- Di 6. Mai 2008, 14:03
#497253
Hi
Zu: 1. Folge "Unschuldig".
Schlimme und löchrige Umsetzung.
Ehrlich gesagt reichen die letzten 7-10 Minuten zu schauen. Warum:
Der komplette Ablauf des Falls hat reichlich bis nichts mit Aufklärung oder Auflösung zu tun.
Sie fragt - Sie bekommt eine Antwort, die eine Hinterfragung als solches nicht braucht.
Eigentlich sollen es Hürden sein, die der Prota zu überwinden hat. In dieser Folge (wohl auch den folgenden) gibt es nichts zu überwinden.
Sie fragt - Sie bekommt Antwort (Namen usw.) ohne Probleme, ohne Gegenwehr.
Ein Hinterfragen hinsichtlich der Infos komplette Fehlanzeige.
Stellt sich hier überhaupt die Frage: WARUM bei den eigentlichen Gerichtsverfahren dieses "Frage und Antwort bekommen" nicht stattgefunden hat, wenn die Rechtsanwältin einfach mal durchmarschiert?
Vergleich z.B. "Numb3rs": Obwohl nicht länger pro Folge, MEHR Hinterfragen, MEHR Infos über die Figuren selbst, MEHR Infos über das Grundthema - vor allem ÜBERHAUPT Hindernisse.
Nur durch unendliche Zufälle oder vom Himmel fallende Figuren wird was erreicht, aber nicht durch Aufklärung:
- Ein Laptop = Fahrzeughalter.
- Der Pizzabote = Zimmertausch
- Ball spielende Kinder = unbefugtes Betreten einer Wohnung
usw.
Teilweise vollkommen überflüssige und idiotische (Zwischen)-Fragen, sprich Dialoge zwischen den Hauptakteuren.
Figuren fallen in dieser Serie einfach mal vom Himmel, wenn man sie braucht, ohne wirklich eingeführt zu werden.
Ein paar nur der offene Fragen:
- Die scheinbar ungesehenen Videoaufzeichnungen des Hotelflurs, bei der eigentlichen Verurteilung.
- In einem Nebensatz wird die Möglichkeit der Fallwiederaufnahme erwähnt - spielt aber ansonsten keine Rolle.
- Die "Aufklärung" der Morde erfolgt durch der Rechtsanwältin in der PR, in dem sie Dossiers verteilt, dessen Inhalt aber nichts mit den Morden als Tat zu tun hat, die sie aber unterstellung.
Ist er der Auftraggeber? Und WER hat denn nun gemordet?
- Seit wann überhaupt agiert ein Rechtsanwalt/Rechtsanwältin so? War es ein persönliches ÖKO-Anliegen in der PR-Konferenz aufzutauchen?
Spielen alle diese Dinge keine Rolle für den Aufbau einer Geschichte?
- Das Endbild: Wie sie die PR-Konferenz verlässt, spiegelt ein tiefes Anliegen der Rechtsanwälten wieder, den Fall gelöst zu haben, welches gar nicht vor kam in der Folge.
So oberflächlich kann man die Serie unendlich produzieren - was sie völlig belanglos macht.
Was ist denn hier das Grundthema?
Eine Rechtsanwältin, die ohne irgendwelche Hindernisse "durchmarschiert" - super und interessiert niemanden. Der Zuschauer möchte mitauflösen, möchte interessiert werden. Fehlanzeige.
Apropo Grundthema: Welches ist es in "Unschuldig":
Leute die aufgrund falscher Beweis, Beweisführung usw. verknackt worden sind?
So wie die erste Folge abgelaufen ist, kann man resultieren, dass man die Serie bis zum SanktNimmerleinsTag produzieren kann - weil schon in der ersten Folge ein Thema (Grund des Mordes) völlig uninsteressant umgesetzt wurde - weil: es ist unnötig. Gib dem "unschuldig" Verknackten irgendeine Verurteilung und konstruiere einen völlig emotionsfreien Fall drumherum. Raus kommt 08/15 Ware.
Blöd, wenn man im Vorfeld erkannt hat, dass es tatsächlich ein interessantes Grundthema ist und dann so einen Schmarn daraus macht.
Die Figuren allesamt belanglos, weil:
Die Figuren haben kein eigenes Leben haben.
Alexandra Neldel (Dr. Anna Winter) - Sehr blass. Das "Leben", Schicksal, wird in zwei, drei Sätzen zu Anfangs kurz umrissen, fertig. Völlig überflüssig die Erwähung in der ersten Folge, weil es nur die Erwähnung war.
Clemens Schick (Marco Lorenz) - hat er eigentlich ein eigens Leben?
Erhan Emre (Dr. Sebastian Krüger) - wozu auch immer ...
Klaus J. Behrendt (Jörg Naumann) - man hörte das Holz knacken!
Fazit: "Remington Steel", "Columbo", "Rockford", "Edel & Starck", derzeit "Monk", "Closer", "House" und diverse CSI waren/sind sehr gut durchdachte Charaktere und Fälle, inclusive versteckten Details usw., welche "Unschuldig" noch nicht mal Ansatzweise bieten kann.
Allein die Tatsache (im Vergleich) wie viel Mehr man in den o.g. Serien über Figuren, deren Familien und Fällen erfährt - pro Folge, welche "Unschuldig" nicht bieten kann. Es fehlt mal wieder das Erzählen von Figuren (Charakteren), das Mit-erleben dieser.
Eigentlich heißt es beim Drehbuch-schreiben: Die Kunst des Weglassens.
Hier hat man wieder das meiste Notwendige weggelassen, um möglichweise den Autoren oder gar den Schauspielern nicht zu viel zu zumuten.
Leider war die zweite Folge nicht besser "gestrickt".
gruß