Wahl zum SPD-Vorsitz 2019 (Stichwahl)

Olaf Scholz & Klara Geywitz (kein Motto)
1
10%
Norbert Walter-Borjans & Saskia Esken (Standhaft Sozial Demokratisch)
6
60%
Egal, denn auf dem Parteitag am 6. Dezember wird eh ein windiger Satiriker die Wahl torpedieren und den Vorsitz erhaschen
3
30%
Enthaltung
Keine Stimmen
0%
von Kerouac
#1536166
vicaddict hat geschrieben: Di 20. Aug 2019, 20:02 Seitdem hat sich die Welt aber weiter gedreht. Finde diese Vergleiche, was Schröder damals erzielt hat, relativ unsinnig. Gerade deshalb, weil den Leuten doch erst danach richtig bewusst geworden ist, was der Kerl da verzapft hat.
Wenn ich mir die Massenproteste, insbesondere in Ostdeutschland, die Radikalisierung Oskar Lafontaines und die Gründung der WASG anschaue, dann war dem größten Teil der Wähler schon klar, was sie wählen. Und wir befinden uns heute in einer Situation, wo seit Jahren rund 80 Prozent der Wähler sagen, dass es ihnen wirtschaftlich gut oder sehr gut geht. Nun ist es natürlich ehrenswert, wenn die SPD versucht, Politik für die 20 Prozent zu machen, denen es schlecht gut. Aber man muss eben auch ein Angebot an die anderen 80 Prozent machen, damit man mehrheitsfähig wird.

Und diese ganze Debatte um Agenda zeigt ja nur wieder, dass die SPD keine zukunftsgerichtete Partei ist. Die Agenda 2010 spielt für die überwaltigende Mehrheit keine Rolle mehr, und nebenbei ist das auch schon Ewigkeiten her. Die SPD sollte deshalb lieber dieses Thema beiseite legen und sich mit den nächsten 20-30 Jahren beschäftigen.

Oder eine andere Partei nimmt diesen politischen Raum ein und füllt es mit sozialdemokratischen Inhalten, während die SPD irgendwelche theoretischen Diskussionen führt über das, was vor 15 Jahren möglicherweile falsch gelaufen ist.
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von vicaddict
#1536185
Die SPD kann das Thema nicht ad acta legen, da es eben für die Leute kein Thema von gestern ist. Woher kommt denn die Annahme, dass das für die Leute keine Rolle mehr spiele? Die Agenda, also Hartz IV und Leiharbeit, spielen gerade im Osten eine verdammt große Rolle. Daran ändert auch kein Mindestlohn etwas, wenn der gerade im Osten dafür sorgt, dass sich die Unternehmen in großer Zahl an genau diesem orientieren.

Ja, die SPD muss sich überlegen wie sie die Zukunft gestalten will. Dazu gehört aber eben die Überwindung dessen, was sie selbst verzapft hat und darauf hat sie keine Antworten. Ohne ein klares Konzept wie man die Agenda 2010 überwindet, wird die SPD weder im Westen noch im Osten etwas reißen.
von Kerouac
#1536188
vicaddict hat geschrieben: Mi 21. Aug 2019, 17:49 Die SPD kann das Thema nicht ad acta legen, da es eben für die Leute kein Thema von gestern ist. Woher kommt denn die Annahme, dass das für die Leute keine Rolle mehr spiele? Die Agenda, also Hartz IV und Leiharbeit, spielen gerade im Osten eine verdammt große Rolle. Daran ändert auch kein Mindestlohn etwas, wenn der gerade im Osten dafür sorgt, dass sich die Unternehmen in großer Zahl an genau diesem orientieren.

Ja, die SPD muss sich überlegen wie sie die Zukunft gestalten will. Dazu gehört aber eben die Überwindung dessen, was sie selbst verzapft hat und darauf hat sie keine Antworten. Ohne ein klares Konzept wie man die Agenda 2010 überwindet, wird die SPD weder im Westen noch im Osten etwas reißen.
Leiharbeit und Niedriglöhne sind definitiv wichtige Probleme, aber eben nicht für die überwältigende Mehrheit der Wähler, wenn man sich die Nachwahlbefragungen oder politikwissenschaftlichen Wahlanalysen anschaut. Den meisten Menschen sagen von sich aus, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht, darunter übrigens auch ein nicht unbeachteter Teil der SPD-Wähler.

Jetzt kann man natürlich ein sehr radikales Programm fordern, wo man die Agenda 2010 abgewinkelten möchte, wenn man sich davon verspricht, diese 20 Prozent der Bevölkerung zu gewinnen. Aber wenn man all diese für sich gewinnt, hat man immer noch nur 20 Prozent. Das ist zwar doppelt so stark wie die heutige Kühnert-SPD, aber man ist immer noch weit davon entfernt, Union und Grüne gefährlich zu werden.

Wenn die SPD wieder erfolgreich sein möchte, dann muss sie Themen ansprechen, die für die Mehrheit der Wähler relevant sind. Dazu gehört z.B. Wohnen oder Umstellung des Arbeitsleben im Zuge von Digitalisierung und Klimawandel, aber ganz sich nicht die Rückabwicklung des Arbeitsmarktes an die Zeit vor 2002. Wir leben im Jahr 2019!

Diese Vergangenheitsbesessenheit der SPD hat schon fast sexuell-neurotische Züge und gerade zu selbstzerstörerische Wirkungen auf die Partei.

Ich rechne stark damit, dass die SPD es nicht schafft, sich von dieser Fixierung auf die Vergangenheit zu befreien, was den Grünen dann die Möglichkeit bietet, diesen Raum zu füllen. Möglicherweise gründet sich eine neue sozialdemokratische Partei.

Deutschland braucht die Sozialdemokratie, aber nicht unbedingt die SPD.
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von Neo
#1536298
TorianKel77 hat geschrieben: Di 20. Aug 2019, 21:31Es ist doch irgendwie lächerlich, dass weder Scholz noch Klingbeil den Schneid haben zu sagen: Dann mach ich's halt allein. Aber da besteht wohl die Furcht irgendwelche Gender-Fanatiker zu verschrecken.
Das kann man aber wirklich nicht bringen, wenn es bisher keine weiblichen Einzelkandidaten gibt und sich zumindest Klingbeil (und Hubertus Heil, der sich sicher gerne Giffey geschnappt hätte) klar für eine Doppelspitze ausgesprochen haben.
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von Wolfsgesicht
#1536309
Der giffey kann ich gar nicht zuhören :D da fühl ich mich immer wie ein Kindergartenkind, weil die so ne Stimmlage hat wie ne Grundschullehrerin xD

Beim Wohnen...das Thema gibts schon immer. Auch ne stärkere Schiene gibts jedes Mal. Da fühl ich mich halt auch jedes Mal verarscht wenn immer die selben Themen kommen und es nie angegangen wird.

Grundsätzlich hat die SPD langsam ihre Zielgruppe doch erneut. Mit Amazon-lageristen, Paketboten die in ihren Lieferwagen leben, immer mehr befristeten Verträgen, immer mehr Scheinselbständigkeit etc. müsste die Zielgruppe eigentlich vorhanden sein. Auch mit Wohnungsmangel, schulsanierungen und kindergartenmangel ist es ja geradezu unfassbar das man da keine Wähler findet.

Aber nachdem ein Schulz sich schon erlaubt hat ein „versprechen“ zu brechen kann man es sich aber schwer erlauben nachdem man sich für die Doppelspitze ausgesprochen hat zu sagen „jetzt doch alleine“. Schon bei AKK so eine Sache mit Parteispitze und Ministeramt. Da macht sich ja schlussendlich die komplette politische Mitte unglaubwürdig(er) was ein gefundenes fressen für grüne und AfD wäre. Im Punkt der Dinge sagen und nicht einhalten sind ja gerade sowohl CDU und auch SPD ganz vorne dabei, wobei die SPD ja Spitzenreiter in der Disziplin ist.
von P-Joker
#1536321
Heute bei ZEIT-Online gelesen. Laut einer RTL-Umfrage liegen die SPD-Kandidaten bei den Mitgliedern angeblich so:

26 % Olaf Scholz und Klara Geywitz
14 % Nina Scheer und Karl Lauterbach
13 % Gesine Schwan und Ralf Stegner
12 % Petra Köpping und Boris Pistorius
07 % Simone Lange und Alexander Ahrens
07 % Christina Kampmann und Michael Roth

Das wäre dann wohl mal wieder typisch Deutsch!
Tagein, tagaus wird davon geschwafelt und geschrieben, es müssen neue Leute her, jüngere, vielleicht auch unbekanntere.
Und was wird gemacht? Gewählt werden die mit dem höchsten Bekanntheitsgrad!
Verstehe einer der will.

Meine persönliche Reihenfolge sähe übrigens so aus:

1. Simone Lange und Alexander Ahrens
2. Petra Köpping und Boris Pistorius
3. Gesine Schwan und Ralf Stegner
Olaf Scholz läge bei mir abgeschlagen auf dem letzten Platz!
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von vicaddict
#1536322
Es wäre zu hinterfragen wie seriös diese Umfrage ist.

Sollte sie stimmen, kann man es den Mitgliedern aber auch nicht übel nehmen. Woher soll man all diese Leute auch kennen? Sollte es dabei bleiben, wären 26% aber auch alles andere als ein souveränes Ergebnis. Wird es denn eine einfache Wahl, gibt es Stichwahl, etc? Weiß man da was? So sehr habe ich damit noch nicht beschäftigt, aber GroKo Freund Scholz würde ich keine 12 Monate an der Spitze geben, schließlich ist ja schon seine Busenfreundin Nahles am selben Kurs gescheitert.
von Kerouac
#1536323
Die Umfrage wurde von Forsa durchgeführt und ist damit seriös. Interessant ist auch zu sehen, dass laut selber Umfrage 54 % der SPD-Wähler nicht wollen, dass die SPD sofort aus der GroKo aussteigen. Nur 42 % der SPD-Wähler sind für einen sofortigen Ausstieg. Im Grunde genommen ist die SPD in zwei fast gleich große Fraktionen gespaltet. Für eine Partei ist das natürlich Gift.
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von vicaddict
#1536329
Mal schauen wie das in einer Woche aussieht. Dann sind die ersten beiden von drei Wahlen abgehakt und die desaströsen Ergebnisse beider Volksparteien Realität. Dann wird wieder der Panikmodus einsetzen. Wer weiß schon, was da alles passiert?
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von Kaffeesachse
#1536331
Bei drölfzig Umfragen pro Woche kauft denen aber auch keiner mehr den Panikmodus ab. Aber vielleicht kommt das ja auch alles so plötzlich wie Weihnachten. :grin:
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von Neo
#1536332
Ist ein bisschen wie bei der Bahn, die sich dann immer im Winter über den plötzlichen Schnee wundert.

Was die Umfrage betrifft: Ich würde da einfach mal die Tour abwarten.
von Roman
#1536488
Denke nicht, dass das passieren wird. 😉
Eher wird sich noch Lutz van der Horst aufstellen lassen, der ist immerhin schon SPD Mitglied.
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von Neo
#1536497
Ist Lutz van der Horst nicht schon wieder aus der SPD ausgetreten?

Wolfsgesicht hat geschrieben: Fr 30. Aug 2019, 08:03 Dann wähl ich sie :')
Und Neo dann wohl auch :D
Mach ich doch ohnehin fast immer. Und wenn man das ernsthaft betrachtet, dann muss man schon sagen, dass viele mit ihm wirklich noch am ehesten auf einer Linie wären und die Rhetorik+Kommunikation einfach stärker ist, als von jedem anderen, der da antritt.

Hatte so eine Aktion schon erwartet, frage mich aber wirklich, weshalb das jetzt so viral geht. Klar, von der Community mit dem Hashtag, aber die anderen Medien, die wirklich ernsthaft darüber berichten, ich verstehs nicht.
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von vicaddict
#1536501
Ich finde es vor allem arg daneben, so ne Nummer abzuziehen. Wie war das noch mit Leuten, die am Boden liegen? Böhmermann nimmt noch richtig Anlauf, bevor er zutritt.
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von Neo
#1536502
Naja, wenn er es Selenskyj -like ernst nehmen würde, dann wäre das noch zu vertreten, aber so kurzfristig, mit irgendwelchen Bezirken, die sich so ein bisschen Aufmerksamkeit verschaffen wollen und einer Kandidatin, die erstmal keiner kennt und sich wahrscheinlich auch eher einen Schub verspricht (wenns denn die beiden Frauen geben sollte, aber das glaube ich mal), ist das nicht gerade SPD-freundlich. Und man kann auch nicht davon sprechen, dass wir so harte politische Zeiten hätten, wie die in der Ukraine sie erlebt. So als kleiner Gag finde ich das 1. okay 2. erwartbar, dieses Mittelding allerdings eher ermüdend, zumal es wirklich nicht schwierig ist, die paar Bezirke zu bekommen und irgendjemanden zu finden, der ihm die Mitgliedschaft ausstellt.
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von Neo
#1536640
Hallo liebe Genossinnen und Genossen!
Habe jetzt ne Umfrage erstellt. Ihr könnt abstimmen (und ändern!) wie ihr gerade lustig seid. Manche Teams treten mit einem Motto an, um 1. zusammenzufassen, was ihnen wichtig ist und 2. schlicht hip zu sein, auch wenn die meisten klingen wie der Arbeitstitel einer schlechten Sat.1 Soap (über Sozen).

Zum Ablauf:
4. September 2019 – 12. Oktober 2019: Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten auf 23 Regionalkonferenzen
14. – 25. Oktober 2019: Erste Mitgliederbefragung
26. Oktober 2019: Veröffentlichung des Ergebnisses der ersten Mitgliederbefragung
19. – 29. November 2019: Ggf. Zweite Mitgliederbefragung mit Stichwahl zwischen Erstem und Zweitem aus der ersten Mitgliederbefragung
30. November 2019: Ggf. Veröffentlichung des Ergebnisses der zweiten Mitgliederbefragung
6. – 8. Dezember 2019: Parteitag in Berlin mit formeller Wahl des Parteivorsitzes und ggf. formelle Implementierung einer Doppelspitze
Für Leute die es ein bisschen heiterer, knapper und verständlicher haben wollen :point_right_tone1: Markus Feldenkirchen (SPIEGEL), der sich alle Konfis ansehen wird/muss ':)

Mehr zu den Kandidaten und dem Ablauf: Wahl zum SPD-Vorsitz 2019
Lange/Ahrens sind übrigens raus, weil sie zugunsten von Esken/Walter-Borjans zurückgezogen haben.

Für irre Leute: die erste Regionalkonferenz(Saarland)
Für komplett irre Leute: Ein Stream der SPD, indem geschlagene 2 Stunden nichts (!!!) passiert.
von Kerouac
#1536784
Die Jusos wieder at its best. :')

https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 86700.html

Die Jusos haben sich mal wieder an Niveaulosigkeit überboten. Schon traurig zu sehen, wie der Parteinachwuchs von SPD, aber auch der von der Union, zu einer reinen Witzveranstaltung verkommen ist. Ich will mir nicht vorstellen, wie einige von denen in 20-30 Jahren die Geschicke des Landes mitbestimmen.
von TB-303
#1536962
Warum lässt es das ZDF eigentlich zu, dass jemand über eine Sendung bei ihnen ganz aktiv eine politische Karriere vorbereitet?
Insbesondere wenn die zugehörige Kampagnenseite ein Musterbeispiel für Populismus ist (und nein, keine Parodie darauf) und es teilweise auch schon ins Radikale geht (wenn zB Einführung des Sozialismus gefordert wird; für dessen demokratisches Funktionieren es bisher nicht so viele Beispiele gab in der Geschichte).
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von Neo
#1537269
Keine Ahnung, was ich erwartet habe, aber es langweilt mich und geht bisweilen auch an mir nahezu komplett vorbei. Ich kann das Ende des Monats kaum abwarten. Und wenn ich die Aktivität hier im Thread und bei der Umfrage richtig interpretiere, dann gehts den meisten auch so.


Mal ein paar Zahlen, die wahrscheinlich eh nichts wert sind, für die Zahlen-Freaks:
Wahlkreisprognose.de hat nach eigenen Angaben 397 SPD-Mitglieder befragt, die Fehlermarge gibt das Institut mit +/- 3,5 Prozent an. - Nichts viele Befragte, dafür dann eben auch eine üppige Fehlermage

Ja GroKo 45 % / Nein GroKo 40%

Wie die Befragten wählen würden:
23 % Kampmann & Roth
21 % Esken & Borjans
20 % Köpping & Pistorius
19 % Geywitz & Scholz
06 % Schwan & Stegner
05 % Scheer & Lauterbach
01 % Mattheis/Hirschel
05 % kP

Was die Befragten denken, wer es werden wird:
35 % Geywitz & Scholz
15 % Köpping & Pistorius
14 % Esken & Borjans
13 % Kampmann & Roth
05 % Schwan & Stegner
05 % Scheer & Lauterbach
00 % Mattheis/Hirschel
03 % kP

Nette Zusammenfassug mit mehr Zahlen: WELT
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von Wolfsgesicht
#1537271
Das ist für die Mitglieder vor Ort sicherlich spannend, für den Außenstehenden aber von keinem Interesse. Wahrscheinlich weiß das Gros nicht mal wer für was steht (ich auch nicht).
Irgendwann kommt dann halt die Wahl, Böhmermann gewinnt und alles war für die Katz xD
Gut, das passiert wohl nicht. Aber erst ab da wird’s wieder interessant, bis dahin wird der Thread wohl schlafen.