markymarc05 hat geschrieben:Cyberwarrior hat geschrieben:
Womit ich bei der Show Probleme habe ist das man da Übersinnlichkeit verkaufen will, jeder weiß doch mittlerweile das Geller NUR EIN ZAUBERER IST nicht mehr ...
Das sehe ich etwas anders. Gerade bei dieser speziellen Art der Zauberei (Gedankenlesen, etc.) gehört es durchaus dazu, Übersinnlichkeit zu behaupten. Das ist Teil der Show - und einer stumme Übereinkunft zwischen Publikum (das sich zum Staunen bringen lässt und nicht allzu genau nachfragt) und Künstler (der eine gute Show liefert).
Jein - es stimmt, dass bei Zauberern der Showeffekt (und das wäre das Parapsychologie-Gerede in jeder anderen, ernst zu nehmenden, Show auch bloß gewesen) eine große Rolle einnimmt, erst Recht, wenn es um Tricks geht, die irgendwie mit der Psyche zu tun haben. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man den Showeffekt, so wichtig er auch sein mag damit ein Trick funktioniert, nun zum Hauptgegenstand der Show macht, oder ob man die Tricks in den Fokus rückt.
Die gestrige Show suchte nicht den größten Illusionisten (also denjenigen mit einem verblüffenden Trick und einer ansprechenden Show), sondern einen (übersinnlichen) Nachfolger von Uri Geller, der übernatürliche Kräfte hat (nach eigenen Aussagen).
Es ist eigentlich ein recht feiner Unterschied, aber umso gravierender.
Man hätte rein theoretisch die selben Kandidaten und die gleichen Tricks nehmen können, aber ohne die an "Galileo Mystery" erinnernden Vorstellungsvideos und ohne dieses ganze Gerede, man hätte ganz viele Mentalisten zusammengesammelt, die übernatürliche Fährigkeiten haben und nun in einem Wettbewerb antreten, um offiziell zu Gellers Nachfolger zu werden.
Schon wäre die Sendung viel ernstzunehmender. Die Kandidaten hätten sich freier entfalten können. Und da greift wieder der, von dir zu Recht angesprochene, stillschweigende Pakt zwischen Publikum und Darsteller.
Wäre es nicht "Next Uri Geller", sondern "Next Copperfield" (oder sonstwer), hätten sich die Magier viel eher aussuchen können, wie sie sich verkaufen. Und ich als Zuschauer würde weniger hämisch grinsend vor dem Fernseher sitzen.
Nehmen wir mal den Messer-Kandidaten. Der hätte als Showeffekt ja in der Einleitung behaupten können, er hätte diesen Trick von einem chinesischen Mönch gelernt (oder sowas). Es ist auf der Bühne, während eines Tricks. Kein Kontext, der behauptet, alles wäre wahr, kein betroffen-ernster Videobeitrag. Einfach nur ein Kandidat, der uns in seine Nummer einführt (mit ner Lüge, natürlich).
Und der Forenliebling Raven wäre ungleich besser angekommen, wenn er uns einfach nur verkaufen würde, er könne den Inhalt der Zettel mit Hilfe seines geliebten, übernatürlichen Raben lesen. Meinetwegen hätte er als Showzugabe noch die Antworten aus dem Jenseits geben können, wäre seine Bühnenfigur halt weiterhin mystisch angehaucht. Ist ja okay.
Aber wenn die ganze Sendung Stein auf Bein schwört, alles wäre echt, und dann so haarsträubende Hintergrundberichte über die Kandidaten bringt und Uri Geller weiterhin von einer Aura spricht oder meint, auch das Besteck von meinem Fernseher runterwerfen zu können... Dann wird der stillschweigende Pakt zwischen Publikum und Künstler überstrapaziert. Und dann sitze ich vor dem Fernseher, lache über die Show und suche die Geheimnisse hinter den Tricks. Anstatt gar nicht drüber nachzudenken oder irgendwann, nach der Show einen Geistesblitz zu haben.
Puuh, das Posting ist länger geworden, als ich vorhatte. Aber ein Beispiel muss ich noch loswerden. Mich erinnert das ganze nämlich auch an den Audiokommentar zu "Santa Clause 2". Dass ich während des Films mich auf die magische Weihnachtswelt einlasse, ist ja klar - zumal der Film noch ganz gut gemacht ist (Teil 1 war zwar viel besser, aber das ist jetzt egal).
Als mir aber der Regisseur im Audiokommentar die ganze Zeit weißmachen wollte, er habe extra eine Drehgenehmigung von Santa Claus bekommen, und der Weihnachtsmann höchstpersönlich habe sich rasiert und wäre auf Diät gewesen, um Tim Allens Figur des Scott Calvin darstellen zu können, da konnte ich nicht mehr. Ich kann nichtmal mehr den Film gucken, ohne augenrollend davor zu sitzen, weil ich den haarsträubenden Audiokommentar im Ohr habe.
So ist es auch mit der gestrigen Show und Geller im allgemeinen. Die Grenze, in wie weit ich der Show zu liebe meinen Verstand ausschalte lassen beide weeeeeit hinter sich.