US-Fernsehen (inklusive Season- und Pilot-Reviews), britisches Fernsehen etc.
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von Theologe
#1554687
Euphoria [HBO]
Auf die Serie hatte ich eigentlich keine große Lust, Teenies, die sich sexuelle Exzesse und Drogenrausch austoben, sprach mich jetzt nicht so an. Jetzt hatte ich allerding so oft gelesen, wie stark die Serie ist, dass ich sie doch getestet hab, außerdem muss man auch was aus dem Sky Ano rausholen und siehe da, es hat mir richtig gut gefallen.
Die Staffel hatte ich in 2 Tagen durch und auch wenn ich das alles als etwas drüber empfand, war das für mich auf 13 Reasons Why Staffel 1 Niveau, nur eben ohne den Selbstmord.
Die beiden Specials habe ich dann auch noch gesehen und bin gespannt wie es weitergehen wird.
8/10

The Stand [CBS All Access]
Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass das eine richtig gute Miniserie werden kann. Die Miniserie aus den 90ern fand ich immer gut, aber sie war eben schon sehr 90er Jahre TV. Daran hat sich leider nicht viel geändert. Es sind doppelt so viele Folgen und die Production Values sind hoch, aber die Erzählweise ist dann doch sehr uninspiriert. Keine Spur von der Atmosphäre von The Outsider oder der Charaktertiefe von Mr. Mercedes. Das konnte man alles nett durchgucken, aber es hatte einfach gar kein Alleinstellungsmerkmal.
6,5/10
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von redlock
#1554836
Beforeingers -- Staffel 1 (ARD/One)

6 Folgen; jeweils knapp 45 Minuten Laufzeit; eine norwegisch/skandinavische Serienproduktion für HBO Europe

Das Grundkonzept ist das einer klassischen Krimiserie. Ein ungleiches Ermittlerpaar, nicht sonderlich begeistert zusammenarbeiten zu müssen, soll einen Todesfall aufklären. Zudem hat einer der beiden auch noch ziemliche persönliche Probleme. Der ''Kniff'' hier ist die Portion Sci-fi.
Im Wasser des Hafens von Oslo tauchen plötzlich Flüchtlinge auf. Nur stammen die nicht aus anderen Ländern, sondern aus anderen Zeiten: Steinzeit, Wikingerzeit, spätes 19. Jahrhundert.
Ein paar Jahre nach dem ersten auftauchen (wörtlich zu nehmen) dieser ''Zeitmigranten'' wird eine junge Dame aus der Wikingerzeit Ermittlerin bei der Osloer Kripo und wird mit dem ''kaputten'' Kommissar auf den Todesfall angesetzt. Die Darstellerin der Wikingerin hat mir in der Rolle ausgesprochen gut gefallen.
Auch insgesamt war das für meinen Geschmack überraschend gut. Der Krimifall war interessant. Dazu der (Ein-)Blick ins Leben des Kommissars und seiner neuen Kollegin. Bei letzteren gab es einige, aber nicht lange, Rückblicke in ihre Vergangenheit in die Wikingerzeit. Dazu wird das Thema ''Integration'' von Flüchtlingen angerissen, ohne das es lehrmeisterhaft oder überfrachtet ist. Die Dame hat auch so ihr Päckchen zu tragen, wie wir erfahren.
Der größte Fokus bei den Zeitmigranten wird auf eine Gruppe aus der Wikingerzeit gelegt. Die reden dann auch in alt-nordisch, was untertitelt ist. Hat mich jedoch nicht gestört.
Bis ca. 10 Minuten vor Ende der letzten Folge wollte ich der ersten Staffel eine Wertung von 8/10 geben. Dann werden allerdings plötzlich Sachen enthüllt und damit neue Handlungsstränge aufgemacht. Ich dachte nur WTF soll das den jetzt. Also, der Todesfall wird aufgeklärt. Aber eine Reihe von Sachen bleiben scheuentorweit offen für eine Fortsetzung. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich gewartet bis S2 raus ist. Auf die, soll bestellt sein, bin nun allerdings sehr gespannt.


Für S1: 7,5/10


Private Eyes -- Staffel 4 (Global, Kanada)

12 Folgen; jeweils ca. 43 Minuten Nettolaufzeit

Auch die vierte Staffel ist ein solides crime procedural mit, gegenüber früherern Staffeln jedoch zurückgefahrenen, soapigen Geschichten um die (Haupt-)figuren. Hat für mich gut gepasst, als mir in den letzten Wochen die Zeit, Ruhe und Muße fehlte, um in ein Serial einzusteigen.
ABER, mein Gott, was hat Cindy Sampson mit ihrem Gesicht machen lassen? Die OP(s) war(en) keine Verbesserung. (Hat aber keinen Einfluß auf die Staffelwertung).


Für S4: 6/10
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von Neo
#1554850
Bevor die ganzen Serien noch ewig in den Entwürfen rumspuken (sitze jetzt zwar schon zum 7. Mal dran, aber jetzt poste ich es wirklich!):


The Queens Gambit (Netflix)

Was alle schreiben. Die Serie steht und fällt mit Anya Taylor-Joy und die ist halt einfach perfekt gecastet. Schachpartien waren spannend umgesetzt, die Story und Charakterzeichnung nicht zu abgedroschen. Seit langem mal wieder eine richtig gute Netflix-Serie.

9/10 Punkte


Alice in Boderland (Netflix)

Ich moche die Serie gleich von Beginn an ganz gerne. Leider beginnt sie mit Ende der vierten Episode leider zu schwächeln. Das war mein liebstes Spiel und irgendwie scheine ich die Regeln nicht ganz verstanden zu haben oder das Spiel befolgt seine eigenen nicht und das ist ziemlich blöd :( (Memo für mich: Episode mit dem Versteckspiel, da beste Episode, aber bescheidener Ausgang, den ich unschlüssig fand).
Mein ganz persönliches Problem: Mich interessiert überhaupt nicht, was das für ein Spiel ist und wer da dahintersteckt. Ich will einfach nur die einzelnen Games sehen. Unpraktischerweise gings dann ab der Hälfte nicht mehr primär um die Spiele. Wäre bei der zweiten Staffel aber trotzdem dabei. ^^

6/10 Punkte


Black Summer (Netflix)

Ist wohl ein Prequel zu Z Nation (nie gesehen btw.). Ich war schon sehr Zombie-müde, aber die Serie hat mir überraschend gut gefallen.
Begründung: Schneller Zombie, guter Zombie, weil nicht ganz so lame. Charaktere größtenteils ganz normale Menschen, die nicht rumnerven, pseudo-cool oder psychisch total durch daherkommen - extrem angenehm. Eine zu verkraftende Dummheit, weil man wahscheinlich in manchen Situationen selbst so deppert wäre. Keine pathetischen Ansprachen.

8/10 Punkte


Das Hausboot (Netflix)

4-teilige Doku mit Olli Schulz und Fynn Kliemann.
Kurz: Die haben das Hausboot von Gunter Gabriel erworben und wollen daraus einen Comfort-Place für Musiker machen. Die müssten sich dann also nicht mehr teuer in Nashville oder einer einsamen Hütte in Schweden einmieten, um ihre unfassbar deepen Songs aufzunehmen, sondern können das nun auch für teuer Geld in Hamburg auf dem Boot machen, aber ich schweife ab...

Man begleitet halt einfach den Prozess des Umbaus. Leider merkt man ziemlich schnell, dass die beiden (besonders Schulz) wenig damit am Hut haben. Kliemann sieht man dann doch relativ motiviert Zeug rausreißen, Bretter wegtragen und schweißen, während Schulz, wenn er denn mal vorbeikommt, stets zu spät ist und wahrscheinlich mehr redet und Bierchen zischt, als alles andere. Ist auch okay, denn mehr erwartet man von ihm auch nicht. Nur leider bleibt am Ende der Eindruck, dass er so gar nichts von sich einbringen konnte. Hätte er mal seinen Namensvorschlag durchgedrückt, denn mit G.unter hätte es dann zumindest was charakteristisches gehabt, aber so wollte man halt 0815-alternativ und hipp sein. Das Hausboot heißt einfach nur "Das Hausboot", also so wie "Die Limo", denn es braucht ja nicht mehr und soll für sich sprechen. Das war halt vor ~5-10 Jahren mal en vogue und damals auch wirklich ein cooles Framing, aber heute ists halt auch schon durchgelutscht und wirkt pseudo-authentisch. Dementsprechend schaut auch das Boot von innen aus.

Als Film wäre das wohl eine mittelmäßige norddeutsche Buddy-Komödie. Bjarne Mädel kommt zu Wort (weshalb auch immer), Gunter Gabriel ganz pfiffig als Soundtrack, minder gute Schnitte und Tim Mälzer, der die beiden mal kurz auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Auch ganz nett, wenn Schulz und Kliemann Streit haben, weil das Projekt doch größer und teurer ist, als angedacht, aber leider finde ich die da auch ziemlich unsympathisch. Meinetwegen hätte man den Fokus gerne auf die ganzen anderen Leute, die das ganze Ding eigentlich geschmissen haben, legen können, denn die fand ich wesentlich angenehmer.

Am Ende ist das halt nur ein Promo-Move für einen seelenlosen Kahn, der für noch langweiligere, seelenlose Leute gedacht ist, die sichs leisten können und wollen.

4,5/10 Punkte
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von little_big_man
#1554852
Neo hat geschrieben: So 21. Mär 2021, 21:05The Queens Gambit (Netflix)

Was alle schreiben. Die Serie steht und fällt mit Anya Taylor-Joy und die ist halt einfach perfekt gecastet. Schachpartien waren spannend umgesetzt, die Story und Charakterzeichnung nicht zu abgedroschen. Seit langem mal wieder eine richtig gute Netflix-Serie.

9/10 Punkte
Schaue die Serie auch gerade (die letzte Episode fehlt mir noch) und muss wirklich sagen, dass die Story im Prinzip ziemlich 08/15 ist wie man sie zwar nicht im Schach-Milieu, aber mit x anderen Sportarten schon gesehen hat. Hier ist es tatsächlich einfach die wirklich tolle Hauptdarstellerin, die die Serie von "gutem Durchschnitt" nach "richtig stark" aufwertet. Es sind mir wenig andere Beispiele bekannt, wo das Casting einen so grossen Einfluss auf das Endergebnis hatte wie hier. Entsprechend kann ich im Nachhinein auch verstehen, warum sie den seltsamen Entscheid getroffen hatten, dass Teenage-Beth auch schon von der erwachsenen Schauspielerin gespielt wurde. Das fühlte sich zwar ziemlich "jarring" an, als das junge Mädchen gleich durch die erwachsene Anya Taylor-Joy ersetzt wurde in der 2. Episode, aber wenn man so eine Schauspielerin gefunden hat, wollte man die dem Publikum wohl nicht länger vorenthalten, auch wenn es altersmässig noch gar nicht gepasst hat in der 2. Episode...
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von str1keteam
#1554860
Ich muss euch bei The Queens Gambit (eine der 1000 Serien, die ich schon vor 1000 Jahren bewertet haben wollte) einerseits entschieden zustimmen. Die zweitbeste Netflix-Miniserie nach Godless. Ebenfalls von Scott Frank, der auch hier alle Episoden geschrieben und inszeniert hat.

Scott Frank ist aber auch der Grund, dass ich euch noch entschiedener widersprechen muss. So fantastisch Anja Taylor Joy in der Hauptrolle ist (gewinnt zu Recht alle Preise in der Kategorie und hat zu Recht den Sprung in die nächste Liga damit geschafft), tut man der Qualität der Drehbücher und der Regiearbeit extremes Unrecht, wenn man die Klasse rein auf das Schauspiel reduziert.

Logischerweise bedient man sich der Struktur von Aufsteiger + Sportdramen, aber der Triumph wird im Detail verdient. Ohne die Dialoge, die jedem Charakter einen eigenen Ton verleihen, die allgemein starke Charakterzeichnung, das nahezu perfekte Pacing (in der Aufstiegsphase gibt es ein paar Redundanzen) und die stilvolle Inszenierung, in der jede kleinste Einstellung und jedes Ausstattungsdetail mit Bedacht gewählt wurde, wäre dieses fiktive Biopic, um ein so langweiliges Zuschauerspiel wie Schach, nicht so packend wie ein Fußball-Endspiel unter Beteiligung der eigenen Mannschaft.

Die auf 08/15 TV-Weise abgefilmte und von einem Allerwelts-Writer's Room kompetent abgespulte Fassung wäre selbst mit Taylor-Joy nach 5 Minuten vergessen gewesen, anstatt die Leute nach einer zweiten Staffel betteln zu lassen, die dramaturgisch keinerlei Sinn ergeben würde.(Glücklicherweise hält Frank nichts von einem sinnlosen Melken und schreibt und inszeniert stattdessen als nächste Projekte eine Sam Spade Serie mit Clive Owen in der Titelrolle (und Tom Fontana als Co-Autor) und eine Nabokov Adaption mit Taylor-Joy.) Die exakt gleiche Serie wäre aber auch mit einer anderen sehr guten Castingwahl noch fantastisch gewesen. Wie man in der Pilotfolge sieht, in der größtenteils die kaum weniger beeindruckende Jungdarstellerin das Zentrum hält ... und wenn ich ein Lieblingskapitel benennen müsste, wäre es der Auftakt. 9,5/10


Wie so viele andere Staffeln wollte ich das eigentlich schon vor Monaten besprechen. Mal sehen, ob ich mich die Tage noch zu ein paar kurzen Sätzen aufraffen kann oder es wieder bei guten Vorsätzen bleibt. :$ Vieles davon hat Theo zum Glück schon abgehakt. Um mich selbst unter Druck zu setzen: zumindest zu Pennyworth, Ted Lasso, Good Lord Bird und Tribes of Europa sollte ich noch ergänzen und die sehenswerten Staffeln nachholen, die bisher unerwähnt blieben.

Dringend empfohlen sei aber schon der Ende letzten Jahres auf Netflix erschienene und jüngst oscarnominierte Animations-Kurzfilm "If Anything Happens I Love You". Googlet nicht nach dem Namen, informiert euch vorher nicht über den Inhalt, lest nicht mal die Netflix-Kurzbeschreibung. Schaut es euch kalt an und lasst es wirken. Falls euch der Film nicht berührt, wisst ihr hinterher immerhin, dass ihr Soziopathen seid. ^^

Den Ted Lasso Fans seien als Überbrückung bis Staffel 2 noch die kleinen Promo-Spots (mit The Special One als Gaststar) nahegelegt, falls ihr sie noch nicht gesehen habt.
https://www.youtube.com/watch?v=eiUBRjTGUSY
https://www.youtube.com/watch?v=AcJCXg4VQ2k

Die alten NBC-Sketche, für die Sudeikis die Figur erfunden hat, sind für interessierte Neueinsteiger hingegen mit Warnung zu versehen, denn wenn sie den Charakter so flach belassen hätten, hätte er keine Serie getragen. Hat Bill Lawrence aber natürlich einen Feinschliff verpasst.
https://www.youtube.com/watch?v=6KeG_i8CWE8
https://www.youtube.com/watch?v=iRqypM7jb5Y
https://www.youtube.com/watch?v=yh1pApnX8Sc


Neo hat geschrieben:Alice in Borderland (Netflix)
Die habe ich noch oben auf der Liste. Die meisten japanischen und koreanischen Realserien sind ja leider so furchtbar überbelichtet und mit Pop-Schönlingen besetzt, dass diese Welt für mich im Gegensatz zu der exzellenten Filmlandschaft keinen Blick wert war, aber durch die Streamingdienste ändert sich da endlich etwas. Koreas Zombie-Historiendrama Kingdom und Sweet Home als erste großes Aushängeschilder und jetzt scheint langsam mehr zu folgen. Zumindest was den hochwertigeren Look, eine Ausweitung der Genres und Abkehr vom K-Drama Telenovela-Stil angeht. Die K-Pop Schnösel, die selbst CW zu glatt wären, findet man hingegen immer noch in zu vielen Trailern. (Auf Social Media wäre ich jetzt gecancelt und bekäme Morddrohungen von 12-jährigen Mädchen. ^^)
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von little_big_man
#1554864
str1keteam hat geschrieben: Mo 22. Mär 2021, 00:36Dringend empfohlen sei aber schon der Ende letzten Jahres auf Netflix erschienene und jüngst oscarnominierte Animations-Kurzfilm "If Anything Happens I Love You". Googlet nicht nach dem Namen, informiert euch vorher nicht über den Inhalt, lest nicht mal die Netflix-Kurzbeschreibung. Schaut es euch kalt an und lasst es wirken. Falls euch der Film nicht berührt, wisst ihr hinterher immerhin, dass ihr Soziopathen seid. ^^
Habe ich jetzt gerade genau so blind gemacht, da es nur 12 Minuten waren....und bin zum Glück kein Soziopath... ;)

Bei "The Queen's Gambit" muss ich dir recht geben, es ist nur die Story an sich, die ziemlich 08/15 ist, aber die ganze Umsetzung dieser Story plus das Casting zusammen macht es zu etwas besonderem. Da die ganze Story auf einem Buch basiert, würde mich allerdings noch wunder nehmen, wie das in Buchform "compelling" rüberkommen soll, das stelle ich mir deutlich schwieriger vor.
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von str1keteam
#1554866
little_big_man hat geschrieben: Mo 22. Mär 2021, 01:04 Habe ich jetzt gerade genau so blind gemacht, da es nur 12 Minuten waren....und bin zum Glück kein Soziopath... ;)
Gut zu wissen. Bei der ein oder anderen Szene musste sich mancheiner, der empfänglich für die Kombination aus Musik und bewegenden Szenen ist, sicherlich verstohlen Staub aus den Augenwinkeln reiben. Ich natürlich nicht, nein, nein. ^^

Bei "The Queen's Gambit" muss ich dir recht geben, es ist nur die Story an sich, die ziemlich 08/15 ist, aber die ganze Umsetzung dieser Story plus das Casting zusammen macht es zu etwas besonderem. Da die ganze Story auf einem Buch basiert, würde mich allerdings noch wunder nehmen, wie das in Buchform "compelling" rüberkommen soll, das stelle ich mir deutlich schwieriger vor.
Da hängt sehr viel davon ab, wie tief die inneren Monologe gehen und wie gut der Autor Bilder vorm inneren Auge der Leser erwecken kann. Die Beschreibungen der Schachspiele sollten natürlich auch nicht so sehr in Namedropping und Techno-Babbel abdriften, dass man als Laie, der kaum die Bewegungen der Figuren kennt, gelangweilt auf der Strecke bleibt. Z.B. bei den mentalen Schachspielen, die Beth an der Decke abgehalten hat, kann ich mir noch vorstellen, dass die auch im Buch gut funktionieren, aber es gab auch viele Details, die erst durch die Inszenierung an Leben gewannen.

Früher hätte ich immer gesagt, dass ein Buch eine viel umfangreichere Welt zeichnet als es selbst die beste Adaptation vermag. Bei Stephen King scheitern z.B. viele Filme daran, dass die Feinheiten der Charakterisierung zu großen Teilen in inneren Monologen gezeichnet werden und große Teile des World-Buildings, die die Bücher über übliche Genreliteratur erheben, in Seitenabstechern stattfinden, die für den puren Plotfortschritt verzichtbar sind. Sowas fliegt dann bei nur knapp 2 Stunden natürlich meist raus. Mit den Prestige-(Mini-)Serien hat sich das gewandelt. Die Mr. Mercedes Trilogie habe ich bis auf Buch 2 erst nach der Serie gelesen und war enttäuscht, dass dort einige wichtige Charaktere gar nicht ihren Ursprung hatten und die, die in beiden Versionen vorkamen, waren in der Serie nuancenreicher. Auch Volker Kutschers Buchvorlagen zu den ersten 3 Staffeln von Babylon Berlin wirken z.B. deutlich konventioneller erzählt und dünner in der Charakterzeichnung - verglichen mit der Serie.

Bei The Stand habe ich die neue Miniserie noch nicht gesehen, aber dort fiel das Echo leider sowohl von großen Fans des Buches als auch von Nichtlesern ähnlich durchwachsen aus wie bei Theo. Absolut kontraproduktiv finde ich ungesehen die Entscheidung mit Lost-artigen Rückblenden zu arbeiten und den Ausbruch der Seuche weitgehend zu überspringen. Wenn ich zu Beginn weiß, welche Figuren ihren Road-Trip überleben und für welche Seite sie sich entscheiden, fällt allein schon einiges an Grundspannung weg, die für die langen ruhigen Parts nötig ist.

Dank des Netflix-Erfolges erscheint "Das Damengambit" im Mai erstmals auf Deutsch. Nach fast 40 Jahren. Vielleicht gönne ich mir das oder die Hörbuchfassung, wenn der Preis gefallen ist. (Bücher und Hörbücher bevorzuge ich weiter auf Deutsch. )
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von Sarge
#1555003
The Valhalla Murders (Netflix)

8-teilige Krimiserie, die entgegen dem Titel nichts mit der nordischen Mythologie zu tun hat, sondern sich um ein gleichnamiges Kinderheim dreht. Dessen ehemaliges Personal fällt dem ersten Serienmörder Islands zum Opfer. Und weil man auf der Insel in Sachen Verbrechen sonst eher verschont wird, holt man sich zusätzlich zur Kommissarin Kata noch einen norwegischen Ermittler mit isländischen Wurzeln dazu. Beide müssen unter gehörigem Druck der Öffentlichkeit ermitteln, während sie gleichzeitig mit privaten Problemen zu kämpfen haben.
Die Grundhandlung dürfte vielen Krimifans ziemlich bekannt vorkommen. Ich fand die Serie über alle Folgen spannend und sie bietet einige Twists, sowieso mit Island mal einen anderen Hintergrund. Neben der Abhängigkeit von Oslo (Island hat z.B. auch keinen Gerichtsmediziner) gibt es auch witzige Details: So tragen die Ermittler keine Waffe - diese ist im Kofferraum im Safe eingesperrt und muss von der Zentrale bei Anfrage erst entsperrt werden.
Es wird ein Fall aufgeklärt und die Serie ist abgeschlossen, wobei ich die Ermittler durchaus gerne wiedersehen würde.

7,5/10
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von Theologe
#1555071
Penny Dreadful: City of Angels [Showtime]
Ein großer Fan von Penny Dreadful war ich nie, aber die Serie hatte definitiv auch ihre Stärken. City of Angels spricht mich thematisch voll an. Alles was irgendwie wie L.A. Confidential ist, hat bei mir schon mal einen Vertrauensvorschuss. Den verballert City of Angels aber gleich in der ersten Folge und wirklich gut wird es leider nie.
Man hat hier definitiv zu stark versucht heutige Themen in das Format zu pressen. Die Diskriminierung der hispanischen Bevölkerung von L.A. ist hier das Hauptthema, in Anlehnung an Black Lives Matter, so dass man keine wirklich Crime Noir Serie hat.
Das übernatürliche Element, kann man auch weitestgehend vernachlässigen. Natalie Dormer spielt hier zwar in verschiedenen Erscheinungsformen einen Dämon, der im Hintergrund geschickt die Fäden zieht, so dass es zur Eskalation kommt, aber dafür hätte man auch verschiedene normale Menschen nehmen können.
5/10
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von Sarge
#1555187
1983 (Netflix) - Season 1

Eine polnische Serie (unter amerikanischer Führung) mit alternativer Historie, in der in Polen bis zum Jahr 2003 (der Seriengegenwart) ein kommunistisches Regime an der Macht ist. Man bewegt sich damit im selben Fahrwasser wie "The Man in the High Castle" und "SS-GB" und ist leider klarer Dritter. Das liegt nicht an den Production Values. Das Budget ist sicher nicht üppig, es wird aber viel daraus gemacht was Atmosphäre und Locations angeht.

Woran man scheitert, sind das Drehbuch und die Figuren. Die beiden Hauptfiguren (Kommissar, Jurastudent) wachsen einem bis zum Schluss nicht ans Herz. Von der Handlung her wirkte es auf mich unnötig kompliziert erzählt. Dass man eine zweite Zeitebene 20 Jahre zuvor hat, habe ich anfangs komplett übersehen.
Bis zur Hälfte der Staffel weiss man gar nicht so recht, wo das ganze überhaupt hinführen soll. Und selbst am Ende bleiben die großen Fragen offen.

So wird denn einer bzw. mehreren Verschwörungen hinterherermittelt und der Zuschauer tappt noch mehr als die Hauptfiguren im Dunkeln. Wie in diesen Regimen üblich intrigieren die verschiedenen Inlands-Geheimdienste untereinander. Insgesamt bleibt dabei leider ganz klar die Spannung auf der Strecke.
Auch mit dem gezeigten Alternativ-Weltsetting tat ich mich etwas schwer. Wie die emanzipierte Rolle Polens zur Sowjetunion ist, wird z.B. nie gross erklärt, oder warum man technologisch so weit voran ist (es haben 2003 alle Bürger eine Art Smartphone - zugleich jagt der Kommissar nach illegalen Harry-Potter-Büchern).

Die Staffel endet sehr offen und eine Fortsetzung steht in den Sternen. Angesichts dessen würde ich von der Serie abraten.

4,5/10
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von Theologe
#1555226
The Deuce: S3
Die letzte Staffel war zwar eigentlich nicht schwächer als die ersten beiden, aber das Finale war dann doch ein bisschen dünn, weil die Handlungsstränge, der Figuren, die bis zum Serienende überleben, gar nicht beendet werden. Es kommt einfach irgendwann ein Cut, ein Zeitsprung von ~35 Jahren und ein kurzer Epilog, bei dem ganz grob noch ein paar Infos fließen. Dafür gibt es einen Punktabzug. Man muss allerdings auch sagen, dass noch einige Charaktere vor ihrer durchschnittlichen Lebenserwartung dahinscheiden. Der Ausbruch von AIDS wird zB zu einem wichtigen Thema der Staffel.
8/10
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von AlphaOrange
#1555241
Snowpiercer S2
Die erste Staffel fand ich ja extrem messy, ohne klare Richtung und handwerklich durchwachsen.
Für Staffel 2 hat man zum Glück an den absolut richtigen Schrauben gedreht. Kenne nur wenige vergleichbare Fälle, in denen man eine missglückte erste Staffel dermaßen gut ausgeputzt hat. Und dass obwohl mit Jennifer Connelly einer der wenigen Lichtblicke des ersten Durchgangs größtenteils wegfiel (womit aber auch sehr clever umgegangen wurde).
Dafür hat die Serie mit Sean Bean als Antagonist einen sensationellen Coup gelandet - der Mann ist geboren für die Rolle des charming supervillain, sprüht vor Spielfreude und spielt locker den gesamten Cast an die Wand.
Noch wichtiger: Die Serie hat jetzt Fokus, entledigt sich ihrer B-Movie-Wurzeln, ihres Detektivgedönses sowie des Unterschichtendramas und präsentiert sich als politische Parabel. Auch gelingt es, die Figuren gut darin zu platzieren und gleichzeitig den Cast nochmal zu erweitern. Ruth, Roche, Boki, usw. - werden alle zu interessanten Charakteren geformt.
Technisch ein Quantensprung. Klar ist das immer noch TV-Niveau, aber die Effekte können sich echt sehen lassen und viele der Landschaften sind wunderschön anzusehen.
Nur mit den letzten zwei Folgen war ich nicht ganz so happy. Da passt das Pacing nicht mehr und die Serie fällt ein wenig zu sehr in ihre Trash-Vergangenheit zurück. Und Daveed Diggs ist leider auch in S2 kein besserer Schauspieler geworden.
7.5 / 10
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von redlock
#1555289
The Outpost -- Staffel 3 (The CW)

Einerseits sind einige der Entwicklungen und Wendungen der Handlung leicht voraus zusehen. Andererseits, gab es auch Sachen, die mich sehr überrascht haben.
Unterm Strich hat mich die dritte Staffel dieses Fantasy Dramas, gedreht in Serbien, mit (überwiegend) britischen Hauptdarstellern und vielen serbischen Darstellern in Nebenrollen, solide unterhalten. Langeweile kam bei den dreizehn Folgen der Staffel nicht auf, und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht.
Der Haupthandlungsbogen der Staffel wird abgeschlossen. Allerdings wird ganz am Ende der Staffel die Tür zur Handlung für Staffel 4 (bestellt) weit geöffnet.


Für S3: 6/10


Resident Alien -- Staffel 1 (Syfy)

War eine von zwei Serien(-staffeln), die ich in den letzten drei Monaten im Wochenrhythmus gesehen habe. (Bei ''The Outpost'' hab ich die 13 Folgen von S3 innerhalb von 12 Tagen kürzlich gesehen).

''Resident Alien'' ist eine ziemlich wilde Mischung aus Sci-fi, Krimi, (Familien-)Drama und Comedy. In den ersten paar Folgen der Staffel kam es mir vor wie eine ''dunkle Version'' von ''3rd Rock from the Sun.''
Insgesamt haben die unterschiedlichen Teile der Serie für mich wirklich gut miteinander funktioniert. Das gilt auch für den Multi-kulti Cast -- sieht man mal vom schwarzen Sheriff ab.
Die Staffel hat mich sehr gut unterhalten, vor allem die erste Hälfte. Natürlich ist klar, dass die Mission des Aliens nicht klappen wird. Man fragt sich nur, was und wie es schief gehen wird.
Der Mordfall wird übrigens am Ende der Staffel aufgeklärt -- hatte ich überhaupt nicht erwartet. Und, wie jede Folge der ersten Staffel, endet auch das Staffelfinale mit einem Cliffhanger. Die Cliffhanger werden übrigens, in guter alter TV Tradition, zu Beginn der darauf folgenden Episode schnell abgeräumt.
Bin auf S2 recht gespannt.


Für S1: 7,5/10
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von Wolfsgesicht
#1555321
The Queens Gambit (Netflix)

Sehe mich da auch eher bei Str1keteam. Es wird vor allem Anya Taylor-Joy gehuldigt, für mich war aber am Ende eher die Inszenierung des Ganzen entscheidend.
Ich fand die Geschichte extrem bedacht komponiert, mit einem fantastischen Mittelweg aus Genie und Niederlage.
Am Ende saß ich nur da und ich hatte nicht das Gefühl, dass mir auch nur ein Aspekt der Geschichte fehlte, missgefiel oder zu kurz kam. Die Gesamtkomposition hat einfach gestimmt.

9/10
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von LittleQ
#1555400
Die Schlange (Netflix)

Die Mini-Serie erzählt die Geschichte von Charles Sobhraj, der sich in den 70ern jahrelang durch Thailand mordete, bis ihm ein niederländischer Diplomat auf die Schliche kommt.
Fängt sehr spannend an und hält diese Spannung auch über weite Teile der 8 Folgen. Gegen Ende wird es ein bisschen mau, aber für solche Serien bin ich gerne bei Netflix.

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