Es war ein wundervoller Tag. Bis ich Feierabend machte.
Dramatische Musik.
Ich machte früher Schluss, weil ich endlich zum Frisör wollte, das nahm ich mir bereits letzte Woche vor. So trug es sich zu, dass ich voller Freude pünktlich die Arbeit hinter mir ließ und mich bei eitlem Sonnenschein auf in den Feierabend machte. Sodann erfüllte ich den örtlichen Frisörsalon mit meinem Antlitz, die freundliche Frisörin machte gute Arbeit. Plötzlich vibrierte es in meiner Hose. Zu meiner Erleichterung war es nur das Handy.
Ich ignorierte es, da mich das anregende Gespräch mit der fröhlichen Dame, die sich meiner Frisur annahm, nicht jäh unterbrechen wollte. Allerdings wollte der Anrufer nicht nachgeben und versuchte es immer und immer wieder. Es war zuerst eine unbekannte Nummer, daher ignorierte ich es weiter - doch dann sah ich, dass es das Büro war. Also rief ich zurück.
Ein Kollege war im Büro und hatte keinen Schlüssel - der letzte, der einen hatte, ging. Also fragte er mich, ob ich eben kommen könnte, damit er heraus kann und ich abschließen kann. Da der Weg unweit meines Standortes war, fuhr ich mit gezügelter Laune zurück in die Firma. Da wir keine eigenen Parkplätze haben und auch die Einfahrt nicht die Möglichkeit zu parken hergab, stellte ich meinen Wagen vor der Firma ab - allerdings hätte ich einen Parkschein ziehen müssen, was ich für die weniger als 60 Sekunden, in denen ich die Tür auf- und wieder zuschließe, nicht einsah.
Dummerweise war eine Politesse unterwegs, die da überraschenderweise eine völlig andere Meinung vertrat. Ich erklärte ihr die Situation, allerdings wollte sie mir - was ich tief im Innern eh ahnte - nicht zuhören und wurde patzig. Ich könne das ja alles in den schriftlichen Widerruf schreiben, den sowieso niemand beachten wird. Zitat Ende. Ich war erbost über so viel zwischenmenschlicher Hässlichkeit, dass ich mich über die Stadtpolitik etwas harsch äußerte. Mit verzerrtem Blick entfernte ich mich vom Tatort.
Da ich zugleich noch kurzfristig einen Besuch in der Apotheke einschob, fuhr ich ins örtliche Parkhaus des Shopping-Centers, wo die Apotheke im Zentrum damit warb, dass die ersten 60 Minuten kostenlos seien. Erquickt von dieser Kundenfreundlichkeit, eilte ich in diese Pharmazie und erledigte meinen Einkauf. Da ich allerdings unter dem Einkaufswert von 10 Euro blieb, wurde mit der Nachlass für die Gebühr für das Abstellen meines PKW verwehrt. Schade.
Also ging ich zurück zum Parkhaus und wollte meine Bürgerpflicht erfüllen und mein Parkticket bezahlen. Mit geschocktem Blick sah ich folgendes auf dem Display:
Der anfängliche Schock verwandelte sich sogleich in schallendes Gelächter, was auch andere Kunden zu einem kurzen Blick einlud. Wir lachten gemeinsam. Es war ein schöner Moment. Nachdem ich die Ruftaste drückte, dauerte es einige Zeit, bis ein freundlicher Mitarbeiter des Parkhauses zur Hilfe kam. Es dauerte dann wieder einige Zeit, bis das Problem behoben war. Danach konnte ich meine Schulden, die nun glücklicherweise nur 1 Euro betrugen, begleichen. Also ging ich zum Auto. Ich wollte aus dem Parkhaus fahren. Doch dann der nächste Schock: An der Schranke ertönte er Hinweis, dass eine Nachzahlung erforderlich ist. Die Zeit zum Herausfahren wurde überschritten und der Mitarbeiter, der mir durch die Gegensprechanlage helfen wollte, verstand mich nicht. Also musste ich zurück. Hinter mir: Eine Blechlawine.
Mit hochrotem Kopf legte ich den Rückwärtsgang ein, was zum Unmut meiner Hintermänner führte. ich bedankte und entschuldige mich mit einem freundlichen Handzeichen, der nette Fahrer hinter mir nahm es mit Humor. Wenigstens einer.
Ich schob also das Ticket nochmal in den Entwerter und dort stand zum Glück wieder nur 1 Euro. Problematisch gestaltete es sich, dass ich kein Geld mehr im Geldbeutel hatte. Ich musste also einen Geldautomaten aufsuchen. Dummerweise stellte sich dann heraus, dass die Scheinannahme des Parkticketautomaten defekt war. Mit vor Wut errötetem Kopf suchte ich den nahe gelegenen Lottoladen auf und bat um Wechselgeld. Dies war jedoch unmöglich, außer, jemand kauft etwas und die Kasse öffnet sich. Also kaufte ich Kaugummi.
Nach dieser Odyssee konnte ich endlich das Parkhaus verlassen und mich auf den Nachhauseweg begeben. Ich war den Tränen nahe.
