- Mo 23. Feb 2009, 16:53
#641499
Bei ProSieben wird mindestens
genauso viel wie bei Sat.1 gespart. Die teuren Casting-Shows, die du ansprichst, würden auch bei Sat.1 laufen, aber da in der Vergangenheit - bis auf die erste Staffel von "Star Search" - alle Casting-Shows gnadenlos gefloppt sind, spart man sich dieses Genres. Dafür hat Sat.1 die nächsten drei Jahre den UEFA Cup sowie die Champions League im Programm und wenn man das alles hochrechnet, dann kostet der Fußball bei Sat.1 genauso viel wie "Germany's Next Topmodel", "Popstars" und "Schlag den Raab" in den nächsten drei Jahren zusammen. Zudem lässt Sat.1 so viele eigenproduzierte Serien und Spielfilme wie kein anderer Privatsender produzieren.
Nur einmal ein paar Beispiele, wo bei ProSieben gespart wird: Das Morgenprogramm von ProSieben besteht ausschließlich aus Wiederholungen von alten US-Sitcoms und neuerdings Spielfilmen (wobei da ab und zu auch ein paar Free-TV-Premieren dabei sind). Zuletzt wurde dort sogar eine US-Sitcom als Deutschland-Premiere gezeigt, die schon vor neun Jahren in den USA lief und vor sechs Jahren synchronisiert wurde ("Der Club, der nicht ganz Dichten"). Noch vor wenigen Jahren hätte man solch eine Serie im Archiv "vergammeln" lassen, aber jetzt kann man sich das nicht mehr erlauben. Auch Serien, die schon längst in Vergessenheit gerieten, wurden wieder aus dem Archiv herausgeholt ("Baby Bob", "Raising Dad"). Das sagt schon einiges. Die zunehmenden Wiederholungen der Daytime-Sendungen wurden bereits angesprochen, daher unterlasse ich es, mich in in dieser Hinsicht noch einmal zu wiederholen.
Auch Spielfilme werden viel häufiger wiederholt als zum Beispiel noch vor drei Jahren. Normalerweise sagt man, dass zwischen zwei Ausstrahlungen mindestens ein Jahr liegen sollten, aber bei ProSieben werden nahezu alle Spielfilme zehn Monate nach der Free-TV-Premiere erneut ausgestrahlt. Das hört sich im ersten Moment nicht so schlimm an - und die Quoten zeigen ja auch in keine negative Richtung -, aber der Ausstrahlungsrhythmus geht immer weiter nach unten (einige Filme liefen bereits acht oder neun Monate nach der Erstausstrahlung). In den nächsten Jahren wird das ganze sogar noch schlimmer werden, da ProSiebenSat.1 aufgrund seiner Wirtschaftslage - wie damals nach der Kirch-Insolvenz - keine neuen Verträge mehr mit den Hollywood-Studios schließen kann. Man hört ja, dass ein neues Warner Bros.-Paket an RTL ging, weil ProSiebenSat.1 deutlich weniger geboten hat. Auch ein Paket von Pixar, das zuvor in ProSiebenSat.1-Hand war, ging an RTL.
:arrow: ProSieben ist also mindestens genauso wie alle anderen Sender der ProSiebenSat.1 Group von der momentanen Wirtschaftslage betroffen. Aber eines dürfte doch klar sein: Ressourcen für Stars wie Uri Geller, Heidi Klum und Stefan Raab braucht ProSieben einfach und dafür muss man dann an anderne Ecken gespart werden. Andreas Bartl hat anfangs nicht ohne Grund das Motto "Content ist King-Kong" ausgegeben. Übrigens: Hätte ProSieben seinen bisherigen Standort in Berlin gehabt, hätte zweifelsohne ProSieben nach Unterföhring umziehen müssen und niemand hätte heute über das "ungeliebte Sat.1" (wie von viele Journalisten und intern bei Sat.1 immer die Rede ist) gesprochen.