- Di 18. Okt 2011, 14:46
#1030774
Sorry, aber hier ausgerechnet mit einem Gauck-Interview argumentieren zu wollen, ist schon die Krönung.
Fassen wir mal zusammen. Gauck, der sich nur zu gern als DDR Freiheitskämpfer präsentieren lässt, verunglimpft eine Bewegung, die für eine bessere Welt kämpft? Ja, warum auch nicht? Macht ja nur Sinn, wenn man auf die Einlassungen dieses pastoralen Märchenonkels etwas gibt. Würde Gauck nicht dieser Schleier des DDR Revoluzzers und Systemkritikers umgeben, man würde diesen Mann dort verordnen, wo er hingehört, nämlich in eine Ecke mit diesem ganzen neoliberalen, marktradikalen schmierigen FDP Gebrauchtwagenhändlergesocks um Linder, Bahr, Rösler, Westerwelle und co. Gauck ging es nie darum, die Welt besser zu machen. Gauck ging es immer nur darum ein sozialistisch-totalitäres System durch ein ebenso totalitär-kapitalistisches zu ersetzen. Der Kerl ist einer der größten Medienkasper und Demagogen, die die Bundesrepublik toleriert. Ich warte nur noch darauf, dass er zusammen mit Hans Werner Sinn und Hans Olaf Henkel eine Streitschrift Pro Marktfreiheit verfasst. Insofern verwundet es kein bischen, dass er eine marktkritische Bewegung attackiert und sich eine Welt ohne Märkte nicht vorstellen kann. Die Führung der katholischen Kirche kann sich eine Kirche ohne Zölibat, Tradition und co auch nicht vorstellen.
Man darf sich dann aber auch nicht beschweren, wenn einen die Realität einholt und man zusammen mit den Bankern, den Politikern, Wirtschaftsexperten und den FIFA Funktionären in einen Topf geworfen und aus dem Land gejagt wird. Wer es noch immer nicht begriffen hat und an diesem System festhalten will, hat auch nichts besseres verdient. Früher setzte es dafür das Schafott, heute wirst du dafür fast zum Bundespräsidenten gewählt.
Noch. Es ist natürlich auch einfach, die politisch anders denkenden als Ökos, Hippies, Arbeitslose oder faules Studentenpack zu bezeichnen. Wer es sich in diesem System gemütlich gemacht hat und davon profitiert hat ja auch nichts zu gewinnen, sondern nur zu verlieren. Ganz egal, ob die eigene Bevölkerung darunter leidet, oder der eigene Wohlstand nur deshalb gehalten werden kann, weil man andere Nationen oder Kontinente ausbeutet und beide Augen zudrückt, wenn die ach so tollen Leistungsträger ihren Wohlstand besseren Kindersklaven in Asien, oder brutalen Diktatoren in Afrika verdanken.
Vielleicht hat Gauck recht, vielleicht wird diese Bewegung in wenigen Wochen versiegen. Nichts desto trotz ist es beeindruckend, dass inzwischen nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika, Radau gemacht wird. So wie man vor wenigen Monaten noch mit ansehen konnte und sich darüber gefreut hat, dass es Jugendproteste und Aufstände im Iran, oder in Nordafrika gibt, so muss sich das Kapital auch langsam damit abfinden, dass diese Freiheitsbewegung auch in der westlichen Welt ihre Kreise zieht. Wir kämpfen zwar nicht um unser Leben, erleiden keine körperliche Gewalt oder politische Verfolgung, aber die Herrschaft der Banken ist nichts anderes als die Herrschaft der Mubaraks, Ghaddafis und Ahmadinedschads und Gauck, Henkel und co sind ihre Fürsprecher bzw Mittäter.