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von Fernsehfohlen
#1545922
Tootsie (1982)

Diese romantische Komödie mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle hat mir nach einem leicht chaotischen Beginn relativ schnell durchweg Freude bereitet und somit ein rundes und unterhaltsames Gesamtbild abgegeben. Aus meiner Sicht eine wirklich gute Travestie-Komödie, bei der man Hoffman sein Alter Ego voll und ganz abnimmt (bis auf die Behauptung, seine Dorothy Michaels agiere "zu weiblich", das konnte ich dann doch nicht nachempfinden) und bei der die "Mann in Frauenkleidung" zum Glück nicht vornehmlich für schale Bums-Gags missbraucht wurde. Hat mich mehrfach zum Schmunzeln (wenn auch nie zum Lachen) bringen können und wirkte auf mich dennoch recht modern und emanzipiert. Schöne, kluge Komödie, die ich trotz ihres höheren Alters als weniger verbraucht empfunden habe als (das ebenfalls gestern erstmals gesehene) "Vier Hochzeiten und ein Todesfall".

Nur den Oscar für Jessica Lange vermag ich nicht so recht nachzuvollziehen, meiner Meinung nach bleibt sie neben dem doppelten Dustin Hoffman die meiste Zeit über doch vergleichsweise blass.

7,5/10


Fohlen
von Sentinel2003
#1545941
Oh , "Tootsie" war eine mit der größten Kino Erfolge damals in der ehemaligen DDR, ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich ins Kino gegangen bin.... :slightly_smiling_face:
von Sentinel2003
#1546060
Habe gestern Nacht mal eine "Purge" Nacht gemacht ;) ....mir war gar nicht mehr klar, wie total geil und Action lastig die Filme sind!!



"The Purge" + "The Purge - Anarchy" ,


beide Filme haben eine 8/10 verdient... :relaxed:



"The Purge - Election Year" und "The First Purge" gucke ich fast parallel momentan. ;)



Dazu hatte ich ja mal , als die erste Staffel erschien auf Amazon diese auch angefangen, die fand ich abder unerklärerlicherweise total zäh....hatte da im Winter etwa bei Folge 7 auf Pause gedrückt, da ich jetzt diesen "The Purge" Marathon gestern angefangen habe, werde ich mich mal nochmals dieser Staffel widmen....:lächelndes_Gesicht_mit_Sonnenbrille: zudem gibt es ja noch eine 2. und finale Staffel, mal sehen, wie die ist...:lächelndes_Gesicht_mit_Sonnenbrille:
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von LittleQ
#1546182
Star Trek 6

Wird für mich wohl immer der beste Star Trek Film bleiben, den es bisher gab. Ich liebe den Streifen einfach so sehr und ich hab am Ende immer noch jedes Mal ganz doll Pipi in den Augen, wenn die Crew das letzte Mal zu sehen ist.
Ein bisschen traurig macht es mich auch, dass mittlerweile so viele Schauspieler von damals tot sind :(
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von Wolfsgesicht
#1546183
Sherlock Holmes (2009)
Manche mögen den Film ja nicht so, aber dieser humoristische Action-Krimi ist für mich ein Dauerbrenner. Schaue den regelmäßig da er sehr kurzweilig ist. Hat irgendwo seine Schwächen (und auch nicht gerade wenig) aber die kurzweiligkeit und Robert Downey machen’s ja wieder wett.

7,0

Sherlock Holmes - Spiel im Schatten
Den Film mag ich lieber als den ersten. Er ist besser konzipiert und die Geschichte gibt mehr her, dazu ist der Humor subtiler. Vor allem liebe ich die Szene wo sie aus dem Waffenlager durch den Wald fliehen. Die find ich ja grandios gemacht.

8,0

Bei beiden Filmen ist der Soundtrack ja fast besser als der Film. Einer der wenigen den ich besitze.
Und yey, Teil 3 kommt (wahrscheinlich) nächstes Jahr.
von TorianKel77
#1546200
LittleQ hat geschrieben: Mo 8. Jun 2020, 01:51 Star Trek 6

Wird für mich wohl immer der beste Star Trek Film bleiben, den es bisher gab. Ich liebe den Streifen einfach so sehr und ich hab am Ende immer noch jedes Mal ganz doll Pipi in den Augen, wenn die Crew das letzte Mal zu sehen ist.
Ein bisschen traurig macht es mich auch, dass mittlerweile so viele Schauspieler von damals tot sind :(
Ich denke ja Shatner überlebt sie alle und macht nen Kirk Douglas.

Bei mir sind Teil 6, 2 und 8 relativ gleichauf, könnt mich spontan nicht entscheiden. Dahinter fällt es aber ziemlich ab.
von Sentinel2003
#1546478
Ich habe bis heute NUR die allererste "Raumschiff Enterprise" mit Shatner und Co in den 70ern gesehen und, zu den anderen Serien wie auch Kino Filmen hatte ich null Lust, da ich auch kein so großer SiFi Fan bin.... :relieved:

"Raumschiff Enterprise" war die letzte Serie der Woche am Sonntag, praktisch der sogenannte Wochenendabschluß, nach dem Gartenbesuch übers Wochende! ;)

Die Serie lief von 19-20.00 im ZDF...
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von Fernsehfohlen
#1546882
Der Marsianer - Rettet Mark Watney (2015)

Ein durchaus sehenswertes Sci-Fi-Abenteuer von Ridley Scott, das von einem lebend Zurückgelassenen auf dem Mars handelt, der danach von seiner Crew gerettet werden soll. Diese Robinsonade ist audiovisuell hervorragend gelungen, weist einen starken Soundtrack auf und erzählt in relativ gemächlichem Tempo von einem temporären Leben auf dem Mars, dessen Schauwert so hoch wie das Ende vorhersehbar ist. Vermag zu faszinieren und in eine andere Welt zu entführen, jedoch eher selten wirklich zu packen - und auch schauspielerisch liefert Matt Damon eher gehobenen Standard ab, da hat man einsame Wölfe schon eindrücklicher leiden sehen.

Somit ist "Der Marsianer" für mich letztlich ein Film, der Science-Fiction-Fans mit einem Hang zum Realismus ziemlich gut gefallen dürfte und bei dem man seine knapp zweieinhalb Stunden Lebenszeit sicherlich nicht verschwendet. Ich würde ihn mir aber wahrscheinlich kein weiteres Mal anschauen, da mir das richtig große Staunen ebenso verwehrt blieb wie das tiefere Verständnis dessen, was da jetzt eigentlich warum genau gemacht wurde, um Mark Watney zu retten (Letzteres mag aber auch an mir und meinem nicht existenten physikalischen Grundverständnis liegen). Ein cooles Weltraum-Abenteuer, das bei weitem nicht so verworren daherkommt wie etwa "Interstellar" und die Geschichte relativ straight erzählt. Angenehm, sehenswert, vielleicht eine Spur zu forgettable.

7/10


Fohlen
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von Wolfsgesicht
#1546889
Der Film (Marsianer) ist so angenehm zu sehen, den schaut man automatisch öfter. Irgendwann hat man immer mal Lust den wieder zu sehen. Selbst wenn er vorhersehbar ist, aber das „forgettable“ und audiovisuell schöne macht ihn halt zu einem Dauerbrenner.

Und sentinel ist kein SciFi-Fan, schwärmt aber dauerhaft von Gravity. Auch gut :D
von Sentinel2003
#1546937
Wolfsgesicht hat geschrieben: Mo 22. Jun 2020, 02:45 Der Film (Marsianer) ist so angenehm zu sehen, den schaut man automatisch öfter. Irgendwann hat man immer mal Lust den wieder zu sehen. Selbst wenn er vorhersehbar ist, aber das „forgettable“ und audiovisuell schöne macht ihn halt zu einem Dauerbrenner.

Und sentinel ist kein SciFi-Fan, schwärmt aber dauerhaft von Gravity. Auch gut :D
Wieso sollte ich nicht von "Gravity" schwärmen??? Ich bin kein SiFi Hardcore Fan... :relieved:

Wenn du wüßtest, wie oft ich mir damals, zum Kino - Start die Trailer angesehen habe!! Ich glaube, bis heute habe ich mir nie sooft Trailer von einem Kino Film angesehen, wie von dem!
von blondib
#1547088
Sentinel2003 hat geschrieben: Di 23. Jun 2020, 02:39Wieso sollte ich nicht von "Gravity" schwärmen???
K.A. ich seh grad mein Kommentar könnte auch missverstanden werden. Das "Auch gut" bezog sich auf den Film, nicht etwa das "schwärmt" also ich meinte ... Auch ein guter Film.

P.S.: Warum hab ich hierauf keine Benachrichtigung erhalten?
Yoa, betrunken posten ....
Zuletzt geändert von blondib am Sa 27. Jun 2020, 20:10, insgesamt 1-mal geändert.
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von Wolfsgesicht
#1547096
blondib hat geschrieben: Fr 26. Jun 2020, 22:09 P.S.: Warum hab ich hierauf keine Benachrichtigung erhalten?
Weil ich zitiert wurde, nicht du. :D du wirst nur benachrichtigt wenn jemand dich zitiert oder du das Thema abonniert hast.
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von Fernsehfohlen
#1547171
10 Cloverfield Lane (2016)

Spannender Thriller mit vielen gelungenen klaustrophobischen Zutaten, die mir über weite Strecken hinweg ziemlich gut gefallen haben. Interessant ist hier vor allem die Figur des Howard (toll verkörpert von John Goodman), die zwischen fürsorglicher Vaterfigur und geistesgestörtem Verschwörungstheoretiker changiert und bei der man nie so recht weiß, ob sie Michelle (einigermaßen uninteressant dargestellt von Mary Elizabeth Winstead) aus berechtigter Sorge um ein großes Grauen in der Außenwelt gefangen hält - oder doch nur, um einen Ersatz für Howards mutmaßlich ermordete Tochter zu haben. Das ist gut gedacht und über lange, lange Zeit auch wirklich gut gemacht, zumal der Film anderthalb Stunden lang mit lediglich drei Akteuren auskommt und dennoch nie langweilig wird. Hier und da hätte ich mir noch etwas mehr Tiefgang gewünscht: Beispielsweise in dem Moment, wo Howard davon berichtet, dass er keine weiteren Lebensziele mehr habe und sein Leben für seinen Bunker geopfert habe - das hätte ich unter anderem gerne noch etwas vertieft gehabt.

Das viel größere Problem ist aber der Schwachsinn, der dem Zuschauer dann in den letzten 15-25 Minuten aufgetischt wird. Und damit meine ich nicht einmal nur das, was dann außerhalb des Bunkers passiert, sondern mehr oder minder alles, was ab dem Moment der feierlichen "Tonnenenthüllung" geschieht. So viel Mühe sich "10 Cloverfield Lane" nämlich bis dahin gibt, seine Geschichte mit Ruhe, Bedacht und Tiefgang zu erzählen und damit viele starke, atmosphärische Momente kreiert, so chaotisch, überladen und reißerisch wirkt das letzte Filmviertel. Damit holt man vielleicht einige Zuschauer ab, die den schrägen Kult-Wackelfilm von 2008 gemocht haben, verliert aber die Zuschauer, die das Kammerspiel der ersten guten Stunde mochten.

Insofern für mich letztlich ein relativ seltsamer Streifen, der vielleicht ein paar Geschmäcker zu viel unter einen Hut bekommen wollte und seine mühe- und liebevoll aufgebaute Spannung zum Ende hin ziemlich brachial und wirr an die Wand fährt. Sehenswert, aber enttäuschungsintensiv.

6,5/10

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Die Truman Show (1998)

Nach ziemlich genau zehn Jahren habe ich mir diese hervorragende Medien-Dystopie zum zweiten Mal angesehen und würde meine damalige Wertung sogar erhöhen: Fantastische Grundidee, sehr gute Umsetzung, bei der mich vor allem der gelungene Spagat zwischen Unterhaltung und Tiefgang begeistert. Hat völlig zurecht einen Kultstatus erlangt und den Weg in viele Klassenzimmer gefunden. Jim Carrey spielt gut, Ed Harris hervorragend - und trotz einer gewissen Realitätsferne schwingt einem während und nach der Sichtung des Streifens doch immer der diffuse Gedanke im Kopf herum, ob wir vielleicht alle in unserer eigenen Truman Show leben und in welchem Maße Realität nur ein subjektives Konstrukt sein kann.
Kleine Mini-Abzüger für einige wenige Längen und das leicht vorhersehbare Ende.

Habe ich 2010 mit 8/10 bewertet, heute gehe ich klar hoch auf die 9/10.


Fohlen
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von Fernsehfohlen
#1547197
Auslöschung [Annihilation] (2018)

Vor drei Jahren erschütterte ein mysteriöses Ereignis das Gebiet, das jetzt als Area X bekannt ist. Abgeschnitten von jeglicher Zivilisation begräbt die Natur die spärlichen Überreste menschlicher Kultur unter sich. Die geheime Regierungsorganisation „Southern Reach“ ist dafür zuständig, herauszufinden, was in Area X vorgefallen ist und was nun hinter der unsichtbaren Grenze geschieht. Mehrere Expeditionen sandte Southern Reach in das kontaminierte Gebiet - nur der Soldat Kane (Oscar Isaac) kam lebend zurück. Ein neues Team bestehend aus den Wissenschaftlerinnen Lena (Natalie Portman), Anya Thorensen, Cass Shepard, Josie Radek und Leiterin Dr. Ventress soll nun endgültig die Geheimnisse der Region lüften...

Wow, was habe ich da gerade gesehen? Einen mich in jedem Fall beeindruckenden Film des Schriftstellers, Drehbuchautors und Regisseurs Alex Garland (unter anderem bekannt durch die Drehbücher von "28 Days Later" und "Alles, was wir geben mussten" und durch die Regie bei "Ex Machina", den ich mir Fall auch noch anschauen muss), der in Deutschland lediglich bei Netflix veröffentlicht wurde und nicht den Weg in die Kinos gefunden hatte. Der Film ist über weite Strecken sehr ruhig und ein wenig verworren geraten, fasziniert aber vor allem in der Welt hinter dem "Schimmer" mit vielen pittoresken Erscheinungen und der (letztlich auch über das Filmende hinausgehenden) Aura der Unklarheit. Letzteres fühlt sich ein wenig unbefriedigend an, habe ich aber nach dem zuvor Gesehenen als konsequent empfunden.

Atmosphärisch bekommt man einen sehr ruhigen Science-Fiction-Vertreter zu sehen, der nur mit wenigen Schockmomenten aufwartet. Hat mir ebenso gut gefallen wie die darstellerischen Leistungen, bei denen aber niemand so richtig herausragt. Die Effekte sind bei diesem Film ebenso wichtig wie überwiegend wertig, nur in wenigen Szenen hätte das Produktionsniveau und Budget - gerade hintenraus - vielleicht doch noch eine Idee höher ausfallen können. Als sehr spannend habe ich ferner die Auseinandersetzung mit der Frage empfunden, warum sich Menschen für eine solche Mission bereiterklären, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in die Selbsttötung oder -zerstörung führt. Auch wenn der Film in vielen Punkten vage bleibt und mehr Fragen aufwirft als beantwortet, kann man in ihm auch eine Auseinandersetzung mit Lebenssinn und psychischen Problemen sehen.

Unterm Strich ist das Reißerischste an "Auslöschung" meines Erachtens der Titel, denn inhaltlich und atmosphärisch ist das Garland-Werk sehr viel subtiler und nebulöser gehalten. Da muss jeder für sich entscheiden, ob man das nun als persönlichen Gewinn oder Ernüchterung empfindet. Kein Werk für einen leichten Filmabend, aber wenn man sich darauf einlassen kann, potenziell faszinierend. Ich bin jedenfalls sehr positiv überrascht worden und wundere mich über die (zumindest von mir so empfundene) überaschaubare Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung - und auch über die eher mäßige iMDb-Wertung von 6,9.

8,5/10

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Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen (2016)

Überzeugendes, auf wahren Begebenheiten beruhendes Historiendrama über drei Frauen, die Anfang der 60er-Jahre nach dem Sputnik-Schock den USA ihre Weltraum-Würde zurückgeben und daran entscheidend mitwirken sollen, dass dem US-Amerikaner John Glenn die angestrebte Erdumrundung gelingt. Ich finde die Idee ganz wunderbar, hier drei Afroamerikanerinnen aus der "zweiten Reihe" der Zeitgeschichte zu thematisieren, die vor allem ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe wegen permanent um ihre verdiente Anerkennung kämpfen müssen. Habe das Storytelling hier als sehr intelligent wahrgenommen, den feministischen und antirassistischen Ton des Films als sehr klug und humorig verpackt - die Zahl der erhobenen Zeigefinger hält sich glücklicherweise in Grenzen.

Allerdings ist der Film in mancherlei Hinsicht mir dann doch ein wenig zu "amerikanisch": Der Pathos und Kitsch angesichts des Weltraumprojektes ist vor allem gegen Ende viel zu übermächtig, zwischendurch hat der Streifen auch die eine oder andere Länge zu viel. Für viele Zuschauer schwierig, grundsätzlich aber nicht verkehrt dürfte auch die Vermengung von gesellschaftspolitischen und naturwissenschaftlichen Themen sein, was bei der einen oder anderen physikalischen Erklärung wohl zu reihenweisen kognitiven Sekundenschlafphasen führen dürfte.

Insgesamt ein schöner Film mit einer sehr schönen Grundidee, die in ihren besten Momenten voll und ganz aufgeht, sich selbst aber in ihren schwächeren Momenten zu übertrieben selbst zelebriert und etwas platt daherkommt. Kann man sich anschauen, ein Must-See ist Theodore Melfis Streifen für mich aber nicht.

6,5/10


Fohlen
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von Fernsehfohlen
#1547408
Fahrenheit 11/9 (2018)

Diese Michael-Moore-Dokumentation nimmt sich der noch immer viele Menschen umtreibenden Frage an, wie ein Donald Trump hatte US-Präsident werden können - und changiert dabei zwischen hochinteressanten Momentaufnahmen und etwas zu reißerischen Sequenzen, mit denen er immer wieder droht, die Strahlkraft seines eigenen Films zu untergraben. Deshalb bin ich nach der Sichtung des gut zweistündigen Films auch ein wenig hin- und hergerissen, was dessen Beurteilung anbelangt. Klasse sind neben Moores extrem gutes Gespür für unterhaltsame dokumentarische Stoffe viele seiner Interviews innerhalb des Films sowie der generelle Versuch, Strukturen aufzuzeigen, die über die Trump-Figur hinaus dazu führen können, dass eine autoritäre Herrschaft entsteht.

Als schwierig wird oft der Vergleich mit der NS-Diktatur bezeichnet, ich aber finde vor allem die doch etwas gar präsenten Schießereien und Bombengewitter zu übertrieben. Und beim Wasser-Skandal aus Flint will mir nicht so recht klar werden, weshalb er eine solch große Rolle spielt, dass man mit ihm etwa ein Drittel des Films füllen muss. Gut gelungen ist in diesem Zuge dann aber wiederum die Entzauberung des Barack Obama, dessen in Teilen enttäuschende Präsidentschaft (zurecht) auch als Prädiktor für den Trump-Erfolg erörtert wird.

Insgesamt eine sehr unterhaltsame Doku, die leichte Probleme damit hat, den richtigen Fokus zu finden, manchmal etwas gar große Umwege fährt und es (wie so viele Moore-Filme) mit der Sachlichkeit nicht ganz so genau nimmt. Davon abgesehen aber sehenswert und für mich auch durchaus horizonterweiternd.

7/10


Fohlen
von sammuel
#1547411
Wir haben uns vor kurzem "The Revenant" mit Leonardo DiCaprio angesehen. Der Film ist sicher beeindruckend, was die Szenen mit den modernen Techniken (Angriff des Grizzys und andere) angeht, insgesamt war er mir aber viel zu brutal und blutig
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von Fernsehfohlen
#1547428
Get Out (2017)

Ein richtig starker Film, der am ehesten dem Horrorgenre zugeordnet wird, aber auch diverse Mystery-, Thriller und Komödienelemente beinhaltet und nebenbei auch das Thema Rassismus behandelt - und näher sollte man wahrscheinlich auch gar nicht auf die Inhalte des Streifens eingehen, da man ihm sonst seinen Zauber des Undurchsichtigen nimmt. Ich war vor allem in den ersten zwei Dritteln geradezu hingerissen vor Begeisterung, dass ich überhaupt nicht einzuschätzen vermochte, in welche Richtung sich die Story entwickelt. Atmosphärisch ist der Film richtig genial und schafft es, dass man der besuchten Familie über eine lange Zeit nicht so recht böse zu sein vermag, sie aber dennoch durchgehend diffus als unheimlich und abstoßend empfindet.

Nunja, und dann muss man dieses seltsame Gebahren irgendwo zwischen Scheintoleranz, aufgesetzter Freundlichkeit, latenter Fleischgier und seltsamer Empfindungslosigkeit halt irgendwann auflösen - und auch dahingehend hatte ich schlimmere Befürchtungen, als es in der Umsetzung letztlich geschehen ist. Nein, "Get Out" schafft es für meine Begriffe hintenraus nicht mehr, seine Grandiosität aufrecht zu halten, wird blutrünstiger, krawalliger und enttäuscht mit einigen Logiklöchern. Seinen abgedrehten Charme und Witz immerhin behält der beeindruckende Erstling von Jordan Peele aber bis zum Ende immerhin bei, sodass man hintenraus zwar meines Erachtens schon Einiges an Substanz verliert, aber damit immerhin den Film nicht komplett demontiert.

Alles in allem empfinde ich "Get Out" also als sehr sehenswert, sehr mitreißend und als sehr gelungenes Genre-Crossover, das mich in vielen Punkten an "Parasite" erinnert: Das einfallsreiche Drehbuch ist DER Star des Films, man tut sich schwer, ihn in eine Genre-Schublade zu packen, man empfindet über weite Strecken ein diffuses Unbehagen und das Ende übertreibt es dann leider ein wenig mit der "kreativen Freiheit" (zumindest für mein Empfinden).

8,5/10


Fohlen
von Sentinel2003
#1547432
Wieso vergibst du bei einem "richtig starken Film" lediglich 8,5 Punkte?? Wie muß dann ein Film sein, wenn er bei dir 10 kriegt?? :relieved:
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von Fernsehfohlen
#1547445
Sentinel2003 hat geschrieben: So 5. Jul 2020, 18:15 Wieso vergibst du bei einem "richtig starken Film" lediglich 8,5 Punkte?? Wie muß dann ein Film sein, wenn er bei dir 10 kriegt?? :relieved:
Nun, 10/10 steht (gerade bei einer Zehner-Skala) dann schon für ein so hohes Maß an (empfundener) Perfektion, dass ich von einem Film mit dieser Wertung dann eben schon erwarte, dass er mich auch hintenraus noch komplett überzeugt und abholt. Dass "Get Out" das meines Erachtens nicht geschafft hat, habe ich in meiner Review glaube ich schon deutlich gemacht - falls du bis dahin gelesen hast.

Ich habe aber zwischen 8,5 und 9 geschwankt und mich dann letztlich in Erinnerung an meine 8,5 für "Parasite" dafür entschieden, hier abzurunden. Also eine 9 hätte ich da auch durchaus für raushauen können.

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Ich seh, ich seh (2014)

In einem abgeschiedenen Haus am See warten die Zwillinge Lukas (Lukas Schwarz) und Elias (Elias Schwarz) auf die Rückkehr ihrer Mutter (Susanne Wuest), die sich einer Schönheitsoperation unterzogen hat. Als sie zurückkommt, wirkt sie stark verändert, nicht nur wegen ihres bandagierten Gesichts. Sie geht auf Abstand zu ihren Kindern, möchte erst einmal ihre Ruhe haben, weil die Operation sehr anstrengend gewesen sei. Schnell bekommen die Zwillinge Angst. Ist die Frau, die jetzt mit ihnen unter einem Dach lebt, überhaupt ihre Mutter – oder nur eine womöglich gefährliche Fremde, die so tut als ob? Warum sonst kann sie sich denn nicht an das Lieblingslied ihres Sohnes erinnern? Lukas und Elias beschließen, dass es Zeit wird, die Wahrheit herauszufinden. Dabei sind sie alles andere als nachgiebig... (filmstarts.de)

Dieses österreichische Horrordrama hat einige bedeutende Filmpreise gewonnen und stellte sogar die österreichische Einreichung für die Oscars 2016 dar, kam letztlich aber nicht unter die fünf besten internationalen Filme. Habe ich als sehr spannend und mitreißend wahrgenommen, zumal ich die Auflösung der Geschichte so lange nicht habe kommen sehen. Das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren ist gelungen, die sterile Atmosphäre wird konsequent beibehalten und hat eine schöne, visuell ansprechende "Alltagsgrausamkeit" heraufbeschworen. Mit gut anderthalb Stunden Laufzeit haben die Regisseure Severin Fiala und Veronika Franz zudem ein sehr treffendes Maß dafür gefunden, wie lange sich die meist doch sehr kammerspielartige Handlung auf engem Raum und mit wenigen Darstellern trägt. Das alles ist sehr, sehr gut gelungen und hebt den Streifen sicher auf ein internationales Niveau.

Einige größere und kleinere Probleme habe ich dann aber doch. Mein größter Kritikpunkt zuerst: Wie schon gesagt, habe ich die Auflösung der Geschichte so nicht antizipiert, was eigentlich ein Lob ist - nicht aber, wenn das maßgeblich damit zusammenhängt, dass sich mir das Ende auch im Nachhinein nicht erschließen möchte. Die Frage, weshalb die Darstellerin der Mutter ihre Rolle konsequent lieblos, kaltherzig und brutal auslegt, beantwortet sich leider in der Retrospektive nicht, ja wirkt mit dem Wissenszuwachs eigentlich nur noch kontraproduktiver. Und damit fällt halt Einiges in sich zusammen, was der Film wahrscheinlich gerne als Brainfuck-Twist platziert hätte. Einige weitere verstörende Szenen erfahren zudem keine echte Auflösung, was ich als frustrierend empfinde.

Zudem ist leider an einigen Stellen kaum zu verstehen, was die Figuren sagen (teilweise Dialekten, meist aber einem extrem leisen Ton geschuldet), in anderen Momenten platz einem dann geradezu das Trommelfell, wenn man den Ton entsprechend hochdreht. Sorry, aber das ist für einen Oscar-Anwärter peinlich. Manche (Hobby-)Kritiker bemängeln überdies die sehr schleppende erste Stunde - da würde ich aber nicht beipflichten, denn man gönnt sich tatsächlich sehr viel Ruhe, ohne mich dabei jedoch zu langweilen.

Alles in allem hat mich "Ich seh, ich seh" während des Schauens gut in seine erzählte Welt hineingezogen und mich sehr stark mitfiebern lassen. Leider sind die Logiklöcher aber ziemlich groß und betreffen ein wesentliches spannungskreierendes Element, sodass ich mich im Nachhinein schon ein wenig verschaukelt fühle. Die Darstellerleistungen sind mittelprächtig, die Tonmischung definitiv nicht auf Oscaranwärter-Niveau, Kameraarbeit und die generelle Ästhetik sehr gut. Schwer zu bewerten, weil mein impulsiver Eindruck nach Filmende deutlich positiver war als der, den ich mittlerweile davon habe.

Direkter Eindruck nach der Sichtung: 7,5/10
Eindruck nach ausgiebigerer Reflexion (vor allem über die Handlung): 5/10

6,5/10


Fohlen
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von Fernsehfohlen
#1547503
Fack ju Göhte (2013)

Als Referendar einer Brennpunkt-Gesamtschule wird man unweigerlich immer wieder mal mit diesem Film konfrontiert - sowohl innerhalb des Kollegiums als auch unter den Schülern. Ich habe nicht viel mehr als eine völlig übertriebene und klamaukige deutsche Komödie erwartet, die meinen Humor nicht (mehr) erreicht, da zu platt und seicht. Stimmt im Grunde auch alles und ich bedauere diese doch sehr auf Haudrauf-Gags im Sekundentakt ausgerichtete Machart, weil das hier sonst sogar ein wirklich ordentlicher Film hätte werden können. Die Darsteller sind sympathisch, die Figuren zwar völlig überzogen, aber charmant und einige Szenen haben mich gut unterhalten können. Über zwei Stunden hinweg empfand ich das alles dann aber irgendwann doch als anstrengend.

Der generelle Spirit des Films, über die Beziehungsebene und mit Nähe zu den Schülern auch viele Lernschwächere aus problematischen Elternhäusern erreichen zu können, ist mir aber sympathisch und sicherlich nicht falsch - und wenn man das meiste hier Gesehene mal so 4-5 Etagen tiefer stapelt, nähert man sich der Realität in einer deutschen Brennpunktschule tatsächlich ganz gut an. Im Vorfeld wollte ich den Film nicht sehen, im Nachhinein möchte ich ihn deshalb fast gelungener finden, als er aus meiner Sicht ist. Wer einen ganz leichten, unterhaltsamen Abend ohne Nachdenken und mit Gags im Sekundentakt haben möchte, ist hier gut aufgehoben. Aber mehr als einmal muss man sich das dann echt nicht anschauen.

5/10

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Ex Machina (2014)

Dieses Science-Fiction-Drama von Alex Garland umfasst meines Erachtens so ziemlich alles, was ich persönlich gerne unter dem Begriff "Kunstfilm" subsummiere: Eine überaus ansprechende und mitreißende Ästhetik, viele kluge und gerne auch mal etwas klugscheißerisch daherkommende Zitate aus der Welt der Wissenschaft, die es anspruchsvoll bis mühsam machen, den Gedankengängen an jeder Stelle folgen zu können und ein etwas arg schleppendes Tempo. Das Regiedebüt von Alex Garland ist audiovisuell extremst ansprechend, seine leicht sterile und zugleich doch seltsam verführerische Stimmung ist überaus geschmackvoll und hat mich über die gesamten knapp 110 Minuten Laufzeit stets am Ball gehalten und vor allem Alicia Vikander überzeugt als weiblicher Android Ava auch durchweg. Das sind die kunstvollen Elemente, die mir sehr, sehr gut gefallen haben.

Was die eigentliche Handlung anbelangt, muss man hier aber auch gutes Sitzfleisch mitbringen, denn meines Erachtens gefällt sich der Film auch etwas arg in seiner tollen Ästhetik sowie der Tatsache, dass man unter anderem Oppenheimer, Chomsky und Wittgenstein zu zitieren und ein Bild von Jackson Pollock abzubilden vermag. Dadurch entstehen sehr intelligente und philosophische Dialoge; und dann halt noch mehr intelligente und philosophische Dialoge; und noch mehr. Und irgendwann fragt man (bzw. habe ich mich) dann eben schon gefragt, ob sich nun inhaltlich nicht langsam auch mal etwas mehr tun kann. Dahingehend bleibt man dann doch auf einem recht bodenständigen Niveau, auch das Ende ist jetzt keine allzu gigantische Überraschung - wird aber visuell einmal mehr faszinierend in Szene gesetzt.

Mir persönlich hat "Auslöschung" von Garland alles in allem etwas mehr geben können als "Ex Machina", weil hier inhaltlich deutlich mehr passiert und es hintenraus auch noch die eine oder andere Überraschung gibt. Künstlerische Brillanz, kluge Gedanken mit wissenschaftlicher Fundierung und spannende Zukunftsentwürfe, die den Zuschauer in eine ganz eigene Filmwelt entführen, gibt es bei beiden Streifen zu sehen.

7/10


Fohlen
von TorianKel77
#1547510
Hm, Ex Machina hatte mich schon mehr geflasht, steht ein Rewatch aber aus. Bei Auslöschung wusste ich glaub ich zu selten wohin die Reise nun geht oder was ich von allen halten soll. Ist ja nun nix negatives aber irgendwie fehlte mir dadurch zu sehr die Bindung zum Geschehen :thinking:
Gut waren aber beide :relaxed:
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von Fernsehfohlen
#1547523
TorianKel77 hat geschrieben: Di 7. Jul 2020, 21:12 Hm, Ex Machina hatte mich schon mehr geflasht, steht ein Rewatch aber aus. Bei Auslöschung wusste ich glaub ich zu selten wohin die Reise nun geht oder was ich von allen halten soll. Ist ja nun nix negatives aber irgendwie fehlte mir dadurch zu sehr die Bindung zum Geschehen :thinking:
Gut waren aber beide :relaxed:
Ja, ich wusste bei "Auslöschung" (mich schüttelt es übrigens immer innerlich latent, wenn ich diesen Titel niederschreibe, weil er so furchtbar brachial und plump klingt und gar nichts von der Schönheit des Films hat) auch lange nicht so recht, wohin die Reise geht. Aber du sagst es ja im Grunde schon selbst, das muss nicht unbedingt für jeden ein Makel sein. Ich fand das spannend und konnte mich sehr gut in diese seltsame Welt verlieren. Und grad auch gegen Ende, wo sich dieser Klon der Frau entwickelt, hatte der Film regelrecht psychedelische Wirkung auf mich - und nein, ich war beim Schauen nicht high. ^^

Ja, das fehlte mir dann eben alles so ein wenig bei "Ex Machina". Aber für sehenswert halte ich auch beide. :)


Fohlen
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von Fernsehfohlen
#1547641
The Disaster Artist (2017)

James Franco begeistert in seiner Rolle des exzentrischen Hollywood-Möchtegern-Regisseurs Tommy Wiseau, der mit dem Film "The Room" (tatsächlich 2003 erschienen) ein oscarprämiertes Meisterwerk kreieren möchte, das qualitativ an Tenessee Williams oder Alfred Hitchcock heranreicht - und letztlich zu einem Trash-Kultwerk geworden ist. In dem Film begleitet man eben jenen Wiseau sowie seinen Kumpanen Greg Sestero und im Gegensatz zu deren Schundwerk ist diese Tragikomödie auch ein tatsächlich sehenswerter Film geworden, der mich sehr zum Lachen gebracht hat. Sehr gut gefällt mir hier vor allem, wie man die schräge Hauptfigur angelegt hat, denn am Ende des Films weiß ich tatsächlich nicht, ob ich ihn als sympathischen Freak, der mit bewundernswertem Durchhaltevermögen an die Verwirklichung seiner Träume glaubt oder doch eher als völlig abgedrehten Tyrannen, der mit zweifelhaft-niederträchtigen Dubiositäten nur das eigene Ego befriedigen will, betrachten soll.

Der Film ist gut 100 Minuten lang und hat meines Erachtens überhaupt keine Längen zu beklagen, hier flutscht eine herrliche Szene zur nächsten. Hinreißend ist auch Franco in der Hauptrolle, der die Marotten seiner Vorlage wirklich hervorragend imitiert und es wie schon gesagt dem Zuschauer überlässt, Wiseaus Wirken zu beurteilen. Die Musik, die Kamera, das Drehbuch, die Gags - hat mir alles gut gefallen. Gerne etwas mehr in die Tiefe hätte allerdings für meine Begriffe die Beziehung zwischen Tommy und Greg gehen können, zudem war mir das Gelächter des Publikums bei der Filmpremiere zu schallend, als dass es hier dem kruden Etwas gerecht würde, das "The Room" dann letztlich geworden ist.

Ansonsten meines Erachtens eine durchweg unterhaltsame Außenseiter-Komödie, die vor allem Medienfreaks fast schon begeistern muss, so viel Metaebene wie gerade im Rahmen der Dreharbeiten stattfindet. Sehr schöner Film.

8/10

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The Room (2003)

Ich konnte es nicht lassen und wollte mir nach "The Disaster Artist" dann tatsächlich das Original antun, aber diese Zumutung habe ich dann nach einer knappen Stunde doch nicht mehr ausgehalten. Wahnsinnig hölzerne Dialoge, teils desolate schauspielerische Leistungen, permanent beliebig eingestreut wirkende Sexszenen ohne jedes erotische Knistern und ein plastisches Setting, das wie aus der "Truman Show" geborgt wirkt - nur dass es hier ja gerade nicht künstlich, sondern intensiv und "real" wirken soll. Von den zahlreichen Logiklöchern will ich gar nicht erst anfangen, die werden ja zum Teil bereits in TDA aufgegriffen und thematisiert.

Was ich tatsächlich sagen muss: Die Szenen, in denen Tommy Wiseau zu sehen ist, haben tatsächlich einen skurrilen Charme, da er so seltsam (over)acted, dass es einfach wahnsinnig absurd wirkt. Man kann kaum glauben, dass er selbst diesen Film jemals mit einer ernsthaften künstlerischen Ambition gedreht hat, auch dieses Wissen macht ihn irgendwie kultig. Davon einmal abgesehen jedoch einfach katastrophal missratenes Laientheater ohne jeden Sinn und Verstand. Aber vielleicht wären die letzten 40 Minuten ja dann doch noch richtig grandios geworden. ;)

2/10

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Knives Out - Mord ist Familiensache (2019)

Ziemlich gewitzte Detektivkomödie nach ziemlich klassischer Machart, die unter anderem mit Daniel Craig, Chris Evans und Jamie Lee Curtis einen herausragenden Cast vorweisen kann und mich an zahlreiche Detektivgeschichten (Sherlock Holmes, Agatha Christie, "Eine Leiche zum Dessert") bzw. -spiele ("Cluedo") erinnert hat. Ist eigentlich nicht so ganz mein Genre, was ich dann auch gegen Ende des Films gemerkt habe, wo es dann zur Auflösung des filminternen Falles kommt, die reichlich überzeichnet und komplett unrealistisch daherkommt. Auch ziehen sich die gut zwei Stunden an der einen oder anderen Stelle ein wenig.

Von diesen zwei Kritikpunkten einmal abgesehen habe ich aber nur Lob zu verteilen: Die Geschichte an sich sowie die Darstellung der diversen Verhöre ist sehr sehenswert inszeniert und gut geschrieben, humorvolle Passagen gibt es zuhauf, ohne dass sie überdosiert wirken oder zu nerven begännen, das Setting ist richtig ästhetisch und geschmackvoll, das Ensemble harmoniert sehr gut, Kameraarbeit und Musik haben mir auch durchweg gut bis sehr gut gefallen.

Also ein sehr lohnenswerter Streifen, der dieses doch relativ verbrauchte Genre modern und zugleich irgendwie mit sehr angenehmem Retro-Charme bestückt revitalisiert. Schade, dass man am Ende ein wenig in den Klamauk abdriftet und eine unrealistische Wendung an die Nächste reiht, das hat meinen persönlichen Eindruck auf hohem Niveau relativ deutlich nach unten gezogen. Gerade für Fans von Detektivgeschichten mit (schwarz)humorigem Einschlag aber auf jeden Fall eine absolute Empfehlung.

7,5/10


Fohlen
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