Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1539486
Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don't Look Now, 1973)

Auf mich doch streckenweise arg mühselig anmutendes Horrordrama, das nach meinem Empfinden nicht sonderlich gut gealtert ist. Das Grundtempo des Films ist arg überschaubar, ja geradezu schleppend, obwohl die Laufzeit mit etwas über 100 Minuten ja noch nicht einmal sonderlich hoch angesetzt ist. Mein größtes Problem bei der Sichtung war aber der Eindruck, der Film wolle vornehmlich audiovisuelle Reize setzen und mit ungewöhnlichen Einstellungen, latent surrealistisch anmutenden Kompositionen sowie speziellen akustischen Elementen das Publikum mitreißen - und das hat bei mir vor allem visuell nur selten gezündet, was vermutlich nicht zuletzt an den knapp 50 Lenzen liegen dürfte, die diese irisch-britische Produktion bereits auf dem Buckel hat. Einige Szenen haben mich zwar auch sehr beeindruckt und das düster-heruntergekommene Erscheinungsbild Venedigs hat etwas sehr Atmosphärisches, aber viele, viele Effekte muten aus heutiger Perspektive eher angestaubt, mitunter geradezu laienhaft an.

Und das ist ein Problem in einem Film, dessen Story relativ gewöhnlich ist und der sich eher aufgrund seiner künstlerischen Elemente einen gewissen Kultstatus unter Filmfreunden aufgebaut hat. Trotzdem sollten sich eben jene dennoch diesen Streifen mit Julie Christie und Donald Sutherland ansehen, denn vor allem für das Horrorgenre hat er einen sehr eigenen, auch heute noch markanten Stil - und vielleicht missverstehe ich die Kunst hier ja auch ein Stück weit.

Wer hingegen durchgehende Spannung und Nervenkitzel erwartet, bei Kunst in erster Linie an Langeweile und "Hurz!" denkt oder einfach nur leicht bekömmliche Unterhaltung haben möchte, ist bei diesem skurrilen Kritiker-Klassiker definitiv an der falschen Adresse.

6/10


Fohlen
von TorianKel77
#1539503
Eine Weile her, dass ich ihn gesehen hab, aber es ging mir damals weitestgehend ähnlich. Dennoch blieb manches bei mir doch im Gedächtnis ziemlich hängen, insbesondere die Figur im roten Regenmantel.
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1539525
TorianKel77 hat geschrieben: Do 2. Jan 2020, 20:52 Eine Weile her, dass ich ihn gesehen hab, aber es ging mir damals weitestgehend ähnlich. Dennoch blieb manches bei mir doch im Gedächtnis ziemlich hängen, insbesondere die Figur im roten Regenmantel.
Ich musste da ja total an "Es" denken. :')
Vielleicht auch so eines der vielen Probleme, wenn man den Film erst fünf Dekaden und tausend popkulturelle Verweise sowie Inspirationen später schaut. Es wirkt manches unterbewusst irgendwie "kopiert", zumindest bei mir.

---------------------------------

Raum (Room, 2015)

Dieses Drama habe ich mir kürzlich einfach mal bei einer Arte-Ausstrahlung aufgenommen und heute dann angeschaut. Brie Larson bekam für ihre Rolle als "Ma" den Oscar für die beste Hauptdarstellerin, mein persönlicher Star des Films ist aber fast noch eher Jacob Tremblay als der kleine Jack, dessen Leben in seinen ersten fünd Lebensjahren komplett in einem kleinen, nur an der Decke befensterten Schuppen stattfand und der glaubt, die Menschen im Fernsehen seien ebenso nur erfundene "Scheiben" wie Comic-Figuren.

Ich war sehr überrascht, dass die Handlung im titelgebenden Raum nur rund eine Stunde stattfand, da ich von einer anderen Prämisse des Films ausgegangen bin. Schon das hätte mir voll und ganz gereicht, denn dank eine sehr engen, auf Beklemmung setzenden Kameraführung und zweier toller Hauptdarsteller kommt schon hier unheimlich viel Spannung und Bindung zu den beiden Figuren auf. Mas Erklärungen von der Welt, das naive, irgendwo zwischen der kindlichen Angst und Neugier auf das große, fremde Unbekannte changierende Verhalten Jacks und seine allmählich aufkeimende Gewissheit, dass da hinter der Wand nicht nur Maus und auch nicht Fernsehen, sondern ganz viel Raum, Garten und Hängematte auf ihn wartet, ist einfach herzerwärmend. Und gar nicht auf eine verkitscht-sülzige Weise, sondern einfach auf eine sehr menschlich wirkende. Hat mich schon sehr gepackt, zumal ich auf diese räumlich und personell sehr verdichteten Kammerspiele stehe, wenn sie denn gut erzählt und gut gespielt sind. Beides ist hier ohne Frage der Fall.

Das alles habe ich dann in der zweiten Hälfte - einmal abgesehen von der tollen Schlussszene - nur noch in abgeschwächter Form fühlen können. Die Geschichte wird hier stimmig, nachvollziehbar und mal abgesehen von der überzeichneten Interview-Szene auch ohne Holzhammer weitererzählt, aber die Magie und Spannung der ersten Stunde fehlte mir hier ein Stück weit. Fand ich ein wenig schade.

Alles in allem bleibt "Raum" aber ein toller, sehr feinfühlig inszenierter Streifen, der sein Publikum ernstnimmt und viel Raum (höhö) für philosophische und sozialwissenschaftliche Diskussionen bietet, ohne sie dem Zuschauer aufzudrücken. Und Brie Larson hat immerhin "stellvertretend" den Oscar bekommen, den Jacob Tremblay verdient gehabt hätte - beide machen einen tollen Job, Letzterer aber den noch Besseren. Starker Streifen.

8/10


Fohlen
Benutzeravatar
von LittleQ
#1539550
Die Goonies

Hach, ich liebe den Film auch heute noch. Jedes Mal, wen nich ihn sehe, merke ich aber, wie alt ich schon geworden bin :') Die Erinnerung an die 90er verblassen da immer mehr und solche Kindheitsfilme kennt die junge Generation ja gar nicht. Aber schön zu sehen, dass es das auf Netflix gibt. Vielleicht schau ich ihn mir nochmal die nächsten Wochen an

8/10
Benutzeravatar
von LittleQ
#1539554
Dredd

Ich hasse mich unglaublich dafür, dass ich immer so Filme liebe, die sonst kein Schwein toll findet. Dredd ist einer davon und leider wirds wohl nie einen zweiten Teil geben, auch wenn ich finde, dass der verdient ist...Go on Judge!!!!


8,5/10
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1539562
Conjuring 2 (2016)

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die vom ersten Teil überhaupt nicht geflasht waren und sich im Kino kaum gegruselt, sondern eher amüsiert haben ob des Dämonen-Hokuspokus, der einem dort als "auf realen Begebenheiten beruhend" angeboten wurde. Was diesen Slogan anbetrifft, bin ich auch beim zweiten Teil wieder äußerst skeptisch und fühle mich da eher in die "Wahrheit" von "X-Factor: Das Unfassbare" zurückversetzt, aber ich muss ehrlich sagen: Spannend und mitreißend inszeniert fand ich dieses gut zweistündige Haunted-House-Spektakel diesmal schon.

Vor allem hat mir gut gefallen, dass der Film über weite Strecken auf die ganz billigen, schnellen Jumpscares verzichtet und ich somit tatsächlich nie wusste, wann das nächste Grauen auf mich wartete. Man lässt sich viel Zeit, die Familie einzuführen und lässt auch mal ruhigere Momente zu, anstatt Krawall auf Krawall folgen zu lassen. Das ist handwerklich schon ziemlich gut gemacht und hat mich auch mitgenommen.

Sehr mühsam ist hingegen auch hier wieder das ganze bedeutungsschwangere Zeug, das auf den perfekten Umgang mit Dämonen aus ist, herunterfallende Aufnahmebänder, die Monsieur Geisterjäger mitten in der Bahn die Augen öffnet, wie man das heisere dämonische Gekeuche nun zu hören hat, damit es einen Sinn ergibt und vollgekritzelte Bibeln, die sich Wochen später doch noch als entscheidender Schlüssel entpuppen, um Besitz von dem Bösen zu ergreifen. Keine Ahnung, vielleicht fasziniert sowas im 21. Jahrhundert ja noch jemanden und vielleicht braucht es das ja sogar, um die filmimmanente Welt für Einige stimmig zu machen, ich aber habe da nur entnervt die Augen verdreht und fühlte mich teilweise mit verstrahlten Sekten-Gurus konfrontiert. Das und das vorhersehbare, aus zu vielen perfekten Zufällen zusammengeschusterte Ende waren Elemente, weshalb ich meine eigene Abneigung dem ersten Teil gegenüber doch irgendwie noch nachempfinden konnte.

Rein handwerklich aber ziemlich gut gemacht, muss ich sagen.

7/10


Fohlen

--------------------------------

The Cabin in the Woods (2012)

Den Film hatte ich damals im Kino gesehen und wusste noch, dass ich ihn total schräg fand, mich damals aber nicht so recht entscheiden konnte, ob cool oder dumm schräg. Und so ganz sicher bin ich mir nach dem Re-Watch eigentlich auch noch immer nicht, habe aber eine klarere Tendenz.

Dieses seltsame irgendwas zwischen Zombie-Horror und zynischer Mediensatire beginnt wie ein typischer Klischee-Teeniehorror mit einem Quintett an Stereotypen, die in einer verlassenen Hütte im Wald Rast machen - bis sie dann unfreiwillig die Toten zum Leben erwecken. In einer Kommandozentrale ist der Jubel an dieser Stelle nur teilweise groß, immerhin hatten einige auf die Zombie-Familie als Todesdienstleister gesetzt, Andere wollten jedoch Clowns, Axt-Mädchen oder einen unterbeschäftigten Meermann mit Blutfontäne auf dem Rücken sehen. Sehr schön ist an dieser Stelle immer wieder der Kontrast zwischen den um ihr Leben kämpfenden Teenies und den überaus zynischen Leuten in der Kommando-Zentrale, die vor dem Tod gerne nochmal dicke Bitch-Brüste sehen wollen, bevor sie bedeutungsschwanger für das abgeschlachtete Blondchen beten. Genau mein Humor, wenngleich eher die misanthropische Ecke dessen bedienend.

Das letzte Filmdrittel setzt hier aber nochmal deutlich einen drauf - sowohl was den Einfallsreichtum anbetrifft, als aber auch hinsichtlich der Überzeichnung. Dazu möchte ich aber an dieser Stelle nichts schreiben, sonst wäre es der Spoiler zu viel.

In jedem Fall ist "The Cabin in the Woods" nichts für Zartbesaitete und wahrscheinlich auch nichts für Menschen, die mit schwarzem, bösen und zynischen Humor nichts anfangen können. Wer einen straighten Horrorstreifen nach alter Väter Sitte erwartet, wird ebenfalls enttäuscht werden. Und es gehört nahezu zum Konzept des Films, dass die Darsteller allesamt nun nicht gerade oscarreife, vielschichtige Charaktere spielen können. Wem es an Innovationen im Horrorgenre mangelt, es immer schon bedauert hat, dass man im Dschungelcamp alle gefährlichen Wildtiere aussortiert hat und schon immer mal ein Festival der Genre-Monster kredenzt bekommen wollte, ist hier aber genau an der richtigen Adresse. Irgendwie feiere ich es jetzt noch mehr als im ersten Anlauf.

7,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1539589
Joker (2019)

Die von Todd Phillips erzählte Geschichte des psychisch angeschlagenen Arthur Fleck (Joaquin Phoenix), der durch die gesellschaftlichen Umstände im Gotham City der frühen 80er-Jahre zum Massenmörder wird, hat auch mich als bekennenden Desinteressenten an diesem ganzen Comic-Marvel-Gedöns-Hype interessiert - eben weil der Film mehr nach einem "trojanischen Pferd" klang, das Arthouse-Kino und Charakterstudie in ein Gewand hüllt, das auch die breite Masse erreicht. Ein wie ich finde genialer Schachzug, der ja auch kommerziell herausragend gut funktioniert hat und gerne häufiger betrieben werden darf. Denn wenn man sich die Kino-Jahreshits der letzten Jahre einmal anschaut, sind es ja traurigerweise fast immer die längst bekannten Namen, die an der Kasse funktionieren.

Und in der Tat habe ich mich bis ganz zum Schluss überhaupt nicht daran gestört, dass hier die Geschichte eines Comic-Charakters erzählt wird, sondern habe diesen von Phoenix grandios verkörperten Fleck einfach als tragische Gestalt wahrgenommen, die einen Fußtritt nach dem anderen kassiert, bis bei ihr die Sicherungen durchknallen. Das ist über ganz weite Strecken des Films nachvollziehbar erzählt, kommt lange ohne Action-Spektakel oder allzu krasse Überzeichnungen aus und hat mich stets begeistert am Ball gehalten. Tolle Momente gibt es zu Hauf, einer meiner Lieblinge ist wohl der letzte Besuch Flecks bei der Psychiaterin, , wo er verkündet, dass er immerzu und ausschließlich negative Gedanken habe.

Was "Joker" aus meiner Sicht nicht gut getan hat, ist (neben vielleicht dem einen oder anderen negativen Zufall zu viel in zu kurzer Zeit, der auf Fleck einprasselt) das offensichtliche Bemühen, dem Charakter hintenraus dann doch noch die für Comics typische Überzeichnung zu spendieren, um die man lange zugunsten der authentischen Charakterstudie einen Bogen macht. Der Fernsehauftritt (vor allem dessen Endpunkt) wirkt schon arg drüber, die anschließenden Minuten auf der Straße konnte ich dann aber leider endgültig nicht mehr ernstnehmen. Schade, schade, dass man es hintenraus dann doch noch ein wenig vergurkt hat.

Die 80% Laufzeit zuvor sind dagegen überaus sehenswert und erzählen die Geschichte eines ohnehin am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen, der vom Raubtierkapitalismus immer weiter an den Rand gedrängt wird, anstatt ihm eine ernsthafte Chance zu geben, sich einigermaßen gen Mitte zu bewegen. Das ist klasse erzählt und krass verkörpert. Und darum weiß ich im direkten Vergleich mit dem ähnlich gelagerten "Parasite" auch gar nicht, welchen Film ich eher empfehlen sollte: "Joker" ist für mich die intensivere Charakterstudie, "Parasite" hat mehr clevere und spannende Ideen zu bieten - und beide Filme verlieren leider ganz am Ende ein wenig an Realismus und damit in meiner Gunst. Tolle Filme bekommt man aber hüben wie drüben geboten.

8,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1539603
Marriage Story (2019)

Diese Netflix-Produktion von Noah Baumbach stand bei einigen Kritikern derart hoch im Kurs, dass ich sie mir mal angeschaut habe. Für mich unterm Strich eine ziemlich nette tragikomische Romanze, bei der mich Scarlett Johansson und Adam Driver als irgendwie noch verliebtes und doch mitten in der Scheidungs-Schlammschlacht steckendes Paar schauspielerisch durchaus überzeugt haben. Die Story ist ebenfalls hübsch und weitgehend nachvollziehbar erzählt, die Laufzeit von über 130 Minuten weiß der Film aber nicht ohne Längen zu füllen. Und so richtig viel passiert hier dann leider auch nicht, das von bahnbrechender cineastischer Relevanz wäre.

Ein ganz gutes Sinnbild für den Spirit von "Marriage Story" ist für mich dessen Ende, das sehr gefühlvoll die Balance zwischen Kitsch und Authentizität hält und in mir ein zustimmendes Kopfnicken auslöste. Ich kann den Film nicht wirklich lieben, da er an keiner Stelle wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt, aber zugleich macht er deutlich mehr richtig als falsch und ist wirklich liebenswert gemacht. Ja, leider einfach sehr nett in meinen Augen - und sehr wahrscheinlich in ein paar Wochen schon wieder vergessen.

6,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1540107
The Jungle Book (2016)

Drei Jahre vor dem "König der Löwen" hatte Jon Favreau bereits diesen Disney-Klassiker in ein modernes CGI-Gewand gehüllt - und das wie ich finde deutlich überzeugender als im zweiten Anlauf. Während seine 2019er-Kreation auf mich überwiegend wirkte wie der Versuch einer Quasi-1:1-Kopie mit anderen technischen Mitteln, was fast zwangsläufig zu einer Enttäuschung führen musste, lässt sich seine Interpretation des Dschungelbuchs viel eher als eigenständige Komposition begreifen, die gar nicht mehr so viel vom großen Disney-Vorbild hat - und so funktioniert das für mich bedeutend besser, als wenn man als Zuschauer unweigerlich permanent Quervergleiche zum Original zieht, weil fast dieselbe Szene mit denselben Charakteren und leicht abgewandelten Dialogen gezeigt bekommt.

Der Film ist deutlich düsterer, weniger verspielt und ernster gehalten als die bekannte Disney-Vorlage, was ich hier relativ schnell einfach als "Erwachsenen-Version" des Stoffes anzunehmen bereit war. Visuell ist diese Dschungelbuch-Interpretation sehr beeindruckend, tut sich aber (ähnlich wie "The Lion King") etwas schwer damit, die großen Gefühle zu transportieren. Diese sich kaum regenden Tiergesichter bei einer zugleich sehr emotionalen Sprechstimme sind äußerst gewöhnungsbedürftig, schlagen aber nicht ganz so stark ins Kontor, da mit Mowgli eine menschliche Figur sowie mit Balu eine doch sehr vermenschlichte Tierfigur für etwas mehr Nähe sorgen.

Grenzwertig ist die FSK 6, da weite Teile des Streifens in meiner Wahrnehmung sehr bedrohlich und beängstigend inszeniert wurden und man beileibe nicht das rosarote Kuschel-Dschungelbild geliefert bekommt, das man sich hier vielleicht erwartet hätte. Das finde ich grundsätzlich aber cineastisch wertiger als besagte "Lion King"-Adaption, die für mich als Fan des Originals in erster Linie den Spirit der Enttäuschung verströmte und einfach kein gutes eigenständiges Werk war, sondern der bemühte und etwas mutlose Versuch, dieselbe Geschichte mit anderen technischen Mitteln zu machen.

"The Jungle Book" wiederum begeistert mich auch nicht durchgehend, wirkt manchmal auch etwas zu kalt, zu distanziert, zu wenig charmant - aber es eröffnet eine andere Perspektive auf den Dschungelbuch-Stoff als der Disney-Welthit aus den 1960ern. Und damit finde ich das unterm Strich künstlerisch durchaus wertvoll und bereichernd. So macht diese hyperrealistische CGI-Technikschlacht bedeutend mehr Sinn als bei einer 1:1-Kopie eines Zeichentrick-Klassikers. Wirklich nicht schlecht.

7,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1540172
1917

Mit gleich zehn Nominierungen gehört dieser Kriegsfilm von Sam Mendes zu den Top-Favoriten der diesjährigen Oscar-Verleihung - und das absolut zurecht. Mit unglaublicher Bildgewalt kredenzt der Film seinem Publikum einen kleinen Ausschnitt im alltäglichen Kriegsirrsinn, der historisch gesehen nicht die allergrößte Relevanz besitzen mag - aber in den knapp zwei Stunden, denen man dem Treiben als Zuschauer beiwohnen muss, gefühlt von höchster Bedeutung ist. Man steht den Protagonisten dabei stets ganz nahe, was zum einen an einer so gigantischen Kameraarbeit liegt, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe - und zum anderen natürlich, dass man bis auf einen bewusst und nachvollziehbar gesetzten Schnitt den Soldaten in Echtzeit folgt. Ich saß in der zweiten Filmhälfte fast durchweg gebannt vorm Fernseher und glaube, dass es mich im Kino sogar noch mehr mitgerissen hätte, denn eigentlich ist "1917" technisch viel zu gut gemacht für das Heimkino - und damit meine ich keine plumpe Technikwichse ohne Sinn und Verstand, sondern einen neuen Ansatz, eine räumlich wie zeitlich weit entfernte Schlacht erlebbarer denn je zu machen. Grandios.

Angesichts dieser audiovisuellen Wucht haben die beiden Hauptdarsteller (George MacKay und Dean-Charles Chapman) kaum eine Chance, sich in vergleichbarem Maße ins Gedächtnis einzubrennen. Tun sie auch nicht, wenngleich es an ihrer Leistung wenig zu bemängeln gibt und man ihnen ihre Rollen von vorne bis hinten abkauft. Das ist gut bis sehr gut, aber habe ich auch schon intensiver und eindrücklicher erlebt. Ein wenig realistischer hätte der "Einsamer-Wolf-Spießrutenlauf" gerade zum Ende hin dann gerne auch ausfallen dürfen, denn Schofield entgeht irgendwann durch ein paar zu vielen für ihn glücklichen Zufällen dem vorzeitigen Heldentod, wie ich finde. Das ist ein kleiner Kritikpunkt, der sich ein solcher Film, der so dezidiert auf Realismus setzt, dann meines Erachtens schon gefallen lassen muss.

Ansonsten aber ist "1917" schlichtweg beeindruckendes Kino, das jeder, der sich auch nur ansatzweise für Kriegsfilme erwärmen kann, gesehen haben muss. Und ich bin jetzt erst recht ratlos, ob ich "Joker", "Parasite" oder ihm hier die Daumen im Rennen um den "Besten Film" bei den Oscars drücken soll - allesamt tolle Streifen, was doch wirklich schön in Zeiten ist, in denen das Kinoprogramm gefühlt durchgehend nur aus langweiligen Fortsetzungsfortsetzungen von Adaptionen des 21. Sequels einer Comicreihe besteht.

8,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1540243
Once Upon A Time... In Hollywood

Überrascht mich doch sehr, diesen Film in der Nominiertenliste für die Hauptkategorie der Oscars zu erblicken, denn so einen richtig guten Streifen vermag ich in ihm nicht zu erkennen. Im für Quentin Tarantino typisch aufgemotzen Style mit viel guter Musik, vielen (mir etwas zu) coolen Typen und rattenscharfen Ladys und heißen Flitzern wird einem hier eine doch deutlich zu langwierige (160 Minuten) Märchengeschichte über das Hollywood der 60er-Jahre aufgetischt, die punktuell immer mal wieder sehr witzige Szenen mit sehr guten Darstellerleistungen zu bieten hat, auf ihrer langen Strecke aber auch viel zu oft ein substanzielles Garnichts aufweist, das in erster Linie zur Langeweile führt. Ich vermisse hier einen roten Faden, der die einzelnen Episoden irgendwie stimmig miteinander zu verknüpfen vermag und ich vermisse ein echtes Überraschungsmoment, das länger als ein paar Minütchen anhält, bis die nächste Szene in ein groteskes Irgendwo abdriftet. So aber finde ich die Gesamtkomposition alles andere als stimmig - und das ist meiner Meinung nach dann einfach keinen "Bester Film"-Oscar wert.

Trotzdem wird man im neunten Tarantino-Streifen oft gut und manchmal sehr gut unterhalten. Der Schauwert vieler Szenen, die ebenso namhaften wie star performenden Darsteller und zahlreichen innovativen Einfälle (bezogen auf Kameraeinstellungen, Dialoge, Settings etc.) sind mitunter so nah an der Perfektion, dass ich "Once Upon A Time" letztlich doch überdurchschnittlich bewerten muss. Aus diesen Vorlagen dann aber ein stimmiges, kohärentes Ganzes zu schnitzen, das einem über einzelne Einstellungen hinweg im Gedächtnis bleibt: Daran scheitern hier Regie und Drehbuch allerdings ziemlich deutlich.

6/10


Fohlen
Benutzeravatar
von LittleQ
#1540502
Avengers Endgame

Der Film gibt mir immer noch so extreme Gänsehaut. 10 Jahre darauf hingearbeitet und am Ende so eine Bombe losgelassen. Das ist für mich einfach nur so ne unfassbar gute Filmreihe. Nachdem Avengers 2 schon ein bisschen nachgelassen hat, dachte ich schon, dass das nichts mehr wird. :D Aber selbst nach so vielen Malen kracht das bei mir immer noch voll rein.

Hoffentlich werd ich sowas nochmal in meinem Leben erleben dürfen. Gut, bei DC darf ich darauf wohl nicht hoffen xD
Benutzeravatar
von LittleQ
#1540557
Falling Down

Ich finde den Film so klasse. Ich glaube, würde man den heute nochmal drehen, der würde richtig einschlagen.
von Sentinel2003
#1540743
Mein Gott, soooo früh im Jahr war ich seit Ewigkeiten nicht mehr im Kino :relieved: , und, dazu hatte ich zum Glück noch die allerletzte Vorstellung erwischt zu


Underwater

mit Kristen Stewart. Schöner Unterwasser Grusel und schön viel Action....einfach das Hirn ausschalten.... ':)


8/10
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1540768
Durchgeknallt [Girl, Interrupted] (1999)

Dieses Psychodrama mit Winona Ryder und einer oscarprämierten Angelina Jolie kommt bei Kritikern gar nicht mal so gut weg - für zu klischeereich und platt wird es gemeinhin befunden -, während die Zuschauerresonanz durchaus positiv ist. Ich bin hier auch eher auf Seiten der Zuschauer und habe den Film als durchaus gefühlvoll erzählte Geschichte einer psychisch Kranken empfunden, die in der psychiatrischen Anstalt, in der sie landet, höchstwahrscheinlich "übertherapiert" ist und sich zwischen einer ganzen Reihe harter Fälle in ihrer Ambivalenz, innerhalb derer es nur komplett gestört oder völlig gesund gibt, zu verlieren droht. Lässt man sich einmal darauf ein, dass die Protagonistin (Ryder) zwar psychische Probleme hat, aber dennoch eher nicht in diese Anstalt gehört, kann ich persönlich viele Kritiker-Äußerungen nicht so recht nachvollziehen. Hatte nicht die großen Probleme mit dem Drehbuch und der Anbindung an die Realität.

Was natürlich schon stimmt: Ja, einige Klischees werden hier bedient. Lisa (Jolie) ist die manipulative Hexe, die durch und durch böse und gerissen ist, es gibt allzu naive und hilflose Pfleger und Whoopi Goldberg verkörpert ihr eigenes Klischeebild. Das hätte man alles noch eine Idee intelligenter, vielschichtiger und geschmackvoller schreiben können, an diesen Stellen fehlen doch einige Prozentpunkte zu einem wirklich starken Film. Des Pudels Kern aber, die Zerrissenheit einer jungen Frau, die weder völlig gesund noch einfach "durchgeknallt" ist, wird hier mit viel Fingerspitzengefühl thematisiert. Deshalb halte ich "Girl, Interrupted", der übrigens einen strunzdummen deutschen Titel verpasst bekommen hat, unterm Strich für einen ziemlich sehenswerten Film.

Und Angelina Jolie spielt ihre allzu eindimensionale Rolle tatsächlich herausragend.

7/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Wolfsgesicht
#1540787
La Palma

Ist eine Tragikkomödie Made in Germany, und dafür ist sie ziemlich gut. Also Kritiker werden nicht jubeln, aber als normalo fand ich sie wirklich amüsant.
Tiefgang darf man nicht erwarten, aber die Gags sitzen (hab wirklich oft gelacht) und die Schauspieler sind durch und durch sympathisch.
Der Film macht nichts falsch und ist schön für einen seichten Abend.
Mehr kann man eigentlich nicht drüber sagen.

6,5/10
von Sentinel2003
#1540825
"John Wick - Chapter 3"

Wahnsinn, wieder so ein geiler Teil in diesem Franchise!! So langsam wird mir dieser Keanu unheimlich O:-) :D , was seine Martial Arts Kämpfe an geht!! Das ist große Klasse!! Und, endlich auch mal wieder Halle Barry mit in einem Kino Film...nur leider, schon fast zu kurz... :relieved:

Hätte ich mir den doch nur damals im Kino angesehen....so einen Film auf einer großen Leinwand ist ja fast schon "must see" :D


8,5/10
von Monsterup
#1540897
Gestern mal angeschaut:

Ready Player One (Spielberg). Würde ihm eine 7/10 geben. Hat einfach Spaß gemacht und ist auch für Kinder ab 12 gut geeignet.
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1540937
Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis (2014)

Sehr spannender Krimithriller mit mit sozial- und medienkritischem Unterton, in dem Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) als freier Journalist Nacht für Nacht nach sensationellen Bildern von Unfällen und Verbrechen giert und dabei schnell über jede moralische Grenze zu gehen bereit ist. Getragen wird der Streifen einerseits durch das umwerfend starke Schauspiel Gyllenhaals, der von der ersten Sekunde an voll in der Rolle des auf seine ganz eigene Art dem "American Dream" frönenden Soziopathen aufgeht, weshalb ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, weshalb er hierfür nicht zumindest eine Oscar-Nominierung spendiert bekam. Ebenso stark ist aber auch das einfallsreiche Drehbuch sowie die Kamera-Arbeit, die hier aufgrund der Storyline noch wichtiger ist als im Normalfall - denn ohne eine starke Kamera hätte der Thriller insgesamt nicht gut funktionieren können.

Ein wenig schwerer tue ich mich mit der Beurteilung der gesellschaftskritischen Aspekten. Einerseits ertappt man sich als einigermaßen reflektierter Zuschauer schnell bei zynischen Überlegungen wie "na, das verblutende Unfallopfer würde ich mir als voyeuristischer TV-Junkie wahrscheinlich auch ansehen wollen, wenn das irgendwo gezeigt wird" oder zieht Parallelen zu real existierenden Problemlagen wie den smombiehaften Autofahrern, die Rettungskräfte behindern, um die geilste Privataufnahme vom nächstbesten Autounfall ihr Eigen nennen zu können. Andererseits aber mutet es arg unwahrscheinlich an, dass keiner der Rettungskräfte und Polizisten irgendwann einmal ernsthaft Notiz von den Nightcrawlern nimmt, obwohl sie stets viel zu schnell an den Tatorten stehen. Und die Verfolgungsjagd hintenraus ist auch sehr... optimistisch inszeniert.

Lässt man sich auf diese Logiklöcher ein, bekommt man aber einen stark gespielten, stets sehr spannenden und in seiner Länge genau passend geratenen Thriller geboten, der zum Zeitgeist der 2010er passt und einen Protagonisten zeigt, der zu lange vom Kapitalismus gefickt wurde - und jetzt zu den Systemgewinnern gehören möchte. Cool gemacht.

7,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1540977
Systemsprenger (2019)

Diesen deutschen Film aus dem Jahr 2019 gibt es seit neuestem auf Netflix und da er ohnehin als cineastischer Geheimtipp gilt, der das oft so öde und von den immer gleichen Geschichten von den immer gleichen Visagen deutsche Filmschaffen mächtig aufmischen soll, habe ich ihm mal eine Chance gegeben. Im Nachhinein möchte ich das andersrum formulieren: "Systemsprenger" hat mir die Möglichkeit gegeben, ihn zu sehen, denn er hat mich ziemlich beeindruckt. Selten habe ich deutsches Kino so intensiv und konsequent erlebt.

Star des Films ist ganz klar die Jungschauspielerin Helena Zengel, welche die alle Pädagogen und ihre Eltern zur Verzweiflung bringende Benni verkörpert - ein neunjähriges Mädchen, das immerzu nach Liebe sucht und es ihrem sozialen Umfeld zugleich doch so schwer macht, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Es ist hinreißend, wie Zengel innerhalb weniger Sekunden vom fürsorglichen Muster-Mädchen zur wilden Furie und grässlichen Fratze changiert, wie sie Ambivalenz verkörpert, die für "normal" tickende Menschen in dieser krassen Form schlichtweg kaum greifbar ist.

Erfreulich fand ich angesichts dessen auch, wie konsequent Nora Fingscheidt über die mit zwei Stunden vielleicht eine Nuance zu üppig geratene ihrer eigenen Geschichte folgt, wenngleich die Abfolge aus schönen, herzerwärmenden Szenen auf der einen und grausigen, teils kaum erträglichen Momenten sich irgendwann etwas zu häufig wiederholen. Das nehme ich "Systemsprenger" aber überhaupt nicht übel, denn dafür wirkt das Gezeigte zu jedem Zeitpunkt höchst intensiv und geht mir vielleicht in einem solchen Film noch näher, als wäre es von einem großen Hollywood-Studio durchperfektioniert worden. Das ist deutsches Kino, wie ich es viel häufiger sehen möchte: Inhaltlich abseits des Mainstreams, intensiv, konsequent und mitreißend. Top!

8,5/10


Fohlen
Benutzeravatar
von Wolfsgesicht
#1541068
Just Mercy

Ein weiterer Film über Rassismus in den USA. Love it. Gibt häufig Streifen mit der Thematik die ich nicht mag, aber der war geil. Schauspieler on point (erst recht wenn Man zum Schluss sieht wie die historischen Vorbilder aussehen), Story gut erzählt, nicht zu lang, nicht zu kurz, passender Verlauf. An den richtigen Stellen fröhlich, an den richtigen bedrückend.
Im Kino sagten auch alle direkt geiler Film, diverse Menschen haben gar geweint :grinning: glaub den kann man mal empfehlen.

Ich vergebe 8,5/10
von Metzi
#1541133
Terminator - Dark Fate.
05/10

Die Handlung war ein kompletter Aufguss der früheren Drehbücher und die übercoole Selbstreferentialität hat nur genervt. Die Actionsequenzen waren bekloppt bis okay. Für mal zwischendurch etwas Geknalle sicher gut schaubar. Aber kein Meisterwerk wie damals Terminator 2.
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1541204
Der Unsichtbare (2020)

Dieser Film hat gleich zwei bekannte Vorlagen, die allerdings beide auch schon einige Jährchen auf dem Buckel haben: H. G. Wells verfasste Ende des 19. Jahrhunderts den gleichnamigen Roman, auf der Kinoleinwand gab es bereits 1933 eine bekannte Verfilmung des Stoffes. Also da sind durchaus ein paar Jährchen vergangen, die eine qualitativ wertige Interpretation für das 21. Jahrhundert rechtfertigen, dachte ich mir und bin mit zwei Freundinnen heute ins Kino gegangen, um mir den Horrorthriller anzusehen.

Trotz des mit nicht einmal zehn Millionen US-Dollar ziemlich mickrigen Budgets finde ich, dass das mit der wertigen Interpretation alles in allem ganz gut funktioniert hat. In erster Linie aus zwei Gründen: Die aus "The Handmaid's Tale" bestens bekannte Elisabeth Moss macht eine richtig starke Figur als von ihrem unsichtbaren Mann gestalkte und von ihrem sozialen Umfeld für verrückt erklärte Cecilia, ihr nimmt man diese Rolle zu jeder Zeit ab - was umso wichtiger ist, da der restliche Cast eher Dienst nach Vorschrift schiebt und mitunter doch sehr generisch wirkt. Und die Kameraarbeit empfinde ich für einen solch kostengünstigen Streifen als bockstark, denn es gibt vor allem in der ersten Filmhälfte einige wunderbare Einstellungen, in der wenig Handlung so gekonnt inszeniert wird, dass man gebannt den Atem anhält. Richtig, richtig gut, ich war nach der ersten Hälfte höchst angetan bis begeistert, mit wie viel Gespür und Ruhe man den Psychoterror erzählt.

In der zweiten Hälfte kommt der Film da leider nicht mehr ran und verliert sich ein bisschen in der visuellen und inszenatorischen Beliebigkeit, überschlägt sich partiell mit übertrieben dargestellten Actionszenen und weiß einfach nicht mehr so recht, wie man die subtil bedrohliche Stimmung aufrecht erhalten kann, wenn Mr. Invisible zum Schlachtfest ausholt. Hier häufen sich die Vorhersehbarkeiten, die hölzernen Dialoge und die unrealistischen Momente - schade. Das eigentliche Ende fand ich dann aber wieder gang in Ordnung.

Somit ist "Der Unsichtbare" für mich unterm Strich ein gelungener Film, der letztlich das aus seinen Möglichkeiten rausholt, was realistisch erwartbar war. Der Anfang zeigt, dass mehr hätte drin sein können, das Ende aber auch, dass man es viel, viel schlechter hätte inszenieren können. Geht schon klar.

7/10

PS: Meine beiden Freundinnen haben es übrigens etwas anders als ich wahrgenommen: Eine fand den Film insgesamt eher fad, eine ihn durchweg gut.


Fohlen
Benutzeravatar
von Wolfsgesicht
#1541206
Fernsehfohlen hat geschrieben: Fr 28. Feb 2020, 23:39 Meine beiden Freundinnen [...]
Gleich zwei? Uiuiui... :grin:

Gravity (Spoiler)

Liebe diesen Streifen, allein aus visueller Sicht immer und immer wieder beeindruckend. Leider gibt da mein TV nicht so viel her. Storymäßig intelligent, wenngleich sehr klar ist dass Frau Bullock überlebt. Da hätt ich ja lieber gehabt dass Clooney nicht direkt verstirbt sondern kurz vor Ende um da zumindest ein wenig Spannung zu haben was den Ausgang des Films angeht. So ist es sehr egal. Trotzdem find ich ihn durchweg toll.

9/10
Benutzeravatar
von Fernsehfohlen
#1541258
Wolfsgesicht hat geschrieben: Sa 29. Feb 2020, 06:30
Fernsehfohlen hat geschrieben: Fr 28. Feb 2020, 23:39 Meine beiden Freundinnen [...]
Gleich zwei? Uiuiui... :grin:
Ja, Arbeit, Arbeit, Arbeit. ^^

Babel (2006)

Habe ich mir soeben mal auf Netflix angesehen, da der Name Alejandro Gonzalez Innaritu für einzigartige Kinoerlebnisse steht und der Titel gar nicht mal so selten genannt wird, wenn in meinem (weiteren) Umfeld die Frage nach den persönlichen Lieblingsfilmen aufkommt. Und ja, ich habe die letzten zweieinhalb Stunden auch sehr genossen, in denen vier Geschichten aus vier Ländern der Welt (USA, Mexiko, Marokko und Japan) erzählt werden, die allesamt von missglückter zwischenmenschlicher Kommunikation handeln - und auch sonst die eine oder andere Verknüpfung haben.

Für mich persönlich das größte Gütesiegel bekommt der Film aber in den Kategorien Lebensnähe und "mit großer Ruhe große Spannung erzeugen", wo ich selten etwas Perfekteres als das hier gesehen habe. Ich konnte mich kaum satt sehen an den diversen Impressionen und Protagonisten aus den genannten Staaten, zwischen denen immer wieder mal hin und hergeswitcht wird. Weltklasse ist in diesem Zusammenhang auch die Filmmusik, die sogar oscarprämiert wurde. Das alles hat bei mir gar nicht unbedingt den großen Nervenkitzel heraufbeschworen, aber ein sehr konstantes und starkes Interesse an Geschichten, die in meiner Wahrnehmung hier realistisch wie selten auf der großen Kinoleinwand erzählt werden. Ist für mich ein ziemlich einzigartiges und überaus delikates Filmerlebnis - und die gar nicht mal so zahlreichen Grausamkeiten, die dann immer wieder einmal stattfinden, habe ich dann als umso intensiver wahrgenommen.

Eine echte Kritik an "Babel" habe ich nicht einmal zu äußern, aber ich kann verstehen, warum der Streifen jetzt nicht nur Fürsprecher hat. Denn irgendwie erwartet man implizit dann doch noch einen "großen Knall" oder irgendein richtig überraschendes Moment, das den Streifen entweder der Lächerlichkeit preisgibt oder einen legendären Mindfuck-Moment kreiert. Das nicht nur subtile Verbindungen über drei Ecken zwischen den verschiedenen Schauplätzen herstellt, sondern eine direkte Verknüpfung. Einen kleinen Holzhammer, der uns die Missstände in der Kommunikation und der Völkerverständigung pointiert aufzeigt. Das bleibt aus - was völlig in Ordnung und sehr konsequent ist, aber bei mir zumindest wahrscheinlich auch verhindern wird, dass mir ein Moment aus dem Film auch noch nach Monaten im Kopf rumschwirrt.

Deshalb gehe ich mit, dass "Babel" ein Meisterwerk der Filmkunst ist. Ich bin aber überrascht, wie still und subtil dieses Meisterwerk geworden ist, vor allem nach Sichtung des Trailers.

8/10


Fohlen
  • 1
  • 698
  • 699
  • 700
  • 701
  • 702
  • 703