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von Fernsehfohlen
#1539486
Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don't Look Now, 1973)

Auf mich doch streckenweise arg mühselig anmutendes Horrordrama, das nach meinem Empfinden nicht sonderlich gut gealtert ist. Das Grundtempo des Films ist arg überschaubar, ja geradezu schleppend, obwohl die Laufzeit mit etwas über 100 Minuten ja noch nicht einmal sonderlich hoch angesetzt ist. Mein größtes Problem bei der Sichtung war aber der Eindruck, der Film wolle vornehmlich audiovisuelle Reize setzen und mit ungewöhnlichen Einstellungen, latent surrealistisch anmutenden Kompositionen sowie speziellen akustischen Elementen das Publikum mitreißen - und das hat bei mir vor allem visuell nur selten gezündet, was vermutlich nicht zuletzt an den knapp 50 Lenzen liegen dürfte, die diese irisch-britische Produktion bereits auf dem Buckel hat. Einige Szenen haben mich zwar auch sehr beeindruckt und das düster-heruntergekommene Erscheinungsbild Venedigs hat etwas sehr Atmosphärisches, aber viele, viele Effekte muten aus heutiger Perspektive eher angestaubt, mitunter geradezu laienhaft an.

Und das ist ein Problem in einem Film, dessen Story relativ gewöhnlich ist und der sich eher aufgrund seiner künstlerischen Elemente einen gewissen Kultstatus unter Filmfreunden aufgebaut hat. Trotzdem sollten sich eben jene dennoch diesen Streifen mit Julie Christie und Donald Sutherland ansehen, denn vor allem für das Horrorgenre hat er einen sehr eigenen, auch heute noch markanten Stil - und vielleicht missverstehe ich die Kunst hier ja auch ein Stück weit.

Wer hingegen durchgehende Spannung und Nervenkitzel erwartet, bei Kunst in erster Linie an Langeweile und "Hurz!" denkt oder einfach nur leicht bekömmliche Unterhaltung haben möchte, ist bei diesem skurrilen Kritiker-Klassiker definitiv an der falschen Adresse.

6/10


Fohlen
von TorianKel77
#1539503
Eine Weile her, dass ich ihn gesehen hab, aber es ging mir damals weitestgehend ähnlich. Dennoch blieb manches bei mir doch im Gedächtnis ziemlich hängen, insbesondere die Figur im roten Regenmantel.
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von Fernsehfohlen
#1539525
TorianKel77 hat geschrieben: Do 2. Jan 2020, 20:52 Eine Weile her, dass ich ihn gesehen hab, aber es ging mir damals weitestgehend ähnlich. Dennoch blieb manches bei mir doch im Gedächtnis ziemlich hängen, insbesondere die Figur im roten Regenmantel.
Ich musste da ja total an "Es" denken. :')
Vielleicht auch so eines der vielen Probleme, wenn man den Film erst fünf Dekaden und tausend popkulturelle Verweise sowie Inspirationen später schaut. Es wirkt manches unterbewusst irgendwie "kopiert", zumindest bei mir.

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Raum (Room, 2015)

Dieses Drama habe ich mir kürzlich einfach mal bei einer Arte-Ausstrahlung aufgenommen und heute dann angeschaut. Brie Larson bekam für ihre Rolle als "Ma" den Oscar für die beste Hauptdarstellerin, mein persönlicher Star des Films ist aber fast noch eher Jacob Tremblay als der kleine Jack, dessen Leben in seinen ersten fünd Lebensjahren komplett in einem kleinen, nur an der Decke befensterten Schuppen stattfand und der glaubt, die Menschen im Fernsehen seien ebenso nur erfundene "Scheiben" wie Comic-Figuren.

Ich war sehr überrascht, dass die Handlung im titelgebenden Raum nur rund eine Stunde stattfand, da ich von einer anderen Prämisse des Films ausgegangen bin. Schon das hätte mir voll und ganz gereicht, denn dank eine sehr engen, auf Beklemmung setzenden Kameraführung und zweier toller Hauptdarsteller kommt schon hier unheimlich viel Spannung und Bindung zu den beiden Figuren auf. Mas Erklärungen von der Welt, das naive, irgendwo zwischen der kindlichen Angst und Neugier auf das große, fremde Unbekannte changierende Verhalten Jacks und seine allmählich aufkeimende Gewissheit, dass da hinter der Wand nicht nur Maus und auch nicht Fernsehen, sondern ganz viel Raum, Garten und Hängematte auf ihn wartet, ist einfach herzerwärmend. Und gar nicht auf eine verkitscht-sülzige Weise, sondern einfach auf eine sehr menschlich wirkende. Hat mich schon sehr gepackt, zumal ich auf diese räumlich und personell sehr verdichteten Kammerspiele stehe, wenn sie denn gut erzählt und gut gespielt sind. Beides ist hier ohne Frage der Fall.

Das alles habe ich dann in der zweiten Hälfte - einmal abgesehen von der tollen Schlussszene - nur noch in abgeschwächter Form fühlen können. Die Geschichte wird hier stimmig, nachvollziehbar und mal abgesehen von der überzeichneten Interview-Szene auch ohne Holzhammer weitererzählt, aber die Magie und Spannung der ersten Stunde fehlte mir hier ein Stück weit. Fand ich ein wenig schade.

Alles in allem bleibt "Raum" aber ein toller, sehr feinfühlig inszenierter Streifen, der sein Publikum ernstnimmt und viel Raum (höhö) für philosophische und sozialwissenschaftliche Diskussionen bietet, ohne sie dem Zuschauer aufzudrücken. Und Brie Larson hat immerhin "stellvertretend" den Oscar bekommen, den Jacob Tremblay verdient gehabt hätte - beide machen einen tollen Job, Letzterer aber den noch Besseren. Starker Streifen.

8/10


Fohlen
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von LittleQ
#1539550
Die Goonies

Hach, ich liebe den Film auch heute noch. Jedes Mal, wen nich ihn sehe, merke ich aber, wie alt ich schon geworden bin :') Die Erinnerung an die 90er verblassen da immer mehr und solche Kindheitsfilme kennt die junge Generation ja gar nicht. Aber schön zu sehen, dass es das auf Netflix gibt. Vielleicht schau ich ihn mir nochmal die nächsten Wochen an

8/10
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von LittleQ
#1539554
Dredd

Ich hasse mich unglaublich dafür, dass ich immer so Filme liebe, die sonst kein Schwein toll findet. Dredd ist einer davon und leider wirds wohl nie einen zweiten Teil geben, auch wenn ich finde, dass der verdient ist...Go on Judge!!!!


8,5/10
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von Fernsehfohlen
#1539562
Conjuring 2 (2016)

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die vom ersten Teil überhaupt nicht geflasht waren und sich im Kino kaum gegruselt, sondern eher amüsiert haben ob des Dämonen-Hokuspokus, der einem dort als "auf realen Begebenheiten beruhend" angeboten wurde. Was diesen Slogan anbetrifft, bin ich auch beim zweiten Teil wieder äußerst skeptisch und fühle mich da eher in die "Wahrheit" von "X-Factor: Das Unfassbare" zurückversetzt, aber ich muss ehrlich sagen: Spannend und mitreißend inszeniert fand ich dieses gut zweistündige Haunted-House-Spektakel diesmal schon.

Vor allem hat mir gut gefallen, dass der Film über weite Strecken auf die ganz billigen, schnellen Jumpscares verzichtet und ich somit tatsächlich nie wusste, wann das nächste Grauen auf mich wartete. Man lässt sich viel Zeit, die Familie einzuführen und lässt auch mal ruhigere Momente zu, anstatt Krawall auf Krawall folgen zu lassen. Das ist handwerklich schon ziemlich gut gemacht und hat mich auch mitgenommen.

Sehr mühsam ist hingegen auch hier wieder das ganze bedeutungsschwangere Zeug, das auf den perfekten Umgang mit Dämonen aus ist, herunterfallende Aufnahmebänder, die Monsieur Geisterjäger mitten in der Bahn die Augen öffnet, wie man das heisere dämonische Gekeuche nun zu hören hat, damit es einen Sinn ergibt und vollgekritzelte Bibeln, die sich Wochen später doch noch als entscheidender Schlüssel entpuppen, um Besitz von dem Bösen zu ergreifen. Keine Ahnung, vielleicht fasziniert sowas im 21. Jahrhundert ja noch jemanden und vielleicht braucht es das ja sogar, um die filmimmanente Welt für Einige stimmig zu machen, ich aber habe da nur entnervt die Augen verdreht und fühlte mich teilweise mit verstrahlten Sekten-Gurus konfrontiert. Das und das vorhersehbare, aus zu vielen perfekten Zufällen zusammengeschusterte Ende waren Elemente, weshalb ich meine eigene Abneigung dem ersten Teil gegenüber doch irgendwie noch nachempfinden konnte.

Rein handwerklich aber ziemlich gut gemacht, muss ich sagen.

7/10


Fohlen

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The Cabin in the Woods (2012)

Den Film hatte ich damals im Kino gesehen und wusste noch, dass ich ihn total schräg fand, mich damals aber nicht so recht entscheiden konnte, ob cool oder dumm schräg. Und so ganz sicher bin ich mir nach dem Re-Watch eigentlich auch noch immer nicht, habe aber eine klarere Tendenz.

Dieses seltsame irgendwas zwischen Zombie-Horror und zynischer Mediensatire beginnt wie ein typischer Klischee-Teeniehorror mit einem Quintett an Stereotypen, die in einer verlassenen Hütte im Wald Rast machen - bis sie dann unfreiwillig die Toten zum Leben erwecken. In einer Kommandozentrale ist der Jubel an dieser Stelle nur teilweise groß, immerhin hatten einige auf die Zombie-Familie als Todesdienstleister gesetzt, Andere wollten jedoch Clowns, Axt-Mädchen oder einen unterbeschäftigten Meermann mit Blutfontäne auf dem Rücken sehen. Sehr schön ist an dieser Stelle immer wieder der Kontrast zwischen den um ihr Leben kämpfenden Teenies und den überaus zynischen Leuten in der Kommando-Zentrale, die vor dem Tod gerne nochmal dicke Bitch-Brüste sehen wollen, bevor sie bedeutungsschwanger für das abgeschlachtete Blondchen beten. Genau mein Humor, wenngleich eher die misanthropische Ecke dessen bedienend.

Das letzte Filmdrittel setzt hier aber nochmal deutlich einen drauf - sowohl was den Einfallsreichtum anbetrifft, als aber auch hinsichtlich der Überzeichnung. Dazu möchte ich aber an dieser Stelle nichts schreiben, sonst wäre es der Spoiler zu viel.

In jedem Fall ist "The Cabin in the Woods" nichts für Zartbesaitete und wahrscheinlich auch nichts für Menschen, die mit schwarzem, bösen und zynischen Humor nichts anfangen können. Wer einen straighten Horrorstreifen nach alter Väter Sitte erwartet, wird ebenfalls enttäuscht werden. Und es gehört nahezu zum Konzept des Films, dass die Darsteller allesamt nun nicht gerade oscarreife, vielschichtige Charaktere spielen können. Wem es an Innovationen im Horrorgenre mangelt, es immer schon bedauert hat, dass man im Dschungelcamp alle gefährlichen Wildtiere aussortiert hat und schon immer mal ein Festival der Genre-Monster kredenzt bekommen wollte, ist hier aber genau an der richtigen Adresse. Irgendwie feiere ich es jetzt noch mehr als im ersten Anlauf.

7,5/10


Fohlen
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von Fernsehfohlen
#1539589
Joker (2019)

Die von Todd Phillips erzählte Geschichte des psychisch angeschlagenen Arthur Fleck (Joaquin Phoenix), der durch die gesellschaftlichen Umstände im Gotham City der frühen 80er-Jahre zum Massenmörder wird, hat auch mich als bekennenden Desinteressenten an diesem ganzen Comic-Marvel-Gedöns-Hype interessiert - eben weil der Film mehr nach einem "trojanischen Pferd" klang, das Arthouse-Kino und Charakterstudie in ein Gewand hüllt, das auch die breite Masse erreicht. Ein wie ich finde genialer Schachzug, der ja auch kommerziell herausragend gut funktioniert hat und gerne häufiger betrieben werden darf. Denn wenn man sich die Kino-Jahreshits der letzten Jahre einmal anschaut, sind es ja traurigerweise fast immer die längst bekannten Namen, die an der Kasse funktionieren.

Und in der Tat habe ich mich bis ganz zum Schluss überhaupt nicht daran gestört, dass hier die Geschichte eines Comic-Charakters erzählt wird, sondern habe diesen von Phoenix grandios verkörperten Fleck einfach als tragische Gestalt wahrgenommen, die einen Fußtritt nach dem anderen kassiert, bis bei ihr die Sicherungen durchknallen. Das ist über ganz weite Strecken des Films nachvollziehbar erzählt, kommt lange ohne Action-Spektakel oder allzu krasse Überzeichnungen aus und hat mich stets begeistert am Ball gehalten. Tolle Momente gibt es zu Hauf, einer meiner Lieblinge ist wohl der letzte Besuch Flecks bei der Psychiaterin, , wo er verkündet, dass er immerzu und ausschließlich negative Gedanken habe.

Was "Joker" aus meiner Sicht nicht gut getan hat, ist (neben vielleicht dem einen oder anderen negativen Zufall zu viel in zu kurzer Zeit, der auf Fleck einprasselt) das offensichtliche Bemühen, dem Charakter hintenraus dann doch noch die für Comics typische Überzeichnung zu spendieren, um die man lange zugunsten der authentischen Charakterstudie einen Bogen macht. Der Fernsehauftritt (vor allem dessen Endpunkt) wirkt schon arg drüber, die anschließenden Minuten auf der Straße konnte ich dann aber leider endgültig nicht mehr ernstnehmen. Schade, schade, dass man es hintenraus dann doch noch ein wenig vergurkt hat.

Die 80% Laufzeit zuvor sind dagegen überaus sehenswert und erzählen die Geschichte eines ohnehin am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen, der vom Raubtierkapitalismus immer weiter an den Rand gedrängt wird, anstatt ihm eine ernsthafte Chance zu geben, sich einigermaßen gen Mitte zu bewegen. Das ist klasse erzählt und krass verkörpert. Und darum weiß ich im direkten Vergleich mit dem ähnlich gelagerten "Parasite" auch gar nicht, welchen Film ich eher empfehlen sollte: "Joker" ist für mich die intensivere Charakterstudie, "Parasite" hat mehr clevere und spannende Ideen zu bieten - und beide Filme verlieren leider ganz am Ende ein wenig an Realismus und damit in meiner Gunst. Tolle Filme bekommt man aber hüben wie drüben geboten.

8,5/10


Fohlen
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von Fernsehfohlen
#1539603
Marriage Story (2019)

Diese Netflix-Produktion von Noah Baumbach stand bei einigen Kritikern derart hoch im Kurs, dass ich sie mir mal angeschaut habe. Für mich unterm Strich eine ziemlich nette tragikomische Romanze, bei der mich Scarlett Johansson und Adam Driver als irgendwie noch verliebtes und doch mitten in der Scheidungs-Schlammschlacht steckendes Paar schauspielerisch durchaus überzeugt haben. Die Story ist ebenfalls hübsch und weitgehend nachvollziehbar erzählt, die Laufzeit von über 130 Minuten weiß der Film aber nicht ohne Längen zu füllen. Und so richtig viel passiert hier dann leider auch nicht, das von bahnbrechender cineastischer Relevanz wäre.

Ein ganz gutes Sinnbild für den Spirit von "Marriage Story" ist für mich dessen Ende, das sehr gefühlvoll die Balance zwischen Kitsch und Authentizität hält und in mir ein zustimmendes Kopfnicken auslöste. Ich kann den Film nicht wirklich lieben, da er an keiner Stelle wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt, aber zugleich macht er deutlich mehr richtig als falsch und ist wirklich liebenswert gemacht. Ja, leider einfach sehr nett in meinen Augen - und sehr wahrscheinlich in ein paar Wochen schon wieder vergessen.

6,5/10


Fohlen
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