Hallo!
Halbzeit in der letzten Staffel, da muss ich mich auch mal wieder zu Wort melden. Erstmal zur letzten Episode:
Gemeinsam mit The Substitute war das locker die Episode die mir bisher am besten gefallen hat in dieser Staffel. Die Folge war einfach storytechnisch schön rund und hatte viele Aspekte die ich an Lost so mag: Sehnsucht, Schicksal, Erlösung, Manipulation und vor allem die Waage zwischen Gut und Böse.
Richard begegnet auf seinem gezeigten Lebensweg all diesen Aspekten und muss sich schließlich zwischen „Gut“ und „Böse“ entscheiden. Gut im Sinne von Jacobs Glauben, dass alle Menschen durch ihren eigenen Willen und ihre eigenen Entscheidungen einen Weg gehen können der sie nicht korrumpiert bzw. schlechtes tun lässt. Der MIB glaubt währenddessen scheinbar das sowieso jede Hoffnung für die Menschheit verloren ist und strebt entweder Vernichtung oder absolute Einmischung/Kontrolle an. Wenigstens ist jetzt klar was Jakob und der MIB wollen. MIB will sich von der Insel befreien und Jacob will den Korken auf der Flasche behalten damit die Menschheit weiterhin mit freien Willen leben kann.
Das ganze Gefasel mit der Hölle sollte man nicht zu wörtlich nehmen. Hiermit ist halt eine Welt gemeint in der, der MIB von der Insel runter kommt.
Hinwegsehen musste man in dieser Episode leider allerdings auch über einige Stellen.
- Die schon angesprochene Kette, die Richard nach 150 Jahren mit 2 Handgriffen wieder ausbuddelt...ok vielleicht betreibt er ziemlich gute Grabpflege.
- Die Statue wird von der ollen Black Rock zerstört, die durch ne Monsterwelle im hohen Bogen in die Inselmitte befördert wird...ganz ehrlich: Ich konnte es nicht glauben als ich die Szene gesehen hab. Die Auflösung ist schon fast ne Frechheit. Hätte Smokie die aus dem Wasser katapultiert wäre das wenigstens noch leichter zu verschmerzen gewesen.
Im Ganzen war die Episode aber echt klasse. Ich hoffe so geht’s weiter.
Jetzt mal zur bisherigen Staffel:
Bisher sehen so gut wie alle Folgen nur wie ein Build-up fürs Finale bzw. die letzten Folgen aus. Und zwar eingeteilt in Inselhandlung und Flashsideways:
Insel
Es ist nicht so als hätte es noch keine Antworten gegeben. Wir wissen mittlerweile ganz gut über die Candidates bescheid und somit auch was Jacob und MIB vorhaben und auch über die Numbers haben wir (wie ich glaube und auch etwas befürchte) eine finale Antwort erhalten. Ob einem die Auflösungen gefallen oder nicht muss man für sich selbst entscheiden. Das Problem mit der Inselhandlung ist, dass die Entwicklungen relativ langsam voranschreiten.
Es läuft ganz klar auf einen Konflikt zwischen Team MIB und Team Jacob heraus und in den bisherigen 9 Folgen wurden die Schachfiguren erst in Position gebracht. Die Szenen in denen das passiert wie z.B. die Ankunft von Widmores Truppe, Sayids Morde an Dogen und dem anderen Typen und überhaupt die ganze Schlussszene am Tempel waren echt intensiv. Aber ansonsten passiert so gut wie nix (Hurley und Jack latschen durch den Dschungel, MIB und Sawyer latschen durch den Dschungel, Kate und Jin latschen durch den Dschungel) und das verpasst der Inselhandlung eine sehr langsame Geschwindigkeit. Wird Zeit das mal ein Team zum ersten Zug ausholt.
Flashsideways
Die langsame Inselhandlung wäre nicht so schlimm, wenn die Flashsideways wenigstens interessant wären. Interessant können die für mich nur sein wenn ich weiß, dass diese Realität im Endeffekt nicht ausradiert wird sondern etwas zu bedeuten hat. Deswegen glaube ich (wie wahrscheinlich viele andere auch) das am Ende entschieden wird welche Realität bestehen bleiben soll. Ob das nun Jacob und MIB entscheiden, eine höhere Macht oder die verbliebenen Kandidaten wird sich zeigen. Ich bin nur gespannt wie man die Suche nach einem neuen Beschützer für die Insel und die Entscheidung über die Realitäten unter einen Hut bekommt.
Wenn man sich also die FS Realität so zurecht legt das diese am Ende die womöglich einzige verbleibende Realität sein soll, kann man sich fragen ob diese überhaupt so toll ist. In der Inselrealität ist es relativ düster für die Losties. Korruption, Intrigen und ein 10 Meter Leichenberg. Auf der anderen Seite steht die Happy-Happy-Joy Realität in der alles ach so viel besser ist. Jack hatn Sohn, Locke lebt und ist glücklich mit Helen, Sawyer ist kein Conman sondern Cop. Natürlich hat jede Story noch ihren Haken, weil das Leben nun mal nicht perfekt ist. So ist Locke z.B. trotzdem im Stuhl, Sawyer jagt Sawyer und Kate ist born to run. Nichtsdestotrotz ist diese Realität doch wohl tausendmal freundlicher als die Inselrealität. Vor allem durch die schon beinah lachhaft-peinlichen Auftritte anderer Inselbewohner in den FS Stories. Darlton und co haben uns in den FBs in S1 und 2 deutlich bewiesen das die Welt klein ist und sich Charaktere ständig zufällig begegnen oder einen Teil im Leben Anderer spielen. Aber in den Flashsideways ist das echt ein bisschen too much.
Die gezeigten Stories an sich sind aber (mal abgesehen von den Gastauftritten) meistens recht unterhaltsam. So wie die FBs in S1 und 2. Ich würde mir aber auch mal n bisschen mehr Dramatik und Dunkelheit in den FS wünschen, um es so schwerer zu machen sich am Ende für eine Realität zu entscheiden.
Fazit:
Die 6. Staffel ist bisher alles andere als perfekt und ehrlichgesagt auch nicht das was ich vorher erwartet hätte, aber ich bin mir absolut sicher das es steil bergauf geht. Außerdem ist es immer noch besser als 90 % der anderen Serien die ich momentan so gucke.