adrian hat geschrieben:Familie Tschiep hat geschrieben:
ch habe meine Kritikpunkte klar genannt, auch auf Deine Bitte hin. Ich lasse mich wegen der genannten Kritikpunkte nicht auf die Handlung ein.
Das Beispiel mit
Iden Stadteilen zeigt, wie bedenkenlos hier mit wichtigen Details umgegangen wird. Da wurden sich keine Gedanken darüber gemacht. Ich nenne das Schlampigkeit.
Sehr gute Fiktion ist alles, nur nicht schlampig, sondern sorgfältig bis ins kleinste Detail. Also, das Gegenteil von Blackout....
Vielen Dank für die wirklich ausführliche Auflistung deiner Kritikpunkte. So recht nachvollziehen kann ich sie leider trotzdem nicht. Ich habe den Eindruck, zu hältst dich zu sehr mit Nebensächlichkeiten auf, und verlierst dabei das wesentliche aus den Augen. Bei dieser Akribie frage ich mich , ob es überhaupt TV-Filme geben kann, die deinen Ansprüchen genügen. Ich sehe mir recht viele an, z.B. auch viele Tatorts, und im direkten Vergleich finde ich, das es sehr wenige gibt, die formal und inhaltlich dem Standard von Blackout entsprechen.
Darüber hinaus, glaube ich, hast du vieles nicht verstanden. Du kritisierst Dinge, die m.E. nicht etwa aus "Schlampigkeit", sondern ganz bewusst als Stilmittel eingesetzt wurden. Dazu gehören z.B die wenigen Handlungsorte und die verkürzten Dialoge, die wie ich finde eine ungeheuer starke (beklemmende) Atmosphäre erzeugen.
Du bemängelst die abgebliche Profillosigkeit eines Protagonisten, der gerade dabei ist, sich selbst neu kennen zu lernen, und dabei selbstverständlich erst nach und nach, mit fortschreitendem Erkenntnisgewinn, an Profil gewinnt.
Du kritisierst, dass sich der Film nicht an die allgemeinen Regeln für Thriller hält, und übersiehst, worum es eigentlich geht, nämlich der Darstellung eines eigenen kleinen Kosmos, mit ganz unterschiedlichen Charakteren, die eng miteinander verknüpft sind, und den Einfluss ihrer Handlungsweisen aufeinander. Du vermisst den "roten Faden" und ignorierst, dass der Film bewusst auf einen episodenhaften Aufbau setzt, und sich Zeit nimmt, in die unterschiedlichen Welten der handelnden Personen einzutauchen.
Ich würde BO auch nicht unbedingt als Thriller bezeichnen (und vielleicht war es auch falsch vom Sender, ihn als solchen anzukündigen). Mich erinnert er vielmehr stark an Soderbergs "Traffic", einer meiner absoluten Lieblingsfilme der letzten Jahre.
Über Geschmack kann man ja nun streiten, und wenn einem so etwas nicht gefällt, dann ist das eben so. Aber rein formal betrachtet ist BO für TV-Verhältnisse ein kleines Meisterstück, das sich sehr viel Zeit dafür nimmt, seine Figuren einzuführen und ihre Geschichten zu erzählen. Das so etwas nicht gewürdigt wird, war vielleicht sogar abzusehen. Schade ist es trotzdem.