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von AlphaOrange
#1488999
Nachdem ich mich im Quoten-Thread so vehement auf den Standpunkt "Binge tötet die Diskussionskultur" gestellt habe, gehe ich mit gutem Beispiel voran und diskutiere hier fortan mit mir selbst - alle anderen sind aber herzlich eingeladen mitzumachen. Wenn ich mal Bock habe, klaue ich uns auch noch ein schönes Titelbild - Seite 1 bleibt ja erfahrungsgemäß noch eine Weile aktuell :D

1x01 - The Original

Ich reihe mich in der Bewertung des Piloten irgendwo zwischen der 9.5/10-"The Next Big TV Sensation"-Gruppe und der 5/10-"Meh! Gabs alles schon mal und das Genre ist eh tot"-Fraktion ein.

Auf den ersten Blick ist Westworld episch und hervorragend gemacht. Die Darsteller überzeugen (wobei etwas seltsam auffällt, mit wie wenig Screentime und Relevanz Hopkins abgespeist wurde), Sets und Szenerie sind klasse, die Effekte treffen genau das richtige Maß, um zu beeindrucken ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Gut, einige der Charaktere sind eher flach gezeichnet, ironischerweise sogar mehr die Menschen als die Androiden, bei denen das völlig in Ordnung ist. Inhaltlich schneidet der "The Original" viele interessante Themen und Storyelemente an, die richtig verknüpft noch zu etwas richtig Großem werden können.

Was im Großen sehr gut funktioniert offenbart für mich in der Umsetzung die ein oder andere Schwäche, nämlich in der Darstellung des Parks und der Logik hinter den Androiden.

Das größte Problem habe ich mit Westworld selbst. Dafür, dass das ein (eigfentlich auch familientauglicher) Freizeitpark sein soll, in dem Besucher in eine alte Westernstadt eintauchen, zeigt man dies viel zu wenig. Stattdessen drängt sich der Eindruck auf, dass Westworld quasi gar keine Besucher hat, da Androiden hauptsächlich mit Androiden agieren - wenn sie nicht gerade vergewaltigt werden. Der Blick auf den Park-Alltag fehlt völlig, was bei dem Ziel eines epischen World-Buildings nicht sehr hilfreich ist.

Ich finde das Konzept des Parks hochinteressant: Androiden, die nach einer übergreifenden Storyline handeln, zu der sie nach Abweichungen durch äußere Eingriffe auch wieder zurückkehren. Das hat was von konvergierenden Zeitlinien, wie sie in diversen Zeitreise-Serien/-Filmen/-Episoden vorkamen (weil es für die Autoren eine besonders bequeme Lösung ist). Und ich hoffe, dass man deutlich tiefer einsteigt in die Frage wieso uns Erinnerung so handeln lässt wie wir es tun, da genau das ja der Unterschied sein soll, den Androiden nun nach dem Update haben. In dem Zusammenhang kapiere ich auch die letzte Szene nicht so richtig. Ich habe zugegeben lange gebraucht, um zu verstehen, dass die Androiden vorher nie nach Fliegen geschlagen haben, weil sie auf "nicht töten" programmiert sind (war lange advon ausgegangen, dass die einfach so programmiert sind, dass sie sich darum nicht scheren oder dass sie eine Fliege auf dem Gesicht eh nicht wahrnehmen). Aber wieso gerade das nun außer Kraft gesetzt wurde bei Dolores ist mir noch schleierhaft. Hätte eher erwartet, dass es in Richtung Vorahnungen beim Kontakt mit Menschen geht. Bei Fliegen dürfte es kaum Erinnerungen geben, die Schutzdirektiven überschreiben.

Wie funktioniert diese Direktive überhaupt, dass sie keinen Menschen töten/verletzen dürfen? Immerhin wird auf den Man in Black geschossen in dem Glauben, dass ihn die Fake-Waffe töten wird (gehe mal davon aus, dass da auf dem Gelände nirgends echte Waffen sind, sondern dass das Computersystem dahinter die Verletzungen simuliert). Hätte er dann nicht statt auf ihn zu schießen ihn nicht einfach vermöbeln können? Wäre nett, wenn man noch einen etwas tieferen Einblick in die "ethische Programmierung" erhält. Schießen okay, schlagen nicht? Und was passiert, wenn jemand den Androiden tatsächlich echte Waffen in die Hand drückt? Kann mir vorstellen, dass sich das irgendwann mal als Knackpunkt erweisen wird.

Auf die nächsten Wochen bin ich gespannt, alleine schon um zu sehen, ob man nun wirklich der Reihe nach Western-Klischees abfrühstückt und wenn nicht, wie sich die Westernwelt dann in die Story integriert.

Frage, die ich schon im anderen Thread stellte: Ist denn irgendwann in der Serie (oder in Interviews) gesagt worden, dass Westworld nur der Westernteil des Parks ist und es noch andere gibt? Der Pilot spricht nämlich eine deutlich andere Sprache, inklusive Vogelperspektive, Geländesimulator, dem Western-Umland, in dem sich Handlung abspielt und der Tatsache, dass nicht mit einer einzigen Silbe darauf eingegangen wird. Nur auf Basis des Piloten würde ich derzeit eindeutig sagen, dass da nur eine Westernstadt ist und sonst nichts - und dramaturgisch braucht es auch nicht mehr.
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von redlock
#1489003
AlphaOrange hat geschrieben: Frage, die ich schon im anderen Thread stellte: Ist denn irgendwann in der Serie (oder in Interviews) gesagt worden, dass Westworld nur der Westernteil des Parks ist und es noch andere gibt? Der Pilot spricht nämlich eine deutlich andere Sprache, inklusive Vogelperspektive, Geländesimulator, dem Western-Umland, in dem sich Handlung abspielt und der Tatsache, dass nicht mit einer einzigen Silbe darauf eingegangen wird. Nur auf Basis des Piloten würde ich derzeit eindeutig sagen, dass da nur eine Westernstadt ist und sonst nichts - und dramaturgisch braucht es auch nicht mehr.
Ich hab länger überlegt um sicher zu sein (und ohne den Piloten nochmal zu gucken). IIRC, es gibt nur den Westernteil des Parks.
von logan99
#1489012
Ich gehe davon aus, dass der Park größer ist, als lediglich Westworld. Nur weil das im Piloten nicht eindeutig so dargestellt wurde, spricht ja nichts dagegen - der Fokus war ja auch gar nicht großartig auf den Park selbst bzw. deren Besucher gerichtet, von daher muss der Zuschauer auch noch nicht viel weiteres über die Dimensionen des Parks erfahren. Dass nur Westworld existiert, wurde aber nicht gesagt.
von Jan_Itor
#1489013
AlphaOrange hat geschrieben: Frage, die ich schon im anderen Thread stellte: Ist denn irgendwann in der Serie (oder in Interviews) gesagt worden, dass Westworld nur der Westernteil des Parks ist und es noch andere gibt? Der Pilot spricht nämlich eine deutlich andere Sprache, inklusive Vogelperspektive, Geländesimulator, dem Western-Umland, in dem sich Handlung abspielt und der Tatsache, dass nicht mit einer einzigen Silbe darauf eingegangen wird. Nur auf Basis des Piloten würde ich derzeit eindeutig sagen, dass da nur eine Westernstadt ist und sonst nichts - und dramaturgisch braucht es auch nicht mehr.
Nein, in Saison 1 wird es nur Westworld geben.

Was die Besucherzahlen angeht, so habe ich gelesen, dass ein Tag Westworld 40000$ kosten soll, und maximal 1400 Besucher gleichzeitig den Park besuchen können. Für das Geld sollte man seine eigene Storyline erwarten dürfen. Daher gehe ich von weitestgehender Zerstreuung aus. Der Überfall auf die Stadt war ja auch ein besonderes Szenario, um die eingeschränkte Funktionalität wegen der großangelegten Wartungsaktion zu kaschieren.

Ansonsten bin ich nach wie vor im Reinen mit dem Western-Szenario, einfach weil es nicht wirklich darum geht einen Western zu erzählen. Die Science Fiction rund um die KI, und das Park-Management, dominieren die Show. Die Androiden werden sich ja auch aus anderen Szenarien bedienen, was ihre Persönlichkeiten angeht, und nicht nur ein Western-Klischee nach dem anderen liefern. Deshalb bin ich optimistisch, dass es unterhaltsam bleibt. Allerdings hoffe ich, dass es nicht ins mystisch-esoterische abdriftet. Damit kann ich dann nichts mehr anfangen.
von Jan_Itor
#1489377
Folge 2 von Westworld ist, ebenso wie der Pilot, wieder absolut phantastisch. Die Serie schafft es wirklich mich in seinen Bann zu ziehen. Inhaltlich werde ich mal noch nichts dazu sagen, denn viele rechnen wahrscheinlich erst am Sonntag/Montag mit der nächsten Folge. Daher besteht zu große Spoiler-Gefahr.

Der Soundtrack ist auf jeden Fall wieder eine Klasse für sich.

Und am Ende hat Anthony Hopkins eine sehr starke Szene, bei der man meinen könnte, sie wäre auf die Western-Szenario-Kritiker in diesem Forum gemünzt. :mrgreen:
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von redlock
#1489407
Kann mich meinem Vorposter leider überhaupt nicht anschließen. Fand Folge 102 noch lahmer als die Pilotfolge. Ich denke, Westworld und redlock, das wird keine einfache Beziehung. Ich rechne fast mit hate-watching bis Folge 110.

Sicher, das sah wieder gut aus. Es gab sogar ein paar Erklärungen: der Park besteht nur aus der Western Welt; warum die Androiden miteinander reden. Über die ''Qualität'' oder Plausibilität der Erklärungen will ich gar nicht genauer nachdenken.
Alle Szenen mit Jimmi Simpson hätten, mMn, in die Pilotfolge gehört -- oder sie hätten einen anständigen ''Pilotfilm'' machen sollen, wo das dann reingepasst hätte.

Dieser ''big bad corporation'' Teil mit Enthüllung im Scheneckentempo (Plan für 7 Staffeln? :lol: )nervt mich jetzt schon. Das ist einfach so klischeehaft und abgedroschen.
von Medienjunkie
#1489462
Jan_Itor hat geschrieben: Und am Ende hat Anthony Hopkins eine sehr starke Szene, bei der man meinen könnte, sie wäre auf die Western-Szenario-Kritiker in diesem Forum gemünzt. :mrgreen:
Ja, genau, und er hat Recht: "It's about telling a story that the guests [= Zuschauer] want to see, not one that you [= Drhebuchautoren] want to see" o.s.ä. Das haben nur leider die Autoren dieser Serie nicht verstanden ;).

Ich fand die zweite Folge etwas besser als den Piloten, aber gut war das immer noch lange nicht. Von den 5 bis 6 Handlungssträngen waren maximal 3 halbwegs interessant. Der mit den beiden Besuchern hätte in den Piloten gehört, klassische Einführung in eine neue Serienwelt. Die mit Rachel Wood und Thandie Newton waren ganz interessant. Der ganze Strang mit Harris reihte wieder nur Westernklischees aneinander und war stinklangweilig, nahm aber am meisten Screentime ein bzw. weg. Wer von den Mitarbeitern mit wem ins Bett steigt, interessiert mich nicht die Bohne, auch wenn Frau Knudsen eine sehr attraktive Frau ist. Hopkins hat weiterhin nichts zu tun außer mit dem gleichen Geischtsausdruck bedeutungsschwanger an der Kamera vorbeizugucken, den er seit "Was vom Tage übrig bleibt" in Dutzenden von gediegenen Arthouse-Filmen geübt hat.

Sorry, aber das ist auf Hochglanz polierte Langeweile, bei der die im Kern interessanten Ansätze zu Gunsten einer teuer inszenierten, aber inhaltlich generischen Action-Handlung vernachlässigt werden. Ich bin jetzt erst mal raus und gucke mir lieber noch mal einen schönen Klassiker von Corbucci, Leone oder Peckinpah an. Die wussten nämlich, wie man Western so inszeniert, dass es nicht nur gut aussieht, sondern auch innovativ ist. Außerdem hatten sie was zu erzählen.
von Sergej
#1489497
Ach immer dieser Hate-Watching Quatsch, entweder ich gucke etwas weil ich es gut finde oder lasse es weg. Die Zeit bei den vielen Serien hat doch keiner auch noch etwas zu gucken was er garnicht mag oder nicht wirklich. Ich fand Folge 1 ganz nett, bin aber noch nicht zur 2 Folge gekommen. Killjoys habe ich nach 5 Folgen auch aufgegeben, aber vielleicht gucke ich da mal weiter, soll ja angeblich noch gut werden :roll: .
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von LittleQ
#1489503
Ich fand die Folge jetzt nicht unbedingt umwerfend, aber auch nicht ganz schlecht. Allerdings habe ich, abgesehen von einer Ausnahme, bisher noch keine Figuren, die mich wirklich reizen. Die Tatsache, dass man jetzt allerdings auch außerhalb es Parkes mehr zu sehen bekommt, empfand ich eher als positiv.
von Jan_Itor
#1489506
Medienjunkie hat geschrieben: Ja, genau, und er hat Recht: "It's about telling a story that the guests [= Zuschauer] want to see, not one that you [= Drhebuchautoren] want to see" o.s.ä. Das haben nur leider die Autoren dieser Serie nicht verstanden ;).
Hehe, damit ignorierst du natürlich den Gesamtkontex der Rede. :twisted:


Ich meinte dann doch eher folgendes:
versteckter Inhalt:
"The guests don't return for the obvious things we do. The garish things. They come back because of the subtleties, the details. They come back because they discover something they imagine no one has noticed before."

Zumindest auf mich als Zuschauer triff das voll und ganz zu. Wobei ich natürlich nicht erwarte, dass mir etwas als Einzigem auffällt. Sondern, dass bestimmte Dinge den aufmerksamen Zuschauer zusätzlich belohnen. Das startet bei Kleinigkeiten, wie dem einsetzenden Bahnschweller-Geräusch, bei der Einfahrt des Zuges auf das Westworld Gebiet.
Wesentlich bedeutsamer sind aber doch die Nuancen, mit welchen die Charaktere dargestellt werden. Die Art und Weise, wie Freudendame Maeve auf Veränderungen ihrer Persönlichkeits-Programmierung gegenüber den Gästen agiert ist da ein vergleichsweise einfaches Beispiel, weil es Teil der Geschichte ist. Trotzdem wird es Leute geben, die das komplett übersehen, weil sie einfache Unterhaltung wollen. Und solche Dinge entdecken zu können, ohne von den Autoren an die Hand genommen zu werden, hebt eine Serie für mich auf ein anderes Level.
von logan99
#1489567
Medienjunkie hat geschrieben:Ich bin jetzt erst mal raus und gucke mir lieber noch mal einen schönen Klassiker von Corbucci, Leone oder Peckinpah an. Die wussten nämlich, wie man Western so inszeniert, dass es nicht nur gut aussieht, sondern auch innovativ ist. Außerdem hatten sie was zu erzählen.
Wenn du auch nach 2 Folgen noch nicht verstanden hast, dass Westworld kein Western ist (und auch gar nicht sein möchte), dann bist du wohl wirklich falsch bei der Serie. Nur ist es etwas befremdlich, dass du gegenüber den Autoren Vorwürfe schnürst, wenn eigentlich deine Erwartung an die Serie dich fehlgeleitet hat und du deswegen nicht das bekommen hast, was du wolltest. Das zeigt sich ja ganz besonders darin, wie du die Handlung rund um den Mann in Schwarz betrachtest "Western-Klischees", dabei ist die Western-Umgebung eben nur der Rahmen seiner Story, die sich um etwas ganz anderes dreht und durchaus spannend ist.
von Medienjunkie
#1489619
logan99 hat geschrieben:
Medienjunkie hat geschrieben:Ich bin jetzt erst mal raus und gucke mir lieber noch mal einen schönen Klassiker von Corbucci, Leone oder Peckinpah an. Die wussten nämlich, wie man Western so inszeniert, dass es nicht nur gut aussieht, sondern auch innovativ ist. Außerdem hatten sie was zu erzählen.
Wenn du auch nach 2 Folgen noch nicht verstanden hast, dass Westworld kein Western ist (und auch gar nicht sein möchte), dann bist du wohl wirklich falsch bei der Serie. Nur ist es etwas befremdlich, dass du gegenüber den Autoren Vorwürfe schnürst, wenn eigentlich deine Erwartung an die Serie dich fehlgeleitet hat und du deswegen nicht das bekommen hast, was du wolltest. Das zeigt sich ja ganz besonders darin, wie du die Handlung rund um den Mann in Schwarz betrachtest "Western-Klischees", dabei ist die Western-Umgebung eben nur der Rahmen seiner Story, die sich um etwas ganz anderes dreht und durchaus spannend ist.
Natürlich habe ich keine reine Westernserie erwartet, sondern eine Science-Fiction-Serie mit starken Westernelementen. Dann klär mich doch mal auf, um was sich die Story um Ed Harris deiner Meinung nach drehen soll, außer um ein Arschloch, das Spaß daran hat, menschenähnliche Androiden zu quälen, zu vergewaltigen und abzuknallen.
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von redlock
#1489640
Medienjunkie hat geschrieben: Dann klär mich doch mal auf, um was sich die Story um Ed Harris deiner Meinung nach drehen soll, außer um ein Arschloch, das Spaß daran hat, menschenähnliche Androiden zu quälen, zu vergewaltigen und abzuknallen.
Neben den schon erwähnten Sachen, sucht Ed den nächsten Level des Spiels/des Parks...dahin, wo noch kein Mensch vorgedrungen ist :lol: :wink:
von Jan_Itor
#1489663
redlock hat geschrieben:
Medienjunkie hat geschrieben: Dann klär mich doch mal auf, um was sich die Story um Ed Harris deiner Meinung nach drehen soll, außer um ein Arschloch, das Spaß daran hat, menschenähnliche Androiden zu quälen, zu vergewaltigen und abzuknallen.
Neben den schon erwähnten Sachen, sucht Ed den nächsten Level des Spiels/des Parks...dahin, wo noch kein Mensch vorgedrungen ist :lol: :wink:
Klingt zwar dämlich, aber so kommt es bisher herüber. Grand Theft Westworld. Finde alle 100 Labyrinth-Tattoos, um den Titel "Größter Popanz des Wilden Westens" freizuschalten.
Und für jedes Tattoo muss man einen Handlungsstrang auf eine bestimmte Art und Weise durchspielen, was zusätzlich mit einem "Achievement unlocked" jingle belohnt wird. :mrgreen:

Über das tatsächliche Motiv gab es meines Erachtens nach bisher aber keinerlei brauchbare Hinweise.
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von redlock
#1489713
In einem anderen Forum hab ich eine sehr interessante Theorie gelesen.

Der Teil um Ed Harris und der Teil um Jimmi Simpson finden nicht zur gleichen Zeit statt -- also verschiedene Zeitlinien.
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von AlphaOrange
#1489897
AlphaOrange hat geschrieben:Und was passiert, wenn jemand den Androiden tatsächlich echte Waffen in die Hand drückt?
Ich schätze mal, das ist nun sogar schneller passiert als ich gedacht hatte. Denn Dolores dürfte dort eine echte Knarre ausgegraben haben - vermutlich von der gleichen Person, die auch das Bild platziert hatte. Wäre das so ein Park-Fake, müsste man es nicht vergraben, davon hat dort eh jeder ein halbes Dutzend im Schrank. Gut dass die Entwicklung von Dolores vergleichsweise subtil von statten geht - in der Hand von Madam Maeve oder einem anderen schwer verwirrten Host stünde ein Blutbad kurz bevor.

Ich finds interessant wie das "Reparieren" der Hosts eine Entwicklung der wahren Welt wiederspiegelt. Man dreht ein wenig an den Parametern der Hosts, um das Fehlverhalten auszumerzen, aber wirklich verstehen, was dort schief läuft scheint keiner. So ist das eben mit KI und selbstlernenden Systemen: es ist kaum noch möglich, zu verstehen, warum die Maschine tut, was sie tut. Damit ist Westworld ganz, ganz eng am Puls der Zeit und viel aktueller als viele andere "Roboter laufen Amok"-Umsetzungen (ein frühes Urteil - sie können es natürlich noch grandios versemmeln).

Zwei Dinge, die mir deutlich besser gefallen haben als im Piloten: Man hat eine Einführung in den Park gegeben - aus Sicht eines neuen Gastes, inklusive Feinheiten wie den kleinen Quests, die den Gästen dort angeboten werden. Das war es, was im Piloten gefühlt gefehlt hatte, aber ihn auch wesentlich konventioneller hätte ausfallen lassen (und den schönen Twist in der ersten Sequenz nicht ermöglicht hätte). Hier kams noch früh genug. Dass die Gäste allerdings bereits vor dem Einstieg in den Zug von einem Host verführt werden, fand ich deplatziert und sinnlos.
Außerdem gefiel mit Anthony Hopkins hier viel, viel besser. Wirkte er im Piloten noch wie der alte Schöpfer, den man nicht mehr braucht und der daher bedeutungslos im Keller mit seinen Frühwerken herumgammelt, so hat er hier einerseits einen schönen Kontrapunkt zum pervertierten Kill&Fuck-Schema gesetzt, zu dem der Park verkommen ist, aber es in seinen Augen wohl nie hätte werden sollen, und andererseits sehr viel Autorität gezeigt in seinem Standoff gegen Sizemore. Da hat man gesehen, dass sein Wort sehr wohl noch ein gewaltiges Gewicht hat und jemand wie Sizemore, der sich sonst nicht um irgendwen anders schert, ziemlich klein beigibt.
redlock hat geschrieben:
Medienjunkie hat geschrieben:Dann klär mich doch mal auf, um was sich die Story um Ed Harris deiner Meinung nach drehen soll, außer um ein Arschloch, das Spaß daran hat, menschenähnliche Androiden zu quälen, zu vergewaltigen und abzuknallen.
Neben den schon erwähnten Sachen, sucht Ed den nächsten Level des Spiels/des Parks...dahin, wo noch kein Mensch vorgedrungen ist :lol: :wink:
Wobei mir dieser Teil noch sehr, sehr rätselhaft erscheint und nicht so richtig ins Gefüge passen will. Warum sollte jemand ein kryptisches Rätsel in den Park einbauen, für dessen Lösung man sich rabiat durch die Gegend metzeln und potentiell das ganze Storygefüge stören muss?! Und wieso braucht der 30 Jahre dafür?
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von redlock
#1490324
Folge 103:

War besser als die zu vor, bin aber weiterhin äußerst zwiegespalten. Alles um Dolores ist gut. Einen großen Anteil daran hat Woods (die vor Urzeiten schon verdammt stark in ''Once and Again'' war. Wer eine tolles Familiendrama sehen will, sollte da mal reingucken).
Aber andere Sachen...Hmmmmm, ziemlich zäh. Dazu zählt auch der Teil um Hopkins für mich. Vermutlich hat str1ke Recht. Man sollte die Serie bingen statt wöchentlich zu gucken.
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von Holzklotz
#1490341
Also ich bin weiterhin ziemlich begeistert. Ohne das mir die Namen jetzt aber parat liegen, fällt es mir schwer weiteres zu schreiben. :mrgreen: Gerade der Teil um "backstory" hat mir jedoch phänomenal gefallen.
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von AlphaOrange
#1490468
Zur Mitte der Episode (direkt vor der Geschichte um Arnold) dachte ich schon, man hätte hier eine ziemlich reinrassige Westernepisode - bei der ich erstmalig verstanden hätte, wenn man sie mit tatsächlichen Western vergleicht. Aber dann kam doch noch sehr viel weiteres dazu.
Sieht so aus, als dass man Arnold und vor allem seine Hinterlassenschaften als Mysterium aufbaut. Sein "Unfall" dürfte ja wohl sehr klar "Tod durch Host" gewesen sein - und das vermutlich im Zusammenhang mit den Bewusstseins-Experimenten. Somit ein prototypischer Vorfall zu dem, was noch kommen wird. Bei dem Verirrten, der Hughes angreifen wollte hat die Sicherung ja immerhin noch eindrucksvoll funktioniert. Die zeitliche Abfolge war etwas seltsam - Hughes und Stubbs sind doch nicht zwei Tage auf der Suche nach dem Stray durch die Wüste geirrt?!
Dolores' Story finde ich interessant, weil es immer schwer zu durchschauen ist, was nun gerade Teil ihrer flexiblen Storyline ist und was Fehlfunktion. Beispiel: Zunächst schien eindeutig, dass der Schuss in der Scheune, durch ihre Erinnerungen ausgelöst und somit abweichend ist. Aber im nächsten Moment erinnert sie sich an ihren eigenen Tod und ändert im exakt selben Szenario ihr Verhalten. Demnach muss ihre Flucht aus der Scheune doch Standard sein. Apropos Scheune: Ich glaub ja nicht mehr, dass der Man in Black Dolores im Piloten vergewaltigt hat. Wie schon jemand schrieb (glaube Ricky wars): es wäre schwierig, so jemanden als Protagonisten zu rehabilitieren. Aber er scheint ja eher jemand zu sein, der einer verborgenen Spur folgt und der in den Hosts längst nur noch Maschinen sieht, die ihm scheißegal sind. Die killt er in Serie, aber nicht aus reinem Vergnügen. Da passt auch eine Vergewaltigung nicht ins Bild (auch wenn sie in der Storyline ja durchaus vorgesehen scheint wie in dieser Folge herauskam).
von Jan_Itor
#1490571
Auch Folge 3 hat mich begeistert. Ich glaube das letzte mal, dass ich so bei einer Serie dabei war, war Breaking Bad. Und dabei hatten wir in der Zwischenzeit ja auch einige gute Jahre mit Game of Thrones.

Das Western-Theme ist nach wie vor einzig und allein der Bilderrahmen für die tatsächliche Handlung. Wunderschön in Szene gesetzt, aber die Charakterdarstellung bleibt im Zentrum. Wobei man hier trotzdem den Schauspielern allgemein ein Lob aussprechen kann, denn die Unterscheidung zwischen Host und Besucher wird meiner Meinung nach hervorragend dargestellt.

Langsam kristallisiert sich heraus, wie die Hosts programmiert werden. Und das finde ich besonders faszinierend. Denn ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass sich die Macher der Show sehr stark and der menschlichen Persönlichkeitsentwicklung orientiert haben. Die Designer und Programmierer arbeiten mit Basiserlebnissen (Cornerstones) die sie hochladen könne. Aber auch mit Stimuli, deren Verarbeitung sie der KI überlassen. Im grunde genommen ist es ein Trial-and-Error Ansatz. Und wenn dort etwas schief geht, dann unterdrücken sie es. Aber wie beim Menschen, der vieles erlebt und dann vergisst, bleibt ein Teil dann doch irgendwo in der Persönlichkeit verhaftet, und kommt irgendwann an die Oberfläche. Und dort gibt es dann einen Spielraum, in dem die Kontrolldirektiven versagen können.

Hoffentlich bleibt's so gut.
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von Nerdus
#1490990
Irgendwie … also irgendwie kapier ich’s nicht :lol:

Mir ist nach vier Episoden noch nicht klar, wie der Park eigentlich funktioniert/funktionieren soll. Offenbar ist der Park ja echt, die Hosts quasi bessere Animatronic, die dann regelmäßig wieder zurückgesetzt/ausgetauscht werden. Und der Rest an Zerstörung und Hinterlassenschaften der Besucher wird dann auch immer wieder repariert, beseitigt, ersetzt …?

Was ja noch Sinn macht, wenn man nur die kleine Westernstadt im Zentrum einbezieht, aber wenn man dann Leute losschicken muss, die ewig unterwegs sind, um feststeckende Hosts in der Pampa einzusammeln … wie viel Zeit braucht es denn bitte, um den gesamten Park zurückzusetzen? Und was machen die Gäste in der Zwischenzeit und wieso bekommen die davon nichts mit? Gefühlt wird ja mehr Zeit damit verbracht, die Hosts wieder auf Kurs zu bringen, als sie tatsächlich im Einsatz zu haben.

Also so richtig erschließt sich mir noch nicht, welches Bild man da eigentlich vermitteln will. Vielleicht hab ich auch nur die Erklärung verpennt, keine Ahnung.

Den starken Fokus auf Sex und Gewalt mit allem, was so kreucht und fleucht, finde ich auch ein bisschen schade. Obwohl’s wahrscheinlich realistisch ist :lol:
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von RickyFitts
#1491003
Jetzt habe ich nach dem Pilot doch noch die nächsten drei Folgen weitergeschaut und bin wieder etwas ratlos über die Serie.
Mit Episode 2 haben sie viel Boden bei mir gut gemacht, weil die schon mit einem eleganten Einstieg viel von dem abgearbeitet hat, worin ich im Pilot noch Probleme gesehen habe. Das neu angereiste Brüderpaar (oder waren sie nur best buddies?) war interessant, weil da ein Neueinsteiger, der sich noch mit intakter Empathie auf die Immersion des Erlebnisses einlässt, in Kontrast gesetzt wird zum Westworld-Kenner, der die Hosts nicht mehr als menschlich wahrnimmt und sich damit über gerechtfertigt findet, auf alle Moral zu pfeifen und sich in seiner Entgrenzung auszutoben. Wie der Frischling da immer wieder mit der Versuchung dieses Pfades konfrontiert wird, war gut gemacht und hat dem Park eine gute kontroverse Perspektive gegeben.
Folgen 3 und 4 fand ich dagegen leider wieder ziemlich uninteressant bis langweilig. Bei den Hosts hat man nur dünne Klischeefiguren, die nach ihren stereotypen Scripts agieren. In den Momenten, wo sie aus der Rolle fallen, ist dadurch aber nicht genug Basis vorhanden, um in mir irgendwelche Gefühle für sie zu regen. Soll ich jetzt Mitleid mit ihnen haben? Dafür werden sie rundherum irgendwie noch als zu wenig wirklich menschlich dargestellt und bleiben mir als überwiegend ihrer Rolle folgende Automaten zu kalt.
Erzählerisch werden Western-Standardkonstellationen durchdekliniert, wo die Gäste (oder Fehlfunktionen) für Abweichungen bis Chaos sorgen. Aber so richtig pointiert werden die Situationen auch nicht verkehrt, um auf elegante Art eine bestimmte Wirkung zu erzeugen. Das bleibt bei einem flachen: Gäste können hier ganz schön abgefuckt agieren. Schaut nur wie krass sie sind. Alles ziemlich vordergründig. Optisch bleibt es für mich beim Westernproblem. Tausend mal ähnlich gesehene Settings, keine irgendwie neuen visuelle Akzente oder auch nur raffinierte Kameraarbeit und in Folge vom Gesamtlook her generisch und fade.

Da gibt es vielleicht 2-3 interessante Szenen pro Folge und der Rest dümpelt vor sich hin, während auch ich immer noch tausend Fragezeichen habe, wie das Park-Konzept in sich überhaupt stimmig funktionieren soll. Wenn ein Host-Körper so zerstört wird, dass er ersetzt werden muss, bekommt er dann sein Persönlichkeits-OS neu aufgespielt? Liegt das überhaupt lokal im alten Host oder auf einem Server? Wie soll da bei Zurücksetzung auf Werkzustand irgendetwas übrig bleiben? Wird der ganze Park wöchentlich ein Mal resettet? Steigen gestern getötete Figuren heute wieder neu ein, während andere Handlungsstränge immer noch weiterlaufen? Schadet das nicht der Kontinuität unter den Hosts? Wie ist das irgendwie ökonomisch einen ganzen Haufen Hosts weit draußen in der Wildnis auf ihren Einsatz warten zu lassen, wo der Startpunkt für den Handlungsstrang extrem schwer zu finden ist? Ist der Park da nicht eigentlich auf Zugänglichkeit getrimmt statt auf immens teure Easter Eggs, die meist niemand finden wird?
Elendig viele Fragen, die je nach Beantwortung die Integrität dieser Welt festigen oder ganz kippen können. Aber da müssten die Autoren doch selbst drauf kommen, dass es wichtig ist, sie zügig zumindest grob umrissen zu beantworten. Solange das Regelwerk der Welt nicht greifbar ist, bleibt es für den Zuschauer schwer Ereignisse als innerhalb oder außerhalb der Norm klar zu positionieren. Solange haftet vielem eine Aura der Willkürlichkeit an.
Gleichzeitig hat man in vier Folgen den Plot noch nichtmal so weit ausgerollt, dass man mich mit starken Storyfragen am Haken hätte. So reicht mein Interesse einfach nicht aus, um die anderen Mängel auszugleichen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die Autoren bereits raus haben, was sie da nun genau erzählen wollen. Denn bisher wirkt es, als nutze man die Prämisse einfach, um einen Mix aus Soziopathen und braveren Menschen auf Westernromantik treffen zu lassen, wo ihre Handlungen aber noch keinerlei Konsequenzen haben. Man weiß, das wird sich ändern. Leider kann man aber auch allzu gut vorhersehen, wie sich der Pay Off dazu in etwa abspielen dürfte und das verspricht zwar Action und Rache aber nicht unbedingt Spannung oder Überraschung.

Eine gute Folge unter den ersten vier ist mir allerdings unterm Strich zu "meh" um weiterzuschauen. Mit Folge 2 hatte Westworld sich bei mir auch eine zweite Chance verdient. Schade, dass es danach nicht auf dem Niveau weiterging.
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von Nerdus
#1491005
Wenn man bedenkt, wie die Gäste mit den Hosts umgehen, würde ich ja eigentlich hoffen, dass die möglichst regelmäßig komplett ersetzt und nicht nur, äh … kurz ausgewaschen werden :lol:
RickyFitts hat geschrieben:Wenn ein Host-Körper so zerstört wird, dass er ersetzt werden muss, bekommt er dann sein Persönlichkeits-OS neu aufgespielt? Liegt das überhaupt lokal im alten Host oder auf einem Server? Wie soll da bei Zurücksetzung auf Werkzustand irgendetwas übrig bleiben?
Das wurde im Pilot ja beantwortet:
Bild

Die Hosts werden zurückgesetzt, die Erinnerungen werden gelöscht, aber nicht so richtig, und mit dem neuesten Update können die Hosts auf ihre eigentlich erlöschten Erinnerungen (die im Grunde nur die immer gleichen paar Tage umfassen und meistens nur aus sinnlosem Mord, Todschlag und Vergewaltigung bestehen dürften) zugreifen wie auf ein Unterbewusstsein … damit ihre Gestik realistischer wird. Offenbar bleibt das System also lokal auf den Hosts gespeichert, was bestimmt super praktisch ist, wenn man die alle einzeln zurücksetzen/updaten muss … sind ja nur 2000 oder so, über eine riesige unzugängliche Fläche verteilt. Da ist man ne Weile beschäftigt.
Vielleicht wäre es in dem Fall besser gewesen, man hätte auf eine Erklärung verzichtet.

Bei vielem, was mit den Hosts (Herstellung, Lagerung, Reparatur) und der Firma zu tun hat, hab ich den Eindruck, dass man gar nicht darüber nachgedacht hat, ob das, was man da zeigt (und was visuell ja auch spannend ist) überhaupt zusammenpasst und sich zu einem stimmigen Ganzen ergänzt. Die Szenen für sich genommen sind super, aber letztendlich macht der ganze Aufbau des Unternehmens und die Funktionsweise des Parks gar keinen Sinn.
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von redlock
#1491017
RickyFitts hat geschrieben:und bin wieder etwas ratlos über die Serie.
Bin ich froh zu erfahren, dass ich nicht der Einzige bin dem es so ergeht.

RickyFitts hat geschrieben: Da gibt es vielleicht 2-3 interessante Szenen pro Folge und der Rest dümpelt vor sich hin
Ja, sehe ich genauso.
Ich bin aber jetzt an einem Punkt, wo ich höchst wahrscheinlich bis zum Ende dran bleiben werde.
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von LittleQ
#1491062
Ich denke, ich bin erst mal raus aus Eastworld (jaja..der war schwach :D ).

Irgendwie fällt es mir schwer zu beschreiben, was fehlt, dass mich die Serie nicht mitnimmt. Aber es fehlt einfach. Ich sitze da, ich registriere die Szene und schwanke irgendwie zwischen Gleichgültigkeit und der Überlegung, ob das jetzt wieder ein Moment war, der die Serie so hochlobend gemacht hat. :lol:

Wenn die Staffel vorbei ist, werde ich mir mal einen ruhigen Abend nehmen und nochmal die ersten beiden Folgen anschauen, die ich eher nebenbei gesehen habe und vielleicht klickt es in meinem Köpfchen dann etwas härter.