- Do 14. Okt 2010, 16:31
#893412
Das Problem an RdM ist nicht die Verlängerung sondern die Entschleunigung und wahrscheinlich kommt irgendwann auch noch der Ausstrahlungsrhythmus dazu.
Das zweite Problem ist vom Direktvergleich WWM und 5 gegen Jauch bekannt: beim einen Format sind die Überhangkandidaten (die nebenbei auch noch das Problem mit der überzogenen Sendezeit lösen) eher ein Argument, beim nächsten Mal wieder einzuschalten, bei 5gJ sind sie bei der Folgesendung meist komplett vergessen und müssen neu kennengelernt werden. RdM und 5gJ haben auch beide das Problem, dass das Spielprinzip nach mehreren Wochen bzw. Monaten erneut erklärt werden muss.
Entschleunigung heißt vor allem: es passiert im Verhältnis zur Sendezeit zu wenig. Günther Jauch löst das Problem zum einen auf der Talkebene (er kriecht ja nahezu in die Kandidaten hinein, man glaubt den Kandidaten ab €64.000 zu kennen) und zum anderen auf der Psycho-Ebene (Verunsicherung) - das ist das Geheimnis hinter dem Erfolg der deutschen WWM-Ausgabe. 101 Wege ... setzt auf Fremdschämen und Scheinpromi-Demütigung und kommt offenbar noch ohne Katja Burckhardt als Ko-Moderatorin aus, die das Kandidatenklientel sonst betreut.
RdM versagt hier - Pilawa hat keinen Draht zu den Kandidaten, es menschelt nicht! RTLiges Storytelling und Emotainment wird versucht - aber eben ohne richtige Story: die lauwarme Inszenierung zweier Powerfrauen ohne Power war einfach peinlich. Man bringt ja auch keinen DSDS-Klon auf den Bildschirm, bei dem die Kandidatenschicksale durch Husten, Schnupfen und Heiserkeit ersetzt werden - man wählt dann lieber einen anderen Stil.
Etwas angejauchter hätte Pilawa durchaus sein können, wenn das Regelwerk ihm das nicht verboten hätte: das 60-Sekunden-Zeitlimit hat es unmöglich gemacht, den Prozess der Antwortfindung vernünftig zu begleiten - gerade in den ersten Runden ist der Zeitaufwand für das Geldbündelstapeln (die Tabletts sind zu klein!) dafür viel zu hoch. Gleichzeitig ist es nicht glaubwürdig durch grelle Scheinwerfer zu verschleiern, dass die Kandidaten das Zeitlimit großzügig überschreiten dürfen. Dafür wird endlos über kryptische Frage-Kategorien gesprochen und die Antwortauflösung wird in bester Marco-Schreyl-Manier episch ausgewalzt.
Die Fragen und ihre Schwierigkeitsgrade folgen keiner Dramaturgie: richtig schwer wird es selten (und eben nicht unbedingt gegen Ende eines Kandidatenzyklus), und manche Fragen werden sogar vom Moderator vorrausgeahnt und er schämt sich auch nicht, die Mangel offen zuzugeben (Kategorie: "Promi-Paare", Antwortmöglichkeiten "Bank, Telekom, Bahn" -> Pilawa ist wenig überrascht, dass nun nach dem Mann von Maybritt Illner geht).
Vollkommen unangebracht in einer Sendung, die jedem Kandidaten anstrengungslosen Wohlstand verheißt, sind aber die Extra-Belohnungen, die der Moderator nebenbei verspricht: es regnet Fußballdauerkarten und Schnapsflaschen.
Alles insgesamt vorhersehbar: nicht umsonst ist Einer gegen 100 in Deutschland schon am gemütlichen Wolfram Kons gescheitert. Ich frage mich, wann das 2DF Formel-1-Rechte kauft und Rennen in halber Geschwindigkeit ausstrahlt, weil es angeblich den Sehgewohnheiten der 2DF-Zuschauer eher entspricht.