt, dennoch wieder sehr spannend und mitreißend erzählt wird).

Ich könnte noch viel mehr zu Deadwood schreiben, zum tollen Vorspann (den ich im Rewatch in jeder Folge voll geschaut habe), oder zu den tollen Charakter Duos- und Trios, die sich im Laufe der Staffeln entwickeln und eins der vielen Highlights dieser tollen Serie darstellen. Aber lange Rede, kurzer Sinn: Deadwood ist für mich auch heute noch, so viele Jahre nach dem Ende der Serie, eine der besten Serien der letzten Jahrzehnte, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Wer übrigens Interesse an detaillierten und eloquenteren Analysen auf Episodenebene hat, dem kann ich nur die Artikel von Emily VanDerWerff zu Deadwood dringlich ans Herz legen.

Season 1 – 8.5/10
Season 2 – 9/10
Season 3 – 8/10
Film (2019) – 7.5/10


Élite – Season 4 (Netflix)
Nach der hohen Kunst von Deadwood habe ich die neue Staffel meines Netflix guilty pleasures Élite geschaut. Im Vorfeld zu Staffel 4 gab es vier Kurzgeschichten-Staffel mit je drei Episoden (eine „Staffel“ hat dabei effektiv etwa die Laufzeit einer regulären Folge). Diese Kurzgeschichten schließen einige der aus Staffel 3 noch offen gebliebenen Geschichten ab und stellen gleichzeitig bereits den zentralen Handlungsort von Staffel 4 vor. Man muss sich das ein bisschen wie Anime OVAs vorstellen, die zwischen zwei Staffeln laufen. Muss man nicht gesehen haben, für Fans aber nette kleine, in sich geschlossene Geschichten mit den bekannten Charakteren.

Nachdem mit dem Ende von Staffel 3 ein gewisser Umbruch stattgefunden hat, stoßen in Staffel 4 einige neue Charaktere zu den verbliebenen Alt-Charakteren dazu. Die neuen Darsteller machen ihren Job gut und fügen sich gut in den Cast ein.

Leider sind den Schreibern der Staffel wohl aber etwas die Ideen ausgegangen. So fühlt sich vieles an wie eine Wiederholung der ersten Staffeln. Das geht soweit, dass im Grunde die komplette Charakterentwicklung von Guzmán aus den ersten drei Staffeln weggeschmissen wird und er wieder wie in Staffel 1 agiert. Auch die Geschichte rund um Ander und Omar und deren Auflösung im Finale ist nicht wirklich nachvollziehbar.
Die Macher setzen in Staffel 4 vermehrt auf Sex statt Story. Auch die früheren Staffeln waren hier nicht gerade prüde, in Staffel 4 hatte ich aber teilweise schon das Gefühl gehabt, dass man hier bis knapp vor die 18er Grenze rangehen wollte, um die Mängel bei der Story zu kaschieren. Es gibt also ausgiebige Sex Szenen, im Grunde in jeder Folge, die nett anzuschauen sind (immerhin ist der Cast durchgehend sehr attraktiv), aber der Story hilft das nicht wirklich weiter.

Ansonsten ist Élite ja dafür bekannt, jedes Jahr ein großes Geheimnis aufzuwerfen, welches dann im Finale meist spannend aufgelöst wird. Im Grunde wie eine Mischung aus How to get Away with Murder und Gossip Girl. Leider ist auch das Geheimnis von Staffel 4 deutlich schlechter umgesetzt als in den vorherigen Staffeln. Die Flash Forwards sind durchgehend deutlich schlechter als beispielsweise die Vernehmungsszenen in Staffel 3. Während das Geheimnis sonst immer sehr zentral verwoben mit allen Charakteren war, ist dies diesmal leider nicht wirklich so und die Auflösung hat mich relativ enttäuscht zurückgelassen.

Das hört sich jetzt alles schlimmer an, als es am Ende ist. Immerhin entfacht die Serie dennoch noch ihren Binge-Sog und endet mit einem Mini Cliffhanger für Staffel 5. Die acht Folgen habe ich ruck zuck in zwei Tagen weggeschaut und trotz der eher schwächelnden Story meinen Spaß gehabt. Das liegt vor allem auch an den im Grunde sympathischen Charakteren und der meist lockeren Erzählweise der Serie und den tollen Bildern. Für die bereits abgedrehte Staffel 5 erhoffe ich mir aber, dass man hier mit der Story die Kurve kriegt und die Serie wieder mehr auf eine spannende Geschichte setzt, die auch mit der bisherigen Charakterentwicklung konsistent ist.

6.5/10

Love, Victor – Season 2 (Hulu)
Mir ist heute aufgefallen, dass ich letztes Jahr zur ersten Staffel von Love, Victor gar nichts geschrieben habe. Das liegt vermutlich daran, dass die Staffel doch eher konventionell war und eine typische Coming Out Geschichte mit netten Nebencharakteren erzählt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Im Grunde baut die Serie auf dem Universum aus dem Film Love, Simon (2018) mit Nick Robinson auf. Wirklich gesehen haben muss man den Film aber nicht, um mit der Serie Spaß zu haben (man versteht nur vielleicht eher, wer überhaupt Simon ist und freut sich über einen kurzen Auftritt jeweils gegen Ende der Staffeln).
In den letzten zwei Tagen habe ich jetzt Staffel 2 gesehen und diese ist zumindest für mich nochmal eine deutliche Steigerung zur ersten Staffel.

Dies liegt vor allem an den Themen, die sich die Serie traut zu behandeln, und an der gelungenen Mischung aus Comedy in der einen Szene und Drama in der anderen. Staffel 2 gibt uns z.B. endlich einen besseren Einblick in das Familienleben von Felix und den psychischen Problemen seiner Mutter (von beiden, Anthony Turpel und Betsy Brandt, wirklich super und überzeugend dargestellt). Auch die Geschichte, wie die Eltern von Victor mit dem Coming Out umgehen fand ich sehr gut umgesetzt. Hier ist eben nicht gleich alles wie im Hollywood Klischee (auch wenn sich das, so viel darf man sicher verraten, zum Ende der Staffel natürlich zum Positiven wandelt). Dennoch war ich überrascht, dass man diese Art der Darstellung gewählt hat. Ein weiterer Pluspunkt, vor allem im Vergleich zu vielen anderen Teenie Serien ist, wie gelungen hier doch in allen wichtigen Beziehungen in Staffel 2 eine dritte Person integriert wird. Und das ist nicht wie üblich hinterlistig oder ähnliches, sondern es sind immer nette, sympathische Figuren. So endet die Staffel im Grunde darin, dass man ganze drei Dreiecksbeziehungen erzählt, ohne das dies unangenehm aufgefallen ist. Das können nicht viele Serien.

Abzüge bekommt Staffel 2 für die restlichen ansonsten doch noch immer eher klischeehaften Teen-Stories und die jeweilige Vorhersehbarkeit sowie für den kleinen Bruder von Victor, der einfach nicht gut geschrieben ist (mal agiert er / wird behandelt wie ein sehr junges Kind, in einer anderen Szene fragt er sich dann, ob er auf Cougars steht – leider total unglaubwürdig).

Insgesamt überwiegen hier aber ganz klar die positiven Aspekte und Staffel 2 ist eine deutliche Steigerung gegenüber Staffel 1. Staffel 2 endet übrigens genau wie Staffel 1 wieder mit einem Cliffhanger. Wollen wir mal hoffen, dass Hulu dieser doch sehr sympathischen Serie eine dritte Staffel spendiert.

8/10
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von Theologe
#1557380
Fear the Walking Dead: S6
Die Serie hat sich nach der schwächeren 5. Staffel wieder gefangen, die langen Pausen zwischen den Staffelhälften und die jeweilige Änderung der Richtung lassen die Staffeln aber immer wie zwei Staffeln wirken. Das macht die Bewertung immer etwas schwieriger.
Beide Staffelhälften hatten aber in etwa dasselbe Niveau. Virigina funktioniert als Big Bad aber nicht richtig gut, weil die als Figur eigentlich nur nervt und auch ziemlich viele dumme Entscheidungen trifft, die hätte längst von ihren eigenen Leuten umgebracht werden müssen, aber zumindest funktioniert ihre Gruppe als ganzes und splittet Morgans Leute auf, so dass da einige gute Einzelepisoden entstehen, mit jeweils einem klaren Protagonisten.
In der 2. Hälfte taucht mit Teddy ein neuer big bad auf, der mal etwas anders daherkommt, als die typischen postapokalyptischen Diktatoren. Teddy, wunderbar von John Glover gespielt, ist einfach ein Verrückter, für den die Apokalypse die Erfüllung seiner Wahnvorstellungen ist.
Mit dem großen Finale am Ende der Staffel, werden die Karten dann sicher neu gemischt, wobei wir immer noch Jahre vor The Walking Dead sind.
7/10
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von redlock
#1557384
Hacks -- Staffel 1 (HBO Max)

10 Episoden, Nettolaufzeit 25 bis 30 Minuten

Comedy Autorin Mitte 20 trifft auf erfolgreiche Stand-up comedian Ende 60. Beide brauchen einander -- ob sie es wollen (bzw. zugeben wollen) oder nicht. Aber ihre Persönlichkeiten und persönlichen Probleme machen das nicht gerade einfach.
HBO ''verkauft'' die Serie als ''dark comedy.'' Ich hatte aber stellenweise den Eindruck hier haben wir ein waschechtes Drama. Rückblickend auf die gesamte Staffel passt für mich der Begriff ''Dramedy'' aber sehr gut. Es gibt nämlich auch sehr amüsante und witzige Szenen.
Die beiden leading ladies machen einen hervorragenden Job. Jean Smart hätte sich einen Emmy für die Leistung in dieser Staffel verdient. Neuling Hannah Einbinder hält sich überraschend gut gegen den absoluten Profi Smart. Die beiden für mich witzigsten Szenen hat jedoch Einbinder als Ava. Einmal als Ava ihre Sexualität erklärt, und ein anderes mal als sie in Los Angeles einen Kaffee bestellt.
Was mich etwas gestört hat, ist die an ein, zwei Stellen mit dem Holzhammer vermittelte Gesellschaftskritik (Halber Punkt Abzug bei Staffelwertung). Hätte die Serie nicht nötig gehabt. Ist halt dem aktuellen gesellschaftspolitischen Klima in Hollywood zu ''verdanken.''
Die Staffel endet übrigens mit einem Cliffhanger. Ich denke, die Macher waren sich sicher, oder wussten, oder ahnten, sie bekommen eine zweite Staffel. Würde es keine Fortsetzung geben, wäre ich bestimmt nicht der Einzige, der nach dieser Szene als Serienende, sauer gewesen wäre. So freue ich mich nun auf S2.


Für S1: 7,5/10


SEAL Team -- Staffel 4 (CBS)

In S4 geht man verstärkt auf den psychologischen und emotionalen Preis ein, den der Job als SEAL mit sich bringt. Das war nicht schlecht gemacht und zog sich durch die gesamte Staffel. Ebenso gab's weitere Handlungsstränge um Aufträge und Einsätze, die sich über mehrere Folgen hinzogen.
Wie in jeder Staffel (IIRC) gab's zwei Episoden die voll auf ''action'' gesetzt haben. Diese Folgen brauchen sich nicht vor Actionfilmen zu ''verstecken.'' Da sieht man auf dem Bildschirm, dass das was gekostet hat.


Für S4: 7/10
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von Neo
#1557396
Wolfsgesicht hat geschrieben: Mo 28. Jun 2021, 23:04
Neo hat geschrieben: Mo 28. Jun 2021, 08:31 6. Das Altersheim (50 Tage nach dem gesellschaftlichen Zusammenbruch)
Für mich die beste Episode. Das war schon extrem herzzerreißend. 10/10
War es nicht etwa………goldig? :P

Wie kommt’s dass du eine Serie von Joyn siehst? Abo geholt?
Goldig wars in Teilen auch. ^^

Nee, ich hole mir da kein Abo. Schaue dort aber meist Live-TV und bin dann irgendwie drübergestolpert. Meine auch, dass da, außer vor der jeweiligen Episode, keine Werbung kam. Daher wars erträglich.
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von LittleQ
#1557578
Bad Banks Staffel 1 & 2

Oh mein Gott. Hab ich Dummkopf diese Serie vor mir hergeschoben. Völlig zu Unrecht. Mir hat das ziemlich gut gefallen. Ein bisschen schade ist, dass mir die Intrigen am Ende ein bisschen überhandnehmen. Irgendwie blickt man am Ende nicht mehr wirklich ganz durch, auch wenn man der Handlung doch noch folgen kann.

Dennoch rundum gelungen

9/10
8.5/10
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von redlock
#1557600
Hanna Svensson - Blutsbande -- Staffel 2 (ZDFNeo)

8 Folgen; Nettolaufzeit jeweils ca. 55 Minuten

Die Handlung der zweiten Staffel dieser schwedischen Krimiserie setzt 6 Monate nach dem Ende von Staffel 1 ein. Man muss die Ereignisse aus S1 kennen um die Hälfte der Handlung der zweiten Staffel zu verstehen. Die andere Hälfte dieser Staffel ist ein neuer Handlungsstrang.
Wie viele Filme und Serien, die eine sehr gute erste Staffel (oder Teil) hatten, leidet auch diese zweite Staffel darunter, dass alles etwas ''heftiger,'' ''stärker,'' ''überdrehter'' und ''größer'' sein muss. Hier hätte es nicht geschadet, wenn man einen Gang weniger hochgeschaltet hätte. Das gilt besonders für den neuen Handlungsstrang um die korrupten Polizisten.
Dennoch, es war insgesamt eine spannende, fesselnde und unterhaltsame zweite Staffel, die manchmal auch recht brutal war.
Es gibt noch etwas, was mich dann noch gestört hat. Die Staffel endet nicht nur mit einem, sondern mehreren offenen Handlungen. Es gibt kein ''rundes Ende,'' sondern einige Anknüpfungspunkte für eine dritte Staffel. Keine Ahnung ob die es geben wird.


Für S2: 7,5/10
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von Theologe
#1557609
City on a Hill: S2
Die zweite Staffel fand ich etwas schwächer als die starke erste Season, was aus meiner Sicht daran liegt, dass man die Handlung zu eng anlegt. Obwohl es um Korruption, Drogenhandel und Gewalt im Boston der 80er geht, hat man das Gefühl, dass Boston aus 10 Personen besteht, weil alle irgendwie etwas miteinander zu tun haben.
So hat man irgendwie nur einen richtigen Handlungsstrang, in den man die verschiedenen Figuren und ihr Privatleben unterbringen muss. Die Welt wirkt unnötig klein.
8/10

Collateral [Netflix/BBC Two]
Dieser vierteilige Krimi beschäftigt sich mit dem Mord an einem Pizzaboten, der eine viel größere Verschwörung zu verbergen scheint. Carey Mulligan ist die leitende Ermittlerin und macht wie immer einen guten Job. Mit knapp unter 4h zieht man den Fall nicht unnötig in die Länge und anders als bei vielen anderen Limited Crime Shows der letzten Jahre, verzichtet man bei Collateral auf den großen Twist, der den Fall auch noch persönlich werden lässt.
7,5/10

Bosch: S7 - Finale Staffel
Wenn man weiß, dass es ein Spin Off von Bosch geben wird und worum es da gehen soll, verliert ein dramatischer Moment der Staffel seine gesamte Wucht, was etwas schade ist. Aber weitestgehend hat man hier wieder eine normale Staffel in der Bosch sein Ding durchzieht, um ein oder zwei Fälle aufzuklären, auf seine herrlich kompromislose Art.
Das Ende der Serie wäre ein ordentliches Ende gewesen, aber in dem Wissen, dass es eigentlich noch weitergehen wird, hat sich das auch nicht so richtig nach einem Abschluss angefühlt.
8/10

Lupin - part II
Wenn man weiß was einen erwartet, kann man sich deutlich besser auf die Serie und bestimmte Ungereimtheiten einlassen, die mich in Part I noch gestört haben. Davon profitiert das Seherlebnis deutlich. Omar Sy bei seinen Gaunereien zuzuschauen macht sowieso immer Spaß.
7/10
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von AlphaOrange
#1557657
Biohackers S2 (Netflix / DE / 6 Folgen)

Niemand hat danach gerufen, niemand hat es erwartet, aber trotzdem hat Netflix dem Rohrkrepierer Biohackers, der in Staffel 1 in Sachen Drehbuch, Dialoge, Logik, Storystelling, Schauspiel und Setdesign so ziemlich alles falsch gemacht hat, eine zweite Runde spendiert.
Und ich war schnell angenehm überrascht. Hier wurde gut durchgeputzt. Verschwörungskrimi statt Medizinthriller. Die Screentime der WG-Stereotypen auf ein Minimum reduziert. Den Love Interest der Hauptfigur vom profillosen Schönling gegen den wesentlich interessanteren Charakter der 1. Staffel ausgetauscht. Die comichafte Evil Queen wird von ihrer Betonfestung ins Gästezimmer von Mama versetzt. Die Charakterzeichnung ist subtiler, man verzichtet darauf, die Welt schon allein via Optik in Gut und Böse einzuteilen. Der Fokus rückt noch enger an Hauptdarstellerin Luna Wedler und die liefert beeindruckend. Die Dialoge .. ja gut, die sind auch in S2 nicht gut.
Storymäßig bringt Biohackers ein paar interessante und spannende Themen ein, hat alle Zutaten in der Hand, um einen packenden Amnesie-Verschwörungsthriller durchzuziehen*. Und verkackt es. Mit Anlauf.
Die beiden letzten Folgen sind ein wahres Trainwreck. Benno Fürmann und Thomas Kretschmann dürfen die Bad Guys raushängen lassen, jegliche Logik geht über Bord**, es gibt Actioneinlagen aus der Mottenkiste und das Medizin-Bullshitting kommt mit voller Wucht zurück. Garniert mit einem Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Cliffhanger***, der zu feige ist, wirklich etwas anzuteasern und zu eitel, es dann lieber ganz zu lassen.
5 / 10
versteckter Inhalt:
* Ich fand das Amnesie-Thema gut gemacht und packend inszeniert. Als die Therapeutin ihre Theorie der dissoziativen Fugue präsentierte, dachte ich mir: Ja! Das hat Potential, da kann man einen spannenden Psychothriller drauf aufsetzen. Leider nur ein Red Hering. Und so bleibt vor allem Mias angebliche Persönlichkeitsveränderung völlig unerklärt.
(übrigens funktioniert die Fugue so gar nicht, aber es war ausreichend plausibel)

** Ernsthaft, der Baron, der hunderte fragwürdige Wissenschaftler sponsort, hat ein Labor in einer Waldhütte auf seinem eigenen Grundstück, wo die Experimente an Entführten machen? Wollen wir vielleicht noch darüber reden, wie Oles Pimmel-Interface am Ende Mia das Hirn gesundschüttelt, oder lieber nicht?

*** Fürstenberg lässt die Familie noch was für ihn erledigen und das ... eh .. ja, kann alles sein. Oder nix. Hart gecliffhangert!
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von LittleQ
#1557702
AlphaOrange hat geschrieben: Di 13. Jul 2021, 20:05 Biohackers S2 (Netflix / DE / 6 Folgen)

Niemand hat danach gerufen, niemand hat es erwartet, aber trotzdem hat Netflix dem Rohrkrepierer Biohackers, der in Staffel 1 in Sachen Drehbuch, Dialoge, Logik, Storystelling, Schauspiel und Setdesign so ziemlich alles falsch gemacht hat, eine zweite Runde spendiert.
Wobei ich mich da echt frage: wieso? Ich meine, ich hab auch schon schlimmeres gesehen, aber fand die erste Staffel schon nicht toll und wirklich bombig eingeschlagen ist die Serie auch nicht. Zumindest war das so mein empfinden. Dass du Season 2 noch 5 Punkte gibst, finde ich dahingehend fast schon human. Ich hab mich bis Folge 4 durchgequält, hatte dann aber definitiv die Lust verloren. Oder sollte ich sagen den Willen? :D
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von LittleQ
#1557733
Scream - Season 1 (MTV/Netflix)

2015 ist ja schon einige Zeit her und ich bin absolut nie versucht gewesen die Serie wirklich zu sehen. Season 1 gibt es allerdings gerade auf Netflix und was soll ich sagen? Die Serie ist so grausam, wie gedacht.

Ich weiß nicht, ob man im Laufe der Jahre einfach älter wird und aus der Zielgruppe herausfällt. Vielleicht wird man auch einfach anspruchsvoller (zumindest ein bisschen xD). Scream wirkt an so vielen Ecken unfreiwillig komisch und aufgesetzt, dass es schwer ist, da in Stimmung zu kommen. Das Schauspiel ist wirklich schlecht, die Figuren verhalten sich teilweise so lächerlich und manchmal wirken Szenen wie eine schlechte Parodie auf die Filmvorlage.

Mein absolutes highlight ist der Teeny-Hacker, der einen Laptop knackt. Bei genauerem Hinsehen trifft der gar nicht richtig die Tasten und hämmert einfach völlig sinnlos auf der Tastatur, was zur Folge hat, dass auf den drei Monitoren parallel in 4 Terminals einfach Text in verschiedenen Farben runtergeleiert wird :') :') :') :') :') . Irgendwann wird auf Enter gedrückt und "er ist drin" :') :') .

Hab Season 1 gerne nebenher gesehen, aber mehr brauche ich davon nicht mehr.

4/10
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von EPFAN
#1557735
Ich habe die Serie nicht ganz so schlecht in Erinnerung. Das dämliche Verhalten gabs auch teilweise in den Filmen. >:)
Trotzdem wirds Zeit, dass Scream 5 in die Kinos kommt. Zum Glück mit der alten Hauptbestzung. :D
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von Theologe
#1557737
Dr. Death [Peacock] - Limited Drama Series
Schon nach wenigen Minuten hat man eigentlich keine Lust mehr jemals wieder zum Arzt zu gehen. Die True Crime Serie dreht sich um einen Neurochirugen, dessen Arbeit so katastrophal ist, dass sich zwei Ärzte zum Ziel setzen, ihm das Handwerk zu legen, aber bei Krankenhäusern und Behörden vor verschlossenen Türen stehen.
Joshua Jackson spielt den Horror-Arzt, Alec Baldwin und Christian Slater die beiden, die ihn aufhalten wollen. Die Serie wird von der starken Besetzung getragen und zieht die Spannung aus der Hilflosigkeit, der Patienten, die Dr. Death ausgeliefert sind und ihm blind vertrauen.
8/10

Loki [Disney+]
WandaVision hat mir gefallen, The Falcon and the Winter Soldier war unterhaltsam, aber es ist Loki, das für mich der erste große Wurf unter den Marvel-Serien ist. Das liegt natürlich in erster Linie an der titelgebenden Figur, die schon in den Filmen ein Scene-Stealer war. Tom Hiddleston geht in der Rolle auf und anders als bei Falcon... hat man hier wirklich Interesse an der Story. Die Welt der TVA ist faszinierend und man möchte erfahren was sich dahinter verbirgt.
Ich freue mich auf mehr.
8,5/10
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von LittleQ
#1557739
EPFAN hat geschrieben: Sa 17. Jul 2021, 20:21 Ich habe die Serie nicht ganz so schlecht in Erinnerung. Das dämliche Verhalten gabs auch teilweise in den Filmen. >:)
Was ich den Filmen zugutehalte ist, dass die aus den 90ern sind. Natürlich war Scream auch damals so ein bisschen cringe, aber in den 90s war das halt irgendwie noch durchwinkbar, so wie man bestimmte Dinge aus den Filmen der 80er oder 70er akzeptiert, weil man damals eben so Filme gemacht hat.

Die Serie wirkt aber im Jahre 2015 in ihrer Machart so deplatziert, was sie ja auch lustig macht, aber so ein richtiges Horror-Feeling hatte ich da eben nie. Vielleicht wird es in den folgenden Staffeln ja auch besser. Keine Ahnung. Ich denke, ich werds einfach nie rausfinden. ':)
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von Sarge
#1557746
Clarice (CBS) - Season 1

Spin-Off zum Buch/Film "Silence of the Lambs"
1993. Nachdem sie den Serienkiller Buffalo Bill zur Strecke gebracht hat, kämpft Clarice Starling mit ihren inneren Dämonen und der Integration in ein FBI-Spezialteam. Dank ihres Instinkts enthüllt sich langsam eine Verschwörung, der etliche Frauen zum Opfer gefallen sind.

Ich fange mal mit dem Positiven an: Clarice bringt seinen (weitgehend) fortlaufenden Plot in der ersten Staffel zu Ende. (Stand jetzt ist eine 2. Staffel nicht wahrscheinlich)
Mir gefiel auch der diverse Cast, wobei hier schon die erste Warnlampe angehen müsste, denn 1993 war das FBI laut Story komplett weiß und männlich.
Über die erste Hälfte der Staffel entwickelt sich der Plot noch recht unspektakulär, sieht man mal von Clarice's Therapiesitzungen und Halluzinationen ab, die ganz offensichtlich von 'Hannibal' inspiriert waren.

Doch dann 'peppen' die Autoren leider die Handlung mit woke Themen auf. Dagegen ist solange nichts einzuwenden, wie nicht meine Intelligenz als Zuschauer beleidigt wird.
Beispiele:
Clarice's Mitbewohnerin und enge Freundin Ardelia - schwarz und beim FBI nur in der Ablage tätig - wird integriert und schliesst sich der 'Black Coalition' an, die eine Diskriminierungsklage einbringen wollen. Damit der Anwalt die Klage annimmt, soll sie Clarice (wegen der Popularität) als Diskriminierende (Micro Aggressions) mit integrieren. Das beichtet sie ihr dann und Clarice unterstützt sie aus vollem Herzen. Das war so dermassen konstruiert und komplett unsubtil, dass es wirklich weh tat.
Oder bei einem Großeinsatz: Da wird Clarice und ein Latino-Team-Mitglied von FBI-Kollegen vor versammelter Mannschaft aufs übelste beleidigt und provoziert. Als sie ihm eine reinhaut, wird dann aber (nur) ihr Verhalten gerügt.
Ebenfalls taucht später eine Transfrau auf, die dem Team widerwillig hilft. Denn obwohl man sie nach 2 Blicken als Trans identifiziert hat, fürchtet sie vom Antagonisten bei ihrem Arbeitsplatz geoutet zu werden.

Das Finale setzt dem ganzen dann die Krone auf.
versteckter Inhalt:
Der Drahtzieher ist verrückt und stinkreich, deswegen hat er ein üppiges Helfernetzwerk, die ihm arme Frauen zuführen und Zeugen so professionell beseitigen, wie man sich das nur vorstellen kann. Umso ärgerlicher, wenn man überlegt, wieso man am Anfang der Staffel erst auf diese Verschwörung gestossen ist, die ja eigentlich geheim bleiben sollte. Warum wurden die Leichen so inszeniert? Und wieso gelingt es Clarice so leicht, mit ein wenig Küchenpsychologie die Täter aufeinander zu hetzen.

Fazit: Aufgrund der tollen Figuren-Vorlage hatte ich mir weit mehr erwartet. Clarice bleibt als Krimiserie allenfalls durchschnittlich und wirkt mit fortlaufender Handlung immer unglaubwürdiger. Dazu kommt noch die platte Umsetzung von woke-Themen. Alles zusammen für ein 'high-profile drama' zu wenig.

4/10
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von LittleQ
#1557749
Sarge hat geschrieben: So 18. Jul 2021, 14:07 Clarice (CBS) - Season 1
Habs damit schon von der Liste genommen. Wollte ich mal anschauen, aber ich hab bisher so wenig gutes gehört, dass ich es einfach mal lasse :D
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von redlock
#1557770
Die Meute (La Jauria) -- Staffel 1 (Arte)

Achtteiliges chilenisches Krimidrama; Laufzeit je Folge ca. 50 Minuten

An einer katholischen (und elitären) Privatschule für Jungen und Mädchen in Santiago de Chile (Hauptstadt) protestieren die Schülerinnen gegen sexuelle Belästigung eines Lehrers. Die Anführerin der Proteste verschwindet plötzlich. Drei Ermittlerinnen der Kripo werden an den Fall angesetzt. (Deren Darstellerinnen sind in Chile bekannt aus TV und vom Theater). Neben der Polizei macht sich auch die Schwester der Verschwundenen auf die Suche und ermittelt. Sie stößt dabei im Internet auf eine Gruppe von Frauenhassern (die Meute), die weiblichen Teenagern und jungen Frauen das Leben zur Hölle macht.
Desweiteren gibt es einen Handlungsstrang um illegale Machenschaften eines katholischen Priesters.
Die erste Hälfte der Staffel ist gelungen. Spannend und interessant. Dann wird es allerdings recht abgedreht und für meinen Geschmack auch unrealistisch. Zudem ist die Gruppe der Hauptverdächtigen schnell sehr klein. Da hat man Potenzial verschenkt.
Die Fälle werden geklärt. Aber am Ende macht man das Tor für eine zweite Staffel sperrangelweit auf. Fand ich ärgerlich. Dennoch, alles in allem war's keine Zeitverschwendung.


---->7/10


Traces -- Staffel 1 (One)

Britische Krimiserie in sechs Teilen; Laufzeit je Folge knapp 45 Minuten

Eine junge Laborantin kehrt nach Jahren aus Manchester zurück in ihre schottische Heimatstadt, Dundee. Sie beginnt ihre Arbeit an der dortigen Uni bei einer Professorin für forensische Pathologie. Die hilft der Polizei aktuell bei einem Brand in einem Nachtclub. Außerdem hat die Professorin ein Online Seminar, bei dem ein Fall behandelt wird, der dem Mord an der Mutter der Laborantin sehr ähnlich ist. Oops, so war das nicht geplant.
Auch hier war der Anfang der (Mini-)Serie gelungen. Im weiteren Verlauf wird es allerdings auch hier etwas zu unrealistisch und überdreht. Wer der Täter ist, ist bald offensichtlich. Mit nur sechs Folgen ist man jedoch zügig durch, und, ich wiederhole mich, es war alles in allem dennoch keine komplette Zeitverschwendung.
Nebenbeibemerkt, überrascht hat mich in der Serie eine Darstellerin zu sehen, die ich vor allem aus Serien kenne, die in Kanada gedreht wurden.


---->7/10
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von LittleQ
#1557785
WandaVision - Disney+

Einfach nur eine total unterhaltende und tolle Serie. Ich war zu Beginn sehr skeptisch und habe WV auch lange geschoben. Die Idee, einzelne Episoden nach dem Vorbild bekannter Sitcoms zu gestalten, empfand ich aber als großartig. 8 Folgen waren die perfekte Länge und auch die Länge der Episoden war für meinen Geschmack optimal.

Ein bisschen mau fand ich vielleicht das Ende. Dass Wanda für ihre Aktionen so gar keine Konsequenzen erfahren musste, nachdem die Angst vor den Avengers ja auch Thema in Cpt. America war, war doch komisch. Und auch wenn ich von einer Serie wohl nicht den Avengers-Cast erwarten darf, würde ich schon wissen wollen, was eigentlich mit Dr. Strange ist. Der soll ja potenzielle, übernatürliche Gefahren für die Erde überwachen, schien aber bei Wanda irgendwie versagt zu haben . ':)
Dennoch coole Staffel. Ich hoffe, dass man Vision wieder sehen wird. Der ist mir so mega sympathisch geworden.

Abseits von WandaVision hoffe ich, dass Wandas Zuwachs an Kraft jetzt nicht bedeutet, dass sich die Avengers zunehmend zu Halbgöttern entwickeln und wir in Phase 5 (oder noch weiter) kaum noch einen Bezug zur Erde haben. Mit The Marvels kündigt sich ja schon an, dass es immer abgespacter werden soll. Mal schauen...


8.5/10

Achso...und was noch krass ist: Die Länge des Abspanns. Was war da denn los? Ein 7 Minuten Abspann ist doch nicht normal :D
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