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BeitragMo 28. Apr 2014, 21:53 
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Ja, ich bin 40 Prozent! :mrgreen:


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BeitragMo 28. Apr 2014, 22:01 
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:mrgreen:

Wobei ich wetten würde, dass kaum jemand wirklich weiß, wofür die einzelnen Parteien auf europäischer Ebene stehen. Die Europawahl war ja leider schon immer das Stiefkind, weil es die Politik immer wieder gerne unterlässt, die Idee und Politik in Europa zu erklären.

Und am Ende bleibt die Regelung der Krümmung der Gurke übrig, die es gar nicht mehr gibt. Ein Europäisches Parlament, dass dazu dient, doppelt abzusahnen an Tagesgeld. Und Streit um eine Verfassung.

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BeitragMo 28. Apr 2014, 22:05 
Vorstandsvorsitzende/r
 
 
Mein Ergebnis, hätte ich aber auch beinahe so erwartet:

SPD 85,2
Grüne 81,8
Piraten 76,1
Linke 75,0
FDP 56,8
CDU 55,7
AfD 39,8
NPD 37,5


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BeitragMo 28. Apr 2014, 23:13 
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baumarktpflanze hat geschrieben:
Wobei ich wetten würde, dass kaum jemand wirklich weiß, wofür die einzelnen Parteien auf europäischer Ebene stehen. Die Europawahl war ja leider schon immer das Stiefkind, weil es die Politik immer wieder gerne unterlässt, die Idee und Politik in Europa zu erklären.


Es geht doch vor allem "nur" um das Europäische Parlament, das in Anbetracht dessen, dass es die einzig wirklich demokratisch legitimierte Institution der EU ist, meines Erachtens lächerlich wenig Einfluss hat. Das macht dann irgendwie wenig Spaß und ist auch nur so mittel sexy. Vor fünf Jahren bin ich auch gar nicht zur Wahl gegangen, obwohl ich da schon politisch durchaus interessiert war und zu Bundestags- und Landtagswahlen danach immer ging...

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BeitragMo 28. Apr 2014, 23:36 
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Aber wir haben die entsprechenden Möglichkeiten. Dennoch werden die entsprechenden Möglichkeiten nicht wirklich genutzt und das, was in Europa und auf europäischer Ebene passiert, nicht ausreichend erklärt. Vielleicht geht das auch nicht, weil es einfach keine Idee von Europa gibt, die alle teilen. Vielleicht geht das nicht, weil Europa eben nicht mit einer Stimme spricht und am Ende die Nationalstaaten einzeln einen Dickkopf haben.

Dennoch hat Europa aber auch Vorteile, die weit über dem liegen, was hier als Bürokratiemonster ankommt. Es wäre die Aufgabe von Herrn Schulz und Herrn Cohn-Bendit und all den anderen den Bürgern diese Vorteile und die Bedeutung von Europa zu vermitteln. Sie tun das vielleicht auch. Nur allein: Es kommt nicht an. Und wenn ich dann im Wahl-O-Maten beispielsweise was von EU-weiten Volksentscheiden lese, frage ich mich was dann dabei herauskommen soll.

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BeitragMo 28. Apr 2014, 23:44 
Journalist/in
 
 
Bei mir kam das heraus:

SPD 75 %
Piraten 71 % :shock:
Grüne 67 %
CSU 60 %
CDU 59 %
Linke 59 %
FDP 57 %
AfD 48 %

Fernsehfohlen hat geschrieben:
Es geht doch vor allem "nur" um das Europäische Parlament, das in Anbetracht dessen, dass es die einzig wirklich demokratisch legitimierte Institution der EU ist, meines Erachtens lächerlich wenig Einfluss hat. Das macht dann irgendwie wenig Spaß und ist auch nur so mittel sexy. Vor fünf Jahren bin ich auch gar nicht zur Wahl gegangen, obwohl ich da schon politisch durchaus interessiert war und zu Bundestags- und Landtagswahlen danach immer ging...


Inwiefern definierst du Legitimation? Der Begriff Legitimation schließt sowohl Input-, als auch Output- und Throughput-Legitimition ein. Die EU legitimiert sich gerade durch kollektiv verbindliche Entscheidungen, also den Ergebnissen (Output). Gerade durch den Vertrag von Lissabon gab es eine Stärkung des Europäischen Palamentes. Es geht Schritt für Schritt in die richtige Richtung. Immerhin muss das Europäische Parlament in immer mehr Politiken mit einer qualifizierten Mehrheit zustimmen und besitzt auch das Budgetrecht.


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BeitragMo 28. Apr 2014, 23:53 
Administrator
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baumarktpflanze hat geschrieben:
Aber wir haben die entsprechenden Möglichkeiten. Dennoch werden die entsprechenden Möglichkeiten nicht wirklich genutzt und das, was in Europa und auf europäischer Ebene passiert, nicht ausreichend erklärt. Vielleicht geht das auch nicht, weil es einfach keine Idee von Europa gibt, die alle teilen. Vielleicht geht das nicht, weil Europa eben nicht mit einer Stimme spricht und am Ende die Nationalstaaten einzeln einen Dickkopf haben.

Dennoch hat Europa aber auch Vorteile, die weit über dem liegen, was hier als Bürokratiemonster ankommt. Es wäre die Aufgabe von Herrn Schulz und Herrn Cohn-Bendit und all den anderen den Bürgern diese Vorteile und die Bedeutung von Europa zu vermitteln. Sie tun das vielleicht auch. Nur allein: Es kommt nicht an. Und wenn ich dann im Wahl-O-Maten beispielsweise was von EU-weiten Volksentscheiden lese, frage ich mich was dann dabei herauskommen soll.


Ich hab ja manchmal etwas Angst, meine ehrliche Meinung kundzutun, aber wenn ich in Richtung Europawahl denke, habe ich immer das Gefühl, da ein ziemlich halbherziges Instrumentarium vor mir zu sehen, um den EU-Bürgern das Gefühl zu vermitteln, es ginge in diesem Apparat einigermaßen demokratisch zu. Bei mir ist es gar nicht nötig, mir zu vermitteln, dass die EU an sich viele positive Auswirkungen auf Europa hat, das sehe ich schon selbst. Bei mir wäre es viel nötiger, mir mal zu zeigen, dass dieser Apparat auch wirklich ernsthaft vorhat, demokratisch konzipiert zu sein. Das sehe ich kaum und das raubt mir das wirklich große Interesse an dieser Wahl.

Auf der anderen Seite weiß ich manchmal aber auch gar nicht, ob es in Anbetracht des derzeit fortschreitenden Rechtspopulismus so ratsam wäre, den Bürgern mehr Macht zu geben. Aber das ist dann wieder die alte Leier vom dummen Bürger, vor dem die Politik Angst hat...

Kerouac hat geschrieben:
Gerade durch den Vertrag von Lissabon gab es eine Stärkung des Europäischen Palamentes.


Jo, das stimmt schon, aber mir ist das bisher immer noch viel zu wenig, als dass ich bei der EU davon sprechen könnte, sie wäre wirklich "demokratisch" gewählt.


Fohlen

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BeitragDi 29. Apr 2014, 00:13 
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Ich glaube nicht, dass die Politik Angst vor dem dummen Bürger haben muss. Der Bürger ist nicht dumm - und ich glaube schon, dass viele durchaus ein Interesse an politischen Prozessen haben und auch zur Wahl gehen würden. Es ist nur so, dass die politischen Prozesse nicht nur auf europäischer Ebene derart komplex geworden sind, dass die Menschen keine Chance mehr haben, sie zu verstehen oder vielleicht sogar zu beeinflussen oder durch ihre Stimme zu legitimieren.

Ich sehe es ja an mir selbst: Ob der Mindestlohn positive oder negative Auswirkungen haben wird? Ich weiss es nicht. Ob die Finanzkrise eine Banken- oder eine Schuldenkrise oder beides war? Ich weiss es nicht.Und viele Freundr in meinem Umfeld wissen das auch nicht. Sie verstehen die komplexen Prozesse dahinter schlicht nicht mehr. Und so es schön, wenn jemand wie Herr Schulz diese Prozesse erklären könnte. Und mir das Gefühl vermitteln würde, dass er weiß, was er macht. Wahrscheinlich kann er wenn dann nur Letzteres.

Und insofern kann ich auch Leute durchaus verstehen, die dann schlicht nicht mehr wählen gehen, auch wenn das keine Lösung ist. Aber warum soll man für etwas abstimmen, wenn man nicht mal mehr weiß, für was man abstimmt?

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Zuletzt geändert von baumarktpflanze am Di 29. Apr 2014, 00:15, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragDi 29. Apr 2014, 00:14 
Journalist/in
 
 
Fernsehfohlen hat geschrieben:
Jo, das stimmt schon, aber mir ist das bisher immer noch viel zu wenig, als dass ich bei der EU davon sprechen könnte, sie wäre wirklich "demokratisch" gewählt.


Dass die EU ein demokratisches Defizit hat, lässt sich ja nicht hinwegtäuschen. Das hängt ja größten Teils damit zusammen, dass die verschiedenen Institutionen vor der Gründung der EU verschiedene Kompetenzen hatten. Deshalb ist das Verfahren in der Agrarpolitik anders als in der Umweltpolitik. Die verschiedenen Verfahren sind mittlerweile so komplex, dass manchmal sogar die Kommision überhaupt nicht mehr bescheid weiß.

Eine interessante Frage vom Wahl-O-Meter ist meiner Meinung nach die Frage, ob die EU oder der Nationalstaat Sozialleistungen vergeben sollte. Ich muss zugeben, dass ich da gespalten bin. Wenn wir davon ausgehen, dass wir ein europäisches Sozialsystem haben, in dem jeder unabhängig von seinem Nationalstaat die gleiche Höhe an Sozialleistungen bekommt, dann bedeutet dies evtl. für Arbeitslose aus eher wohlhabenderen Staaten Kürzungen. Ein europäisches Sozialsystem, welches ungefähr wie in Deutschland oder in Skandinavien existiert, lässt sich europaweit sicherlich nicht realisieren und finanzieren.


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BeitragDi 29. Apr 2014, 01:45 
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baumarktpflanze hat geschrieben:
Ich glaube nicht, dass die Politik Angst vor dem dummen Bürger haben muss. Der Bürger ist nicht dumm - und ich glaube schon, dass viele durchaus ein Interesse an politischen Prozessen haben und auch zur Wahl gehen würden. Es ist nur so, dass die politischen Prozesse nicht nur auf europäischer Ebene derart komplex geworden sind, dass die Menschen keine Chance mehr haben, sie zu verstehen oder vielleicht sogar zu beeinflussen oder durch ihre Stimme zu legitimieren.

In einer funktionierenden Demokratie besteht immer eine Holschuld für Informationen. Diese Holschuld wird aber vielfach nicht wahrgenommen, weil es keine direkten Anreize gibt und Menschen nicht dumm, aber ignorant sind. Ich finde es erstaunlich, wie der Konsens heutzutage ist, dass sozialistische Systeme am Menschen scheitern, aber nie hinterfragt wird, ob Demokratien diesbezüglich nicht auch gefährdet sind. Es ist eben nicht die Aufgabe eines Exekutiv- oder Legislativorgans dir die Welt zu erklären - das ist allein die von dir geforderte Verantwortung als jemand, der an gesellschaftlicher Teilhabe interessiert ist.

Andererseits ist es wahr, dass die Welt heute sehr viel komplexer ist als noch vor einigen Jahrzehnten und die Holschuld daher immer zeitaufwändiger wird. Das Limit ist nicht mehr der Zugang zu Informationen, sondern der Aufwand diese zu verarbeiten.
Demokratien müssten sich an diesem Punkt weiterentwickeln und neue unabhängige Gewalten schaffen, die dem Ziel der (politischen) Bildung sowie dem Anreiz diese wahrzunehmen, nachkommen. Eine demokratisch legitimierte Regierung bringt niemandem etwas, wenn sie Entscheidungen trifft, die der Gesellschaft schaden. Checks und Balances sowie Transparenz nützen keinem, wenn niemand weiß, worauf geschaut werden muss. Dass wir unsere Gewalten immernoch wie vor 200 Jahren zu teilen versuchen, ist eigentlich erschreckend.
Im Moment gibt es jedenfalls solche Organe nicht (nein, Medien erfüllen die Aufgaben einer vierten Gewalt in keinster Weise) und so erhalten wir eine unliebsame Kombination aus Ignoranz und Überforderung der Wahlbevölkerung. Aufgrund dieser Basis kann man direkte Volksentscheide nur ablehnen, da sie dem Menschen eine Verantwortung abverlangen, die er (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt) niemals ausüben kann - schon gar nicht vor dem Hintergrund der Heterogenität der EU.

Ich persönlich finde die Institution des Europa-Parlaments an sich sehr viel demokratischer als unseren Bundestag, da es keine Regierungskoalition gibt und somit weniger Parteienzwang, wechselnde Mehrheiten, starke Oppositionen sowie mehr Heterogenität und damit nach meinem Empfinden mehr objektive als ideologische Überzeugungsarbeit geleistet wird. Leider macht das Parlament aber nur einen Teil der Legislative aus und so sind EU-Gesetze niemals rein durch die Europa-Wahl legitimiert und letztlich eben doch viel Gemauschel - je nachdem in welchem Land gerade nationale Parlamentswahlen anstehen. Das ist bedauerlich und wertet das an sich tolle EU-Projekt ziemlich ab - insbesondere für Anhänger kleinerer Parteien, deren Vertreter nicht an der Kommission oder dem Rat beteiligt sind.

Zitat:
Eine interessante Frage vom Wahl-O-Meter ist meiner Meinung nach die Frage, ob die EU oder der Nationalstaat Sozialleistungen vergeben sollte. Ich muss zugeben, dass ich da gespalten bin. Wenn wir davon ausgehen, dass wir ein europäisches Sozialsystem haben, in dem jeder unabhängig von seinem Nationalstaat die gleiche Höhe an Sozialleistungen bekommt, dann bedeutet dies evtl. für Arbeitslose aus eher wohlhabenderen Staaten Kürzungen. Ein europäisches Sozialsystem, welches ungefähr wie in Deutschland oder in Skandinavien existiert, lässt sich europaweit sicherlich nicht realisieren und finanzieren.

Inwiefern kann man da gespalten sein? Eine gemeinsame Sozialpolitik stände im Widerspruch zu alle europäischen Grundprinzipien. Man sollte viel eher überlegen, ob Sozialpolitik nicht zurück auf die Länderebene geholt werden sollte (bei entsprechender Steuerumlage), anstatt sie auf eine noch höhere Ebene zu hieven. Europa funktioniert nicht mit Gleichmacherei - dafür ist es viel zu heterogen. Stattdessen braucht es Förderalismus und Subsidiaritätsprinzip.


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BeitragDi 29. Apr 2014, 08:30 
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Ich glaube nicht, dass jemand ignorant ist, weil er einfach bestimmte Fragen nicht stellt. Ich bin nicht ignorant, weil ich nicht verstanden habe, welche Ausiwrkungen der Mindestlohn hat und ich bin auch nicht ognorant, weil ich nicht verstanden habe, was nun eigentlich die Finanzkrise war.

Klar, das ist ein Stück weit auch meine eigene Schuld und Teil meiner Verantwortung: ich könnte es wissen. Jeder hat in Deutschland die Möglichkeit, an eine gewünschte Information zu kommen, solange sie nicht irgendeiner Geheimhaltung unterliegt und kann so dem, was man Holschuld nennt, nachkommen. Es ist nur eine Frage der Anlaufstelle, des Zeitaufwandes und nicht zuletzt auch des eigenen Interesses, des Willens und ganz sicher auch der richtigen Frage.

Wenn ich so eine Frage habe und sie ein politisches Thema betrifft, kann ich mich beispielsweise an einen örtlichen Abgeordneten in seiner Sprechstunde wenden und ihn fragen. Ich kann an den Gemeinderat eine Frage richten. ich kann den Bürgermeister fragen. Ich kann mich auch eine der vielen Start-Ups im Internet wenden: Abgeordnetenwatch, politaktiv, offenekommune und wie sie alle heißen. Kurz: Ich habe durchaus die Möglichkeit.

Aber darum geht es mir gar nicht. Mir geht es darum, dass auch Politiker von sich aus erklären sollten, was sie da eigentlich tun. Zugegeben, das tun sie im Grunde ja auch: In jeder x-beliebigen Talkshow, über Zeitungen, auf ihrer Homepage. Nur es dringt nicht beim Bürger mehr durch in der Flut der Informationen und auch in der Flut der verschiedenen Interessengruppen.

Hier haben die Medien ihre Aufgabe. Das heute journal, die tagesthemen und all die anderen Nachrichtensendungen erklären mir jeden Tag die Welt. Sie sollen einordnen und Zusammenhänge deutlich machen. Die Frage ist aber, inwieweit das im Rahmen der komplexen Zusammenhänge, die sich in Europa abspielen, überhaupt noch möglich ist. Klar kann ich in einem schicken Schaubild erklären, warum eine Bank verstaatlicht wurde und vielleicht auch, wie das genau passiert. Die Frage ist aber, ob man einem Journalisten vorwerfen kann, dass auch er die genauen Zusammenhänge der Finanzkrise dann doch nicht so genau kennt, weil er keine Zeit hat, sie zu recherchieren. Weil er niemanden findet, der sie ihm erklärt. Und schlichtweg: Weil er, bis er schließlich die Information hat, die er gesucht hat, sich schon wieder mit einem neuen Beschluss und einer neuen Lage zurechtfinden muss.

Die Dinge sind nicht nur so komplex geworden, dass man sie mit wenigen und einfachen Worten schlicht nicht mehr erklären kann, ohne das sie falsch oder unvollständig erklärt werden. Die Dinge sind auch so verdammt schnell geworden. Und da ist es am Ende irgendwie kein Wunder, dass beim Bürger hängenbleibt, dass es in Europa um die Krümmung der Gurken geht.

Nun ist es einfach, allein die Schuld beim Bürger zu suchen und ihn dann ignorant zu nennen. Zielführend ist es aber nicht. Nehmen wir nochmal die Finanzkrise: Wenn ich das Wahlprogramm der Parteien nicht einordnen kann, weil ich die Abläufe der Finanzkrise schlicht nicht verstanden habe, dann bin ich nicht ignorant. Vielleicht verstehe ich die Finanzkrise nicht, weil ich die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht kenne. Vielleicht verstehe ich die Finanzkrise nicht, weil ich schlicht nicht weiß, was jetzt der nächste richtige Schritt ist. ich kann also nicht die richtigen Fragen stellen und wenn ich doch eine stelle, ist die Gefahr groß, sie an die entsprechend falsche Lobby zu stellen. Davon, dass ich studiert habe und nicht "nur" eine Ausbildung gemacht habe, reden wir gar nicht.

Bleiben am Ende also diejenigen, die die Entscheidungen in der Schnelligkeit treffen, dass die Medien mit dem Erklären nicht mehr hinterherkommen oder schlicht der Aufgabe nicht gewachsen sind: Die Politiker und ihre Experten.

Ich als Bürger habe nun meine Bürgersprechstunde oder die entsprechenden Portale im Netz und kann da meine Abgeordneten fragen: Das Problem ist aber, dass selbst die Abgeordneten in meinem Wahlkreis die Abläufe der Finanzkrise nicht erklären können, weil sie sie selbst nicht verstehen. Sie stimmen im Bundestag zwar ab, aber haben gar nicht die Zeit, die entsprechenden Papiere vorher alle zu lesen. Das Problem ist, dass selbst die Abgeordneten in meinem Wahlkreis darauf verweisen, dass es entsprechende Experten gibt, die die entsprechenden Politiker beraten, dass es entsprechende Ausschüsse gibt und dass nicht zuletzt auch sie gar nicht zuständig sind für die entsprechenden Beschlüsse.

Und das ist ein Problem! Da reden wir noch gar nicht über jemanden, der die Zeit gar nicht hat, die entsprechenden Mglichkeiten wahrzunehmen. Dessen Interesse vielleicht nicht unbedingt bei der Finanzkrise liegt. Der froh ist, dass er seinen Bafög-Antrag überhaupt alleine ausfüllen kann.

Ich kann verstehen, dass Bürger in so einer Situation entweder darauf hoffen, dass es Menschen gibt, die wissen, was sie da tun und das niemand ein Interesse daran hat, das Land gegen die Wand zu fahren. Ich kann aber auch verstehen, dass der Bürger aus dieser Art von Komplexität am Ende einfach auch ein Stück weit aussteigt und die da oben einfach machen lässt. Die Folge ist, dass die da oben aus der Sicht des Bürgers einen kleinen Kreis bilden, die machen können, was se wollen. Dass sie das nicht tun, ist eine Sache. Das am Ende dann aber doch nur die Krümmung der Gurken übrig bleibt, eine andere.

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BeitragDi 29. Apr 2014, 17:26 
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Natürlich ist es vollkommen ignorant und narzisstisch, wenn du mit deiner Stimme über das Leben anderer Menschen entscheidest, obwohl du die wichtigsten Themen nicht beurteilen kannst. Noch ignoranter ist es, die Verantwortung sich zu bilden auf andere abzuwälzen: Legislativ- und Exekutivorgane (Talkshows, Abgeordnete) als Informationsquelle zu gebrauchen, schreit ja förmlich nach Interessenskonflikt - da ist Nichtinformieren wahrscheinlich sinnvoller.
Allerdings ist diese Ignoranz auch komplett menschlich und daher überhaupt nicht negativ zu bewerten. Es ist ja gerade meine Kritik, dass wir ein System haben, das den Menschen idealisiert (a la "wählen gehen, ist wichtig", "lies die Wahlprogramme" und "wende deine beschränkte Freizeit auf, um dich über Dinge zu belesen, die dir eigentlich total egal sind") anstatt ihm realistische Verantwortungen zu übertragen. Das Ergebnis sind "runtergedummte" Catchphrases und Infotainment, das auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten ist und an der Realität völlig vorbei geht. Kein Mensch kann (mehr) die Folgen seiner Wahl komplett abschätzen, warum also überhaupt diese Illusion vermitteln?


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BeitragDi 29. Apr 2014, 17:50 
Inventar
 
 
Sehr überraschend...

GRÜNE 90,8 %
PIRATEN 86,8 %
DIE LINKE 82,9 %
SPD 81,6 %
Die PARTEI 69,7 %
FDP 53,9 %
CDU 48,7 %
AfD 46,1 %


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BeitragDi 29. Apr 2014, 21:11 
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CDU und SPD ganz oben. Bin immer noch ein Kind der Mitte. :)


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BeitragMi 30. Apr 2014, 01:46 
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Ich lasse mal diesen Wahlnavigator hier, der sehr viel interessanter ist als der wahl-o-mat. Insbesondere die Kategorien "Meine Europapolitik" und "Mein Europa" sowie die Übersicht über andere europäische Parteien sind fancy 8) .
Ich sollte nach Holland auswandern.


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BeitragMi 30. Apr 2014, 02:20 
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Trötenflöter hat geschrieben:
Ich lasse mal diesen Wahlnavigator hier, der sehr viel interessanter ist als der wahl-o-mat. Insbesondere die Kategorien "Meine Europapolitik" und "Mein Europa" sowie die Übersicht über andere europäische Parteien sind fancy 8) .
Ich sollte nach Holland auswandern.

:lol: Grüne ganz oben. Was für ein Quatsch... :lol: Da hat mir der Wahl-O-Mat ein schöneres Ergebnis geliefert. :wink:


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BeitragMi 30. Apr 2014, 02:23 
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Bei mir hat er ein, nach meiner Perzeption, sinnvolleres Ergebnis geliefert als der wahl-o-mat: CSU und NPD ganz unten, das war beim wahl-o-mat nicht so. Liegt vielleicht daran, dass hier sehr viel mehr öffentliche Aussagen in Betracht gezogen werden und Parteien somit ihre Antworten nicht nach größtmöglicher Schnittmenge manipulieren können. Dieses Problem ist ja sehr bekannt beim wahl-o-mat bezüglich der NPD.


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BeitragMi 30. Apr 2014, 02:37 
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GRÜNE - 76%
SPD - 75%
FAMILIE - 75%
PIRATEN - 73%
DIE LINKE - 72%
FDP - 70%
FREIE WÄHLER - 67%
Tierschutzpartei - 66%
CDU - 63%
NPD - 59%
REP - 56%
CSU - 53%
AfD - 51%


Alle Parteien:
ORAH (Kroatien) - 77%
SDP (Finnland) - 77%
SPÖ (Österreich) - 77%
Grüne
DeSUS (Slowenien) - 76%
LSDP (Litauen) - 76%
SPD
Kukuriku (Kroatien) - 75%
FAMILIE
...
...
...
LSNS (Slowakei) - 47%
PP (Spanien) - 47%
LN (Italien) - 43%
UKIP (Großbritannien) - 40%


Joar, welche Erkenntnisse soll ich daraus jetzt ziehen? :lol:


Fohlen

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BeitragMi 30. Apr 2014, 02:40 
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Fernsehfohlen hat geschrieben:
Joar, welche Erkenntnisse soll ich daraus jetzt ziehen? :lol:

Naja, ich gehe mal davon aus, dass das ein für dich sinnvolleres Ergebnis ist als das Piraten-Grüne-Linke-Ergebnis des wahl-o-mats :).


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BeitragMi 30. Apr 2014, 02:54 
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Trötenflöter hat geschrieben:
Fernsehfohlen hat geschrieben:
Joar, welche Erkenntnisse soll ich daraus jetzt ziehen? :lol:

Naja, ich gehe mal davon aus, dass das ein für dich sinnvolleres Ergebnis ist als das Piraten-Grüne-Linke-Ergebnis des wahl-o-mats :).


Würde ich so gar nicht mal sagen. Grüne, SPD, Linke und Piraten waren schon bei den letzten Wahlen eigentlich immer die vier Parteien, zwischen denen ich mich entscheiden musste. Und ob die eine Partei nun 76% Übereinstimmung und die andere nur 73% hat... naja, da sind die Differenzen so marginal, dass ich da nicht die große Aussagekraft drin sehe.

Erfreulich ist das Feld hinten für mich, auch wenn ich die echten Nazis gerne ganz hinten gesehen hätte. Aber gut, CSU und AfD ganz hinten passen auch. Dafür gefallen mir die 70% für die FDP halt überhaupt nicht, weil ich die vom wirklich rechten Gesocks (AfD, REP, NPD) mal abgesehen in den letzten Jahren eigentlich am furchtbarsten und zynischsten fand von allen mehr oder minder relevanten Parteien. Ich kann mir das zwar insofern erklären, dass für mich Freiheit immer vor Sicherheit (was ja unterm Strich immer auf Massenüberwachung hinausläuft) geht und ich hier die größten Übereinstimmungen mit der FDP haben dürfte, aber das alleine ist mir dann doch viel zu wenig, um zustimmen zu können, dass ich eine 70%ige Übereinstimmung mit der Partei habe. Da ist mir die CDU doch letztlich lieber und die liegt ja doch schon recht deutlich zurück.

Letztlich zeigen mir die Ergebnisse, dass ich wie gewohnt halt zwischen den vier Parteien wählen muss, zwischen denen ich eh Probleme habe, mich zu entscheiden. Das find ich in beiden Fällen zwar beruhigend, aber auch irgendwie... erwartbar und wenig hilfreich. Und am Ende wähle ich dann wahrscheinlich wieder Grüne oder SPD, weil mir die Linke zu "extrem" ist und die Piraten halt viele bescheuerte Leute in den eigenen Reihen haben. :?


Fohlen

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BeitragMi 30. Apr 2014, 03:00 
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Ich habe genau eine Partei mit 70% Zustimmung. Der Rest liegt unter 60%. Auch ne Leistung.


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BeitragMi 30. Apr 2014, 03:02 
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Trötenflöter hat geschrieben:
Ich habe genau eine Partei mit 70% Zustimmung. Der Rest liegt unter 60%. Auch ne Leistung.


Lass mich raten: Die FDP hat die 70%? :mrgreen:

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BeitragMi 30. Apr 2014, 03:04 
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Fernsehfohlen hat geschrieben:
Trötenflöter hat geschrieben:
Ich habe genau eine Partei mit 70% Zustimmung. Der Rest liegt unter 60%. Auch ne Leistung.


Lass mich raten: Die FDP hat die 70%? :mrgreen:

Vielleicht :). Immerhin hab ich genauso viel Zustimmung mit der FDP wie du. Ich sehe schon: Meine Appelle sind an dir nicht vorbei gegangen :D.


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BeitragMi 30. Apr 2014, 03:08 
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Trötenflöter hat geschrieben:
Vielleicht :). Immerhin hab ich genauso viel Zustimmung mit der FDP wie du. Ich sehe schon: Meine Appelle sind an dir nicht vorbei gegangen :D.


Nur halt mit dem Unterschied, dass bei mir mal eben fünf Parteien über diesem Wert liegen und ich mir sicher bin, die FDP nicht zu wählen. Also da brauchts wohl doch noch etwas mehr Überzeugungsarbeit. :P

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BeitragMi 30. Apr 2014, 03:14 
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Fernsehfohlen hat geschrieben:
Trötenflöter hat geschrieben:
Vielleicht :). Immerhin hab ich genauso viel Zustimmung mit der FDP wie du. Ich sehe schon: Meine Appelle sind an dir nicht vorbei gegangen :D.


Nur halt mit dem Unterschied, dass bei mir mal eben fünf Parteien über diesem Wert liegen und ich mir sicher bin, die FDP nicht zu wählen. Also da brauchts wohl doch noch etwas mehr Überzeugungsarbeit. :P

Als jemand der nur 70% Überschneidung mit der Partei hat, möchte ich niemanden überzeugen diese zu wählen. Eher müsste man mich selbst erstmal überzeugen, dass diese Partei keine Klientel/Großkonzern-Politik mehr betreibt.

Ansonsten: Ich finde dieses 3D-Modell unheimlich interessant. Vor allem, dass die Parteienlandschaft in Europa so ähnlich aufgestellt ist. Eigentlich nur entlang einer Diagonalen - ein wirklich großes Parteienspektrum deckt das nicht ab. Erschreckend auch wo die AfD da positioniert ist.


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