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von Fernsehfohlen
#1536744
Coco - Lebendiger als das Leben

Unter dem Deckmantel dieses für meine Begriffe recht generisch bis überzuckert klingenden Filmtitels steckt ein zurecht oscarprämiertes Pixar-Meisterwerk, das mich nach einem etwas zu hektischen Beginn spätestens ab dem Moment ziemlich gecatcht hat, wo der kleine Miguel in die Welt der Toten abtaucht. "Coco" ist nicht nur farbenfroh und sehr herzig, sondern ein wirklich intelligenter Ansatz, Kinder an das Thema Tod heranzuführen, ohne diesen als grausiges Schreckgespenst erscheinen zu lassen und wird im Mittelteil mitunter sehr ernst und etwas düster, ohne aber seinen Charme zu verlieren. Der Film ist wie immer bei Pixar top animiert, die diversen musikalischen Einlagen haben mich zum Großteil auch überzeugen können - wenngleich meines Erachtens der Song am besten wirkt, der in der deutschen Version als einziger nicht übersetzt wurde und auf Spanisch gesungen wird.

Was die Twists innerhalb des Films angeht, hatte ich ambivalente Eindrücke. An der einen oder anderen Stelle schafft es "Coco", überraschende und interessante Wendungen einzubauen, mitunter bleibt man aber auch recht vorhersehbar. Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt inmitten einer Vielzahl von einfallsreichen, verspielten und kreativen Elementen, welche die gut anderthalb Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen lassen. Hat mir wirklich gut gefallen.

8/10

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V wie Vendetta

Diesen Actionthriller aus dem Jahr 2006 habe ich mir gestern erstmals angesehen und kann gut nachvollziehen, weshalb er insbesondere bei jungen, politisch eher linksalternativ eingestellten Menschen zu einem Kultstreifen wurde: Mit sehr großer Konsequenz rebelliert der exzentrische V (Hugo Weaving) mit Guy-Fawkes-Maske gegen das totalitäre Schreckensregime in einem dystopischen Großbritannien der Zukunft und startet damit binnen eines Jahres eine gewaltige Volksbewegung.

Sehr gut haben mir in dieser Comic-Adaption die Wechsel zwischen actiongeladenen, lauten Szenen und auf der anderen Seite sehr ruhigen, tiefgründigen Momenten gefallen, wobei die Letztgenannten mich persönlich mehr interessiert haben. V ist ein interessanter, vielschichtiger Charakter, der mir vor allem aufgrund seiner Eloquenz mehrfach ein Lächeln über das Gesicht gezaubert hat. Die an seiner Seite agierende Evey (Natalie Portman) blieb mir lange Zeit etwas zu blass, gewinnt aber in der zweiten Filmhälfte doch etwas an Charakterstärke.

Meines Erachtens ziemlich problematisch ist aus meiner Warte der durch und durch defizitorientiere Blick auf die politischen Akteure, die im Grunde durchweg als egomanische, korrupte und verlogene Unterdrücker beschrieben werden - vor allem die Figur des Großkanzlers Adam Sutler (John Hurt) habe ich als viel zu stereotypen Keif-Diktatoren empfunden, dass ich die Schlichtheit dieser Figur diesem Werk als unwürdig empfand. Insgesamt ist mir der Film auch eine Ecke zu gewaltverherrlichend geraten. Vor allem zu Beginn hatte ich außerdem Probleme, durch Story und die Vielzahl an Figuren zu blicken.

Alles in allem ist "V wie Vendetta" ein eindrucksvoller Film, den man mal gesehen haben sollte und alles andere als eine gewöhnliche Comic-Verfilmung. Mit gut 130 Minuten Laufzeit ist er vielleicht eine kleine Idee zu lang geraten, zieht sich aber nur an wenigen Stellen. Probleme habe ich mit der implizit sehr präsenten Message, dass Gewalt und Mord legitime Mittel zum Widerstand gegen politische Akteure sind. Somit sehenswert, aber auch fragwürdig - und an einigen Stellen wirklich sehr deutlich an Orwells "1984" angelehnt.

7/10


Fohlen
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